Studie

Pandemie unterstreicht die Bedeutung von Investitionen in lebenslanges Lernen

Zwei Mädchen lösen Mathematik-Aufgaben
Bild: Jubjang - rawpixel.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die Länder müssen mehr tun, um Menschen lebenslanges Lernen zu ermöglichen, damit diese sich in der durch Globalisierung und COVID-19-Pandemie schnell verändernden Arbeitswelt zurechtzufinden. Dies zeigt der OECD Skills Outlook 2021 der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Der Studie zufolge kommt der öffentlichen Hand eine Schlüsselrolle bei der Ermöglichung eines effektiven und inklusiven lebenslangen Lernens zu, es bleibt aber noch viel zu tun. So sollte unbedingt ein Teil der für den Aufschwung bereitgestellten Ressourcen in Programme für lebenslanges Lernen investiert werden. Dabei sollten alle wichtigen Stakeholder eingebunden werden und der Fokus auf besonders betroffene Gruppen gelegt werden, insbesondere junge Menschen, Menschen die weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung stehen (NEETs) und diejenigen, deren Arbeitsplätze am stärksten vom Wandel bedroht sind.

„Es ist unabdingbar, dass lebenslanges Lernen für alle zur Realität wird, da die Krise den Wandel in unserer Wirtschaft und beim Qualifikationsbedarf weiter beschleunigt hat. Heute nehmen zu viele Erwachsene keine Lernangebote am Arbeitsplatz wahr, und die Pandemie hat ihre Möglichkeiten dazu weiter eingeschränkt", sagte OECD-Generalsekretär Mathias Cormann bei der Vorstellung des Berichts in Paris. „Bei den Anstrengungen für einen Aufschwung werden Qualifikationen darüber entscheiden, wer in einer sich ständig verändernden Welt die Nase vorn hat oder zurückfällt. Die Länder müssen einen Teil der für den Aufschwung bereitgestellten Ressourcen in Programme für lebenslanges Lernen investieren, die alle wichtigen Interessengruppen einbeziehen und einen besonderen Schwerpunkt auf gefährdete Gruppen legen - darunter junge Menschen, Frauen und Arbeitnehmer, deren Arbeitsplätze am stärksten von der Transformation bedroht sind."

Zwei von zehn Erwachsenen mit niedrigem Bildungsstand nahmen an einer Weiterbildung teil

Schon vor der Pandemie nahmen nur zwei von zehn Erwachsenen mit niedrigem Bildungsstand an einer formalen oder berufsbegleitenden Weiterbildung teil, verglichen mit sechs von zehn Erwachsenen mit hohem Bildungsstand. Die Teilnahme an Bildungsangeboten für Erwachsene ist auch von Land zu Land sehr unterschiedlich: Weniger als 25 % der Erwachsenen in Griechenland, Italien, Mexiko und der Türkei geben an, an der Weiterbildung teilzunehmen, verglichen mit über 55 % in Dänemark, Finnland, Neuseeland, Norwegen und Schweden.

Pandemie könnte zu mehr Schulabbrechern führen

Die Pandemie kann sich auch auf das Lernverhalten von Kindern und Jugendlichen auswirken. Die Unterbrechungen des regulären Schulunterrichts führten dazu, dass viele Kinder in der Entwicklung ihrer Fähigkeiten weniger Fortschritte machten als erwartet. Kurzfristig könnte die Pandemie zu mehr Schulabbrechern führen. Mittel- und langfristig könnte die aktuelle Schülergeneration eine weniger positive Lerneinstellung entwickelt - und das in einer Zeit tiefgreifender struktureller Veränderungen, die es erforderlich machen, dass der Einzelne seine Fähigkeiten ein Leben lang verbessert, warnt der Bericht.

Um mehr Menschen in die Lage zu versetzen, weiter zu lernen und ihre Fähigkeiten auf dem neusten Stand zu halten, sollten sich die Länder laut dem Bericht auf drei Schlüsselthemen konzentrieren:

  • Die Lernenden in den Mittelpunkt des Lernens stellen: Vielfältige Lernmöglichkeiten können die Qualität von Bildung und Ausbildung verbessern. Die Politik muss integrativ, erschwinglich, zugänglich und anpassungsfähig sein.
  • Fähigkeiten für ein ganzes Leben: Lebenslanges Lernen beruht auf soliden Grundfähigkeiten wie Lese-, Schreib- und Rechenkenntnissen, der Bereitschaft zu lernen und der Gewohnheit, zu lernen. Die Politik sollte sich die Möglichkeiten von Technologie zunutze machen und dabei auch die Auswirkungen berücksichtigen, die die Technologie auf bestehende Qualifikationsunterschiede und die Schaffung neuer Ungleichheiten haben kann.
  • Starke Koordinierung für hochwertiges, integratives Lernen: Die Politik sollte eine starke Koordinierung, Wissensmanagement und Informationsaustausch aufbauen, um das lebenslange Lernen auf das erforderliche Niveau zu bringen. Die Politik sollte auf eine Verbesserung der Anerkennungs-, Validierungs- und Akkreditierungsverfahren abzielen, um die Sichtbarkeit und Übertragbarkeit der in diesen Programmen vermittelten Fähigkeiten zu erhöhen.

Quelle: Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vom 15.06.2021

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