Bildungspolitik / Inklusion

Nationalen Bildungsrat als Chance nutzen – Dialogtag zu inklusiver Bildung

Vier Puzzleteile aus Holz auf hellblauem Hintergrund
Bild: rawpixel.com

Im Rahmen des Dialogtags „Nationaler Bildungsrat – Eine Chance für inklusive Bildung?!“ forderten 22 Expertinnen und Experten aus Bildungspolitik, Schule, Jugendhilfe und Wissenschaft einen breiten gesellschaftlichen Diskurs zu Bildungsgerechtigkeit. Der von der Bundesregierung geplante Bildungsrat solle Aufgaben und Ziele des Bildungssystems festlegen, relevante Akteure einbeziehen und konkrete Impulse für inklusive Bildung setzen, so die Teilnehmenden.

Der von der Bundesregierung geplante Nationale Bildungsrat muss für eine grundsätzliche Verständigung zu Aufgaben und Zielen des Bildungssystems genutzt werden. Alle relevanten Akteure der Zivilgesellschaft sowie der Jugend- und der Behindertenhilfe sind einzubeziehen. Diese Chance sollte nicht vertan werden, erklärten 22 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Bildungspolitik, Schule, Jugendhilfe und Wissenschaft im Rahmen eines Dialogtags „Nationaler Bildungsrat – Eine Chance für inklusive Bildung?!“ in Berlin, zu der die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS e.V.) und der Fachverband IN VIA eingeladen hatten.

Alle Kompetenzen für bessere Bildungschancen bündeln

Gleichzeitig soll der Bildungsrat konkrete Impulse setzen, damit das Recht auf inklusive Bildung endlich planvoll und bundesweit umgesetzt wird. Liam Zergdjenah, Landesvorsitzender und Bundesdelegierter der Landesschüler/-innenvertretung Hamburg erklärte: „Bildungsungerechtigkeit erleben wir an unseren Schulen tagtäglich. Wir fordern, dass Schüler und Schülerinnen mit und ohne Behinderung als Expertinnen und Experten in eigener Sache im Bildungsrat vertreten sind.“ Einigkeit herrschte darüber, dass auch Lehrkräfte, Eltern und die Jugendhilfe, insbesondere die Schulsozialarbeit mit ihren vielfältigen pädagogischen Angeboten, ihre Vorstellungen zu Bildungsgerechtigkeit in den Rat einbringen können müssen, um alle Kompetenzen für bessere Bildungschancen zu bündeln.

Segregierendes Schul- und Förderschulsystem in Deutschland

Deutschland hat sich bereits im Jahr 2009 verpflichtet, das Menschenrecht auf inklusive Bildung laut Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention zu realisieren. Hiervon ist das deutsche Bildungswesen aber immer noch weit entfernt, wie Michael Wrase, Universität Hildesheim / Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, eindrücklich darlegte. Nicht nur herrschen in den 16 Bundesländern sehr unterschiedliche Vorstellungen, auch verharrt Deutschland im internationalen Vergleich mit seinem segregierenden Schul- und Förderschulsystem immer noch auf den hinteren Rängen. Sechs Prozent aller Schulabgänger/-innen verlassen die Schule ohne Abschluss.

Gesamtstrategie gefordert

„Es muss endlich eine Gesamtstrategie entwickelt werden, um ein qualitativ hochwertiges, inklusives und multiprofessionell ausgerichtetes Bildungssystem sicherzustellen. Dies ist die vordringlichste Aufgabe eines Nationalen Bildungsrates“, fordert Marion Paar, Generalsekretärin von IN VIA Deutschland und Mitglied im Vorstand der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit.

Noch aber streiten die Bundesbildungsministerin und die Kultusminister/-innen der Länder vor allem über die Stimmverhältnisse im künftigen Nationalen Bildungsrat, statt die großen Bildungsherausforderungen anzupacken, kritisierten die Teilnehmenden.

Quelle: IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit Deutschland e.V. vom 18.10.2018

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