Bildungspolitik / Bildungsforschung

GEW zur PISA-Studie 2018: „Schulen in schwierigen Lagen brauchen zusätzliche Unterstützung“

Schülerinnen sitzen in einem Klassenzimmer
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Einen Schulterschluss zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Sozialpartnern hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit Blick auf die PISA-Ergebnisse angemahnt. Insbesondere Schulen in schwierigen sozialen Lagen müssen deutlich gestärkt und begleitet werden. Die Unterschiede zwischen Kindern aus bildungsbenachteiligten Familien und gut betuchten Elternhäusern dürften gerade vor dem Hintergrund des gravierenden Lehrkräftemangels an Grundschulen nicht zusätzlich verstärkt werden.

Lehrkräftemangel verschärft Ungleichheit

„Die große Abhängigkeit des Bildungserfolges von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler bleibt die Achillesferse des deutschen Schulsystems. Auch fast 20 Jahre nach dem PISA-Schock schafft es Schule nicht entscheidend, Nachteile abzubauen, die Kinder aus dem Elternhaus mitbringen. Im Gegenteil: Der Lehrkräftemangel verschärft das Problem. Die Schere geht weiter auf“, sagte Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied Schule, zu den heute veröffentlichten PISA-Daten. „Nur mit einer länderübergreifenden Anstrengung ist die Herausforderung, endlich für mehr Chancengleichheit zu sorgen, zu stemmen. Dabei sollte auch die Schulstrukturdebatte nicht länger tabuisiert werden.“

„Insbesondere Schulen in schwierigen sozialen Lagen müssen deutlich gestärkt und begleitet werden, damit sie die Schülerinnen und Schüler besser unterstützen und fördern können. Sonst werden die Unterschiede zwischen Kindern aus bildungsbenachteiligten Familien und gut betuchten Elternhäusern gerade vor dem Hintergrund des gravierenden Lehrkräftemangels an Grundschulen zusätzlich verstärkt“, betonte Hoffmann. Es sei unverantwortlich, Quer- und Seiteneinsteiger insbesondere an Schulen einzusetzen, in denen ein sehr hohes Maß an pädagogischer Kompetenz erforderlich ist. Dies verstärke den benachteiligenden Effekt, der durch die frühe Aufteilung der Schülerinnen und Schüler nach der Grundschule auf verschiedene Schulformen entsteht.

Hoffmann wies darauf hin, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund deutlich schlechtere Bildungschancen als ihre Mitschülerinnen und -schüler ohne diese Erfahrung hätten: „Auch für diese Gruppe gibt es dringenden Handlungsbedarf.“ Zudem regte die GEW-Expertin an, mehr in der Förderung von Mädchen in Mathe und den MINT-Fächern sowie Jungen im Lesen zu investieren.

Schritte in Richtung eines inklusiven Schulsystems

Sie betonte, Deutschland sei gut beraten, weitere Schritte in Richtung eines inklusiven Schulsystems zu machen. Dies erfordere jedoch eine deutlich bessere materielle und personelle Ausstattung der Schulen als bisher. Länder wie Kanada, die ein Gesamtschulsystem haben, zeigten, dass sich diese Ausgaben lohnen: Es gelänge diesen Staaten wesentlich besser als Deutschland, Benachteiligungen abzubauen und junge Menschen mit Migrationshintergrund zu integrieren.

Neben den Lernergebnissen hält Hoffmann aber auch Aspekte wie das Schulklima, die Lernmotivation und das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler für essenziel wichtig. Das gute Abschneiden von Staaten wie China und Korea dürfe nicht dazu verleiten, die Lernkultur dieser Länder zu übernehmen. Kinder und Jugendliche stünden dort unter einem so hohen Leistungsdruck, dass dieser ihre Gesundheit bedroht.

Weiterführende Informationen zur Internationale Schulleistungsstudie der OECD mit einzelnen Länderergebnissen und Ländernotizen sind in der Berichterstattung auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe zu finden.

Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vom 3.12.2019

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