Bildungspolitik / Digitalisierung und Medien

GEW zum Nationalen Bildungsbericht: „Politik muss endlich ihre Hausaufgaben machen“

Schülerinnen sitzen in einem Klassenzimmer
Bild: © LIGHTFIELD STUDIOS - fotolia.com

Mit Blick auf den am 23. Juni 2020 veröffentlichten „Nationalen Bildungsbericht“ mit dem Schwerpunkt Digitalisierung hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Politik gemahnt, „endlich ihre Hausaufgaben zu machen“.

„Offenbar verstärkt der Einsatz digitaler Medien das starke soziale Gefälle in den Schulen. Eine Erkenntnis, die auch durch die Erfahrungen aus der Corona-Krise gestützt wird. Die Politik muss endlich gegensteuern. Sie muss den Raum für die Entwicklung pädagogischer Konzepte schaffen, für eine stabile digitale Infrastruktur sorgen, Systemadministratoren einstellen sowie Lehrkräfte und Schüler mit digitalen Endgeräten ausstatten. Sonst klafft die soziale Schere künftig noch weiter auseinander“, sagte Ilka Hoffmann, für Schule verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, am Dienstag in Frankfurt a.M. Sie wies darauf hin, dass die Anfang Juni veröffentlichte Studie der GEW vergleichbare Ergebnisse zu Tage gefördert hatte. So seien bespielweise 90 Prozent der Lehrkräfte darauf angewiesen, ihre privaten Endgeräte für die Arbeit an der Schule zu nutzen.

Fortbildungsangebote zur Digitalisierung ausbauen

„Die Fortbildungsangebote für Lehrkräfte zur Digitalisierung müssen ausgebaut und passgenauer werden, aber auch die Ausbildung müsse digitale Anforderungen stärker berücksichtigen. Ohne ausreichende Angebote und die Unterstützung bei der Konzeptentwicklung bleibt der Einsatz digitaler Medien im Unterricht allenfalls Stückwerk“, betonte Hoffmann. Bisher seien die Schulen zu wenig bei der Entwicklung medienpädagogischer Konzepte unterstützt worden.

Die Schulexpertin stellte fest, dass die Situation der Lehrkräfte bei der Umsetzung der Digitalisierung nur unzureichend berücksichtigt werde: „Die Digitalisierung an den Schulen sollte dringend auch arbeitsrechtlich geerdet werden. Zurzeit wird die Quadratur des Kreises gefordert. Lehrkräfte sollen – bei unzureichender digitaler Infrastruktur – den Datenschutz beachten, gleichzeitig aber ins Online-Lernzeitalter vorstoßen. Sie sollen immer per E-Mail zu erreichen sein, sich aber nicht über die schleichende Ausweitung ihrer Arbeitszeit beklagen. Das passt nicht!“

Digitalisierung, kritisches Denken und Demokratie sollten Hand in Hand gehen

Hoffmann kritisierte, dass die Digitalisierung, so wie sie aktuell vorangetrieben wird, die „Normierung von Lernanforderungen“ verstärke. Grund hierfür seien die Ideen von „Learning-Analytics“-Konzepten, mit denen viele Schulen arbeiten sollen. „Digitalisierung, kritisches Denken und Demokratie müssen jedoch in allen Bildungsbereichen Hand in Hand gehen“, sagte das GEW-Vorstandsmitglied. Es sei falsch, die Digitalisierung als Ersatz für pädagogische Konzepte zu sehen. Digitale Angebote seien nicht automatisch besser als analoge Lernangebote. Die Digitalisierung müsse pädagogisch begleitet und in ein didaktisches Gesamtkonzept eingebunden werden.

Weiterführende Informationen sind der Berichterstattung auf dem Fachkräfteportal zu entnehmen sowie unter www.bildungsbericht.dezu finden.

Über den Bildungsbericht

Den seit 2006 alle zwei Jahre erscheinenden Bildungsbericht hat eine unabhängige Wissenschaftlergruppe unter Federführung des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation erarbeitet. Beteiligt sind das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen e.V. (DIE), das Deutsche Jugendinstitut (DJI), das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), das Soziologische Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie das Statistische Bundesamt (Destatis) und die Statistischen Ämter der Länder (StLÄ).

Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vom 23.06.2020