Bildungspolitik / Bildungsforschung

GEW zum IQB-Bildungstrend: Nicht viel Neues – Handeln statt Messen angesagt

Drei Kinder kommen mit ihren Rucksäcke lachend aus einem Schulgebäude
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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat ein „Bund-Länderprogramm gegen Bildungsarmut“ vorgeschlagen. „Die Armut von Kindern ist insbesondere in den Stadtstaaten ein großes Problem. Sie wirkt sich negativ auf den Lernerfolg aus. Wir haben kein Erkenntnisproblem: Politik muss die Konsequenzen aus den Daten ziehen und endlich handeln“, sagte Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied Schule, mit Blick auf den veröffentlichten Bildungstrend 2019 des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB).

Ilka Hoffmann machte deutlich, dass sich der dramatische Lehrkräftemangel schon jetzt in den Ergebnissen der Studie widerspiegele. Dieser Trend werde sich in den nächsten Jahren verstärken, wenn Politik nicht gegensteuert. Hoffmann mahnte eine Offensive in der Lehrkräfteausbildung und Qualitätsstandards in der Fort- und Weiterbildung von Quer- und Seiteneinsteigern an.

Quantitative Forschung durch qualitative Methoden der Unterrichtsforschung ergänzen

Eine höhere Qualität von Bildung wird durch Standards bei den Lernbedingungen, die Unterstützung der Unterrichtsentwicklung und massive Investitionen in eine gute Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer erreicht. Bildungsmonitoring darauf zu reduzieren, ob Bildungsstandards erreicht werden, reicht nicht“, betonte die GEW-Schulexpertin. „Die quantitative Forschung muss durch qualitative Methoden der Unterrichtsforschung ergänzt werden, bei Problemen sind gut evaluierte Unterstützungsmaßnahmen einzusetzen.“ So hätten beispielsweise Bremen und Berlin, die im Bildungstrend nicht gut abschneiden, mit besonders großen sozialen und pädagogischen Herausforderungen an den Schulen zu kämpfen.

Hilft ein Ländervergleich?

Hoffmann zweifelte an, dass ein Ländervergleich tatsächlich eine Verbesserung der Bildungsqualität anstoßen könne: „Die einzelnen Schulen sind mit Blick auf ihre pädagogische Ausrichtung und die Zusammensetzung der Lerngruppen sehr unterschiedlich. Insofern gibt es kein länderspezifisches Gesamtsystem mit einem einheitlichen Unterrichtskonzept, das man anpassen kann. Ein Rückschluss auf die Schulstrukturen in den Ländern ist daher unredlich.“ Zudem würden in der Studie grundsätzlich unterschiedliche Stichproben miteinander verglichen. Diese könnten sich durch gesellschaftliche Entwicklungen in ihren Lernvoraussetzungen ändern. „Es ist also nicht klar, welche Entwicklung genau gemessen werden kann und welche Parameter ausschlaggebend sind“, sagte Hoffmann.

Hintergrundinformation zur IQB-Studie

Die vom IQB im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) erarbeitete Schulleistungsstudie untersucht die Kompetenzstände der Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe in den Fächern Mathematik, Biologie, Chemie und Physik im Ländervergleich. Grundlage bilden die bundesweit geltenden Bildungsstandards der KMK im Fach Mathematik für den Haupt- und den Mittleren Schulabschluss sowie die Bildungsstandards in den Fächern Biologie, Chemie und Physik für den Mittleren Schulabschluss.

Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in Bayern und Sachsen liegen leicht über dem Durchschnitt. Im Großen und Ganzen gibt es kaum Verbesserungen beim Erreichen der Bildungsstandards. Auffallend ist, dass die Gymnasien eine eher ungünstige Entwicklung nehmen.

Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vom 18.10.2019