Bildungspolitik / Europa

GEW zum 20-jährigen Jubiläum der europäischen Studienreform: Nicht Bologna ist das Problem, sondern Bonn

Studenten unterschiedlicher Herkunft stehen lächelnd auf einem Flur und unterhalten sich.
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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Länder gemahnt, Fehler bei der Umsetzung der von 20 Jahre gestarteten Bologna-Reform zu korrigieren. Laut dem stellvertretenden GEW-Vorsitzenden und Hochschulexperten, Andreas Keller, müssten bei der Umsetzung der Reformen die Verantwortlichen kräftig nachjustieren.

„Die 1999 in Bologna initiierte europäische Studienreform steht für viele gute Ziele: die Förderung der Mobilität im europäischen Hochschulraum, vergleichbare Studienstrukturen und -abschlüsse oder die Verbesserung der Chancengleichheit im Studium. Bei der Umsetzung der Reform haben die Länder und die Hochschulen jedoch gravierende Fehler gemacht: vollgestopfte Curricula, eine zu hohe Prüfungsdichte oder eine zu hohe Arbeitsbelastung für Studierende und Lehrende. Nicht Bologna ist das Problem, sondern Bonn“, sagte der stellvertretende GEW-Vorsitzende und Hochschulexperte, Andreas Keller, mit Blick auf den Sitz der Kultusministerkonferenz (KMK), der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in der früheren Bundeshauptstand.

Fehler bei der Umsetzung der Bologna-Reform korrigieren

Bei der Umsetzung der Reformen müssten die Verantwortlichen kräftig nachjustieren, betonte Keller. „Die Länder müssen ihre strengen Vorgaben für Bachelor- und Masterstudiengänge entrümpeln, um sowohl die Studierbarkeit als auch die Studierfreiheit zu sichern. Weiter müssen sie das Recht auf freien Zugang zum Masterstudium für alle Bachelorabsolventinnen und -absolventen durchsetzen. Wenn die Länder dazu nicht in der Lage sind, darf sich der Bund nicht scheuen, endlich von seiner Gesetzgebungskompetenz für Hochschulabschlüsse und -zulassung Gebrauch zu machen, und das Recht auf freien Masterzugang gesetzlich garantieren“, appellierte der GEW-Vize.

Entscheidend für ein qualitätsvolles und erfolgreiches Studium seien aber auch die Lehrenden, mahnte Keller. „Solange an Universitäten auf eine Professur über 60 Studierende kommen und wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach dem Hire and Fire-Prinzip eingestellt und wieder auf die Straße gesetzt werden, kann keine optimale Betreuung der Studierenden gewährleistet werden. Wir brauchen bessere Betreuungsrelationen und mehr Kontinuität in der Lehre durch mehr Personal und Dauerstellen für Daueraufgaben“, betonte der GEW-Hochschulexperte. „Dozentinnen und Dozenten sollten darüber hinaus das Recht auf regelmäßige hochschuldidaktische Fort- und Weiterbildung im Rahmen ihrer Arbeitszeit bekommen. Auf europäischer Ebene wird sich die GEW gemeinsam mit den anderen Bildungsgewerkschaften dafür stark machen, dass die aktive Unterstützung der Lehrenden ganz nach oben auf die Agenda des Bologna-Prozesses kommt“, unterstrich Keller.

Hintergrund

Vor 20 Jahren gaben die Bildungsministerinnen und -minister aus 29 europäischen Ländern in Bologna den Startschuss für den nach der oberitalienischen Universitätsstadt benannten Bologna-Prozess. Das Ziel: Es soll ein europäischer Hochschulraum geschaffen werden. Inzwischen haben sich 48 Länder innerhalb und außerhalb der Europäischen Union der Reform angeschlossen. Zum 20-jährigen Jubiläum der Bologna-Erklärung treffen sich heute und morgen an der Universität Bologna Vertreterinnen und Vertreter aus ganz Europa zu einer Festveranstaltung und einer Konferenz, auf der die Zukunft der europäischen Studienreform beraten wird. Als Vertreter der europäischen Bildungsgewerkschaften nimmt GEW-Vize Andreas Keller an dem Treffen teil.

Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) vom 24.06.2019

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