Bildungspolitik

GEW beklagt "Etikettenschwindel" beim Hochschulpakt

Im Jahr 2009 haben die Regierungschefs von Bund und Ländern die Fortsetzung des Hochschulpakts unterzeichnet. Die aktuelle Programmphase des "Hochschulpakts 2020" läuft von 2011 bis 2015. In dieser Zeit sollen 275.000 zusätzliche Studienplätze geschaffen werden. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Zwischenbilanz zum Hochschulpakt von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) als "Etikettenschwindel" bezeichnet.

"Wenn die Länder in größerem Umfang als erwartet Mittel aus dem Hochschulpakt abrufen, ist das auf der einen Seite ermutigend: Wir brauchen dringend mehr Studienplätze. Auf der anderen Seite zeigt die große Nachfrage, dass der Hochschulpakt unterfinanziert ist und das Geld schon vor 2015 ausgehen könnte. Die Erfolgsmeldungen der Ministerin sind in Wahrheit ein Alarmzeichen", erklärte das für Hochschulen verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller am Dienstag in Frankfurt a.M..

Keller machte sich für einen drastischen Ausbau des Hochschulpakts stark: "Wir brauchen deutlich mehr Studienplätze, damit sich möglichst viele Studienberechtigte für eine Hochschulausbildung entscheiden." Er betonte, dass die bisherige Kalkulation des Hochschulpakts weder die geplante Aussetzung der Wehrpflicht noch eine höhere Bildungsbeteiligung unter den Studienberechtigten berücksichtige. "Wenn die Wehrpflicht ausgesetzt wird, werden bis zu 70.000 junge Männer zusätzlich an die Hochschulen strömen. Wenn tatsächlich mehr Studienberechtigte ein Studium aufnehmen, fehlen bis zu 100.000 weitere Studienplätze. Die Ministerin sollte dafür sorgen, dass der Hochschulpakt deutlich aufgestockt wird", betonte der GEW-Hochschulexperte.

Er setzte sich außerdem für einen nachhaltigen Aubau der Hochschulen über 2015 hinaus ein. "Der Hochschulpakt darf nicht wie ein Strohfeuer nach kurzer Zeit wieder erlöschen. Dozentinnen und Dozenten, die jetzt eingestellt werden, dürfen nicht nach kurzer Zeit wieder auf die Straße gesetzt werden. Das Hire-and-Fire-Prinzip ist fehl am Platz: Die Hochschulen haben einen nachhaltigen Personalbedarf. Bis 2025 müssen sie bis zu 30.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einstellen, um ihre wachsenden Aufgaben zu bewältigen", erklärte Keller. Er bezog sich auf eine Studie zum Personalbedarf an Hochschulen, die die Berliner Wissenschaftlerin Silke Gülker am Freitag auf dem Follow-Up-Kongress der GEW zum "Templiner Manifest" vorgestellt hatte.

Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

http://www.bmbf.de/de/6142.php

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