„Schule macht stark“

Schulen in sozial herausfordernder Lage nachhaltig unterstützen

Jugendliche sitzen in einem Raum und hören einem Vortrag zu
Bild: Sam Balye - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Schulen in sozial herausfordernder Lage arbeiten unter erschwerten Bedingungen, die oftmals in den Leistungen der Schüler dort reflektiert werden. Die Bund-Länder-Initiative „Schule macht stark“ soll dies nun ändern und die Bildungschancen von sozial benachteiligten Schülerinnen und Schüler verbessern: 200 Schulen in sozial schwierigen Lagen bei der Erfüllung ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages unterstützen.

Erhöhter Sprachförderbedarf, große Personalfluktuation, armutsgefährdete Elternhäuser: Das sind nur einige der erschwerten Bedingungen, unter denen Schulen in sozial herausfordernder Lage arbeiten. Im Ergebnis fallen die Leistungen der dortigen Schülerinnen und Schüler vergleichsweise schlechter aus. Ein neuer Forschungsverbund will dieser Bildungsungleichheit nun bundesweit entgegenwirken. Unter dem Titel „Schule macht stark – SchuMaS“ erarbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 13 Institutionen gemeinsam mit insgesamt 200 Schulen entsprechende Maßnahmen. Das Vorhaben ist Teil einer gemeinsamen Bund-Länder-Initiative und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

„Durch ein großes Maß an Abstimmung zwischen allen Ebenen wollen wir möglichst zielgerichtet und nachhaltig zum Abbau sozialer Ungleichheiten beitragen. Dabei geht es uns nicht nur um den Zugang zu Bildung, sondern um den tatsächlichen Erfolg der Schülerinnen und Schüler“, erklärt Professor Dr. Kai Maaz, Geschäftsführender Direktor des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, das den Verbund koordiniert. „Wir möchten, dass sich die sprachlichen und mathematischen Basiskompetenzen, die Lernmotivation und auch die sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler verbessern. Das gilt auch vor dem Hintergrund der Herausforderungen in der aktuellen Pandemie-Situation“, konkretisiert Maaz. Für diese Ziele werden Bildungsforschung und Schulpraxis im Rahmen von SchuMaS besonders intensiv zusammenarbeiten. Das Verbundprojekt hat zum Januar 2021 seine Arbeit aufgenommen.

Wirksame Maßnahmen bauen auf bestehende Ansätze auf

SchuMaS wird an vier thematischen Handlungsfeldern ansetzen. Es gilt,

  • den Unterricht weiterzuentwickeln – mit einem besonderen Fokus auf Mathematik und Deutsch,
  • das an den Schulen tätige pädagogische Personal noch gezielter zu qualifizieren und dabei die spezifischen Bedingungen von Schulen in sozial herausfordernder Lage in den Blick zu nehmen,
  • die Schulen als Organisation, die Schulkultur und das Führungshandeln weiterzuentwickeln und
  • das Lernen außerhalb des Unterrichts und die Unterstützung im sozialen Umfeld zu fördern.
  • In allen vier Bereichen identifizieren und entwickeln die Forschenden gemeinsam mit den Schulen wirksame Maßnahmen. Diese bauen auf dem wissenschaftlichen Kenntnisstand und den bereits bestehenden Ansätzen an den Schulen auf. Das Spektrum kann von zusätzlichen Lesezeiten im Unterricht über die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams bis hin zu einer stärkeren Einbindung der Eltern und der Kooperation mit außerschulischen Partnern – etwa in der Ausgestaltung der Ganztagsbeschulung – reichen. Das Maßnahmenpaket wird jeweils an die individuellen Bedarfe der einzelnen Schulen angepasst.

Eng abgestimmte Zusammenarbeit im gesamten Bundesgebiet

Die beteiligten 200 Schulen kommen aus allen 16 Bundesländern. Sie gehören dem Primarbereich und der Sekundarstufe I an. Die Zusammenarbeit mit ihnen organisiert der interdisziplinäre Forschungsverbund über vier Regionalzentren. In enger Abstimmung mit den Ländern – insbesondere den Landesinstituten und Agenturen zur Qualitätsentwicklung sowie den Schulaufsichtsbehörden – begleiten und beraten die Zentren die Schulen. Teil des Vorhabens sind drei weitere wissenschaftliche Arbeitsgruppen. Sie (1.) evaluieren die Wirksamkeit der Maßnahmen, (2.) unterstützen technisch und methodisch den Umgang mit Erhebungen und Forschungsdaten und (3.) stärken den Transfer des erarbeiteten Wissens und die Verzahnung aller Maßnahmen und beteiligten Gruppen – ein zentrales Ziel des Verbunds.

„Die weitreichende und übergreifende Kooperation von Wissenschaft, Bildungspraxis und Bildungsadministration stellt in dieser Form für alle Beteiligten einen neuen Ansatz dar. Wir sind uns aber sicher, dass diese Netzwerke große Entwicklungspotenziale für die Schulen und natürlich vor allem für die Schüler*innen erschließen können“, so Kai Maaz. Davon sollen nicht nur die teilnehmenden 200 Schulen profitieren. Nach fünf Jahren soll ein Katalog praxisbewährter und forschungsbasierter Maßnahmen stehen, deren Wirksamkeit im Einsatz überprüft wurde. Er soll dann weiteren Schulen in sozial herausfordernden Lagen zur Verfügung gestellt werden.

Mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek erklärt: „Schülerinnen und Schüler, die in schwierigen sozialen Bedingungen leben, benötigen die besondere Unterstützung unserer Gesellschaft, um ihre Potenziale besser entfalten zu können. Gerade die, die es in der Schule aus diesem Grund mitunter besonders schwer haben, hat die nicht einfache Schulsituation in der Corona-Pandemie besonders getroffen. Ich bin sehr froh, dass unsere Bildungsinitiative gerade in diesen Tagen startet. Besser hätte der Zeitpunkt fast gar nicht gewählt werden können."

Deutschland sei laut der Ministerin auf die Talente und Ideen aller Menschen in diesem Land angewiesen. Dieses Potenzial könne nur dann voll ausgeschöpft werden, wenn Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten gefordert und gefördert werden.

Darum solle das Projekt Schule und Unterricht weiterentwickeln. Damit sollen die Schulen untereinander, aber auch mit Bildungsangeboten außerhalb der Schulen besser vernetzt werden. Gelingt dies, können die Schulen Schülerinnen und Schülern passgenauere Angebote machen, ganz gleich, in welchen Verhältnissen sie aufwachsen. Gemeinsam sollen Bund und Länder mit der neuen Initiative ‚Schule macht stark‘ so zu mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung beitragen. „Ich bin dankbar dafür, dass wir gemeinsam mit den Ländern die Initiative konstruktiv und mit viel Energie an den Start gebracht haben,“ ergänzt die Ministerin.

Die Länder sollen ihre Anstrengung weiter intensivieren

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, Britta Ernst, erläutert: „Die Länder haben sich gemeinsam mit dem Bund darauf verständigt, das Engagement für Schülerinnen und Schüler in sozial schwierigen Lagen zu intensivieren und die Ergebnisse dieses Prozesses in die Fläche zu bringen. Nach wie vor ist es Ziel der Länder, den Anteil der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss zu verringern. Es geht darum, das Aufholen von Lernrückständen zu ermöglichen und das erfolgreiche Lernen individuell zu fördern."

Nicht zuletzt die Pandemie habe uns vor Augen geführt, wie elementar schulische Bildung ist. Die Initiative soll einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, alle Schülerinnen und Schüler bei der Verwirklichung ihres Bildungserfolges zu unterstützen. Gemeinsam mit der durch das BMBF finanzierten Forschung sollen die Länder ihre Anstrengung weiter intensivieren, um dieses Ziel zu verwirklichen. Ein besonderer Erfolg sei es, dass die Arbeit nun trotz Corona planmäßig beginnt und Forschende und Schulen die ersten Schritte miteinander gehen können.

Schule und Unterricht weiterentwickeln

Der Leiter des Forschungsverbundes, Prof. Dr. Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) dazu: „Die Initiative ‚Schule macht stark‘ bietet große Potenziale, das in Wissenschaft und Praxis vorhandene Wissen zur Schul- und Unterrichtsentwicklung an Schulen in herausfordernden sozialen Lagen zusammenzuführen und weiterzuentwickeln, um dadurch einen nachhaltigen Beitrag zum Abbau von Bildungsungleichheiten zu leisten. Wir freuen uns auf den Austausch mit den Schulen und sind uns sicher, dass die gemeinsame Entwicklungsarbeit vielfältige Ansätze und Modelle zur Steigerung des Lern- und Bildungserfolgs an den Schulen hervorbringen wird. Dabei stehen die sprachlichen und mathematischen Basiskompetenzen, die Lernmotivation und auch die sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler im Fokus der schulischen Entwicklungsarbeit.“

Hintergrund

„Schule macht stark“ ist auf zehn Jahre angelegt und in zwei Phasen zu je fünf Jahren gegliedert. In der ersten Phase unterstützt ein durch das BMBF finanzierter Forschungsverbund mit praxisnaher Forschung die Schulen dabei, ihre besonderen Herausforderungen zu meistern. Das bedeutet konkret, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ab dem Schuljahr 2021/2022 gemeinsam mit den Schulen daran arbeiten werden, Bedarfe in der Schul- und Unterrichtsentwicklung zu identifizieren, vorhandene Potenziale zu erkennen und neue Strategien und Konzepte zu entwickeln. Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Vernetzung der Schulen mit anderen Bildungs- und sozialen Angeboten im Umfeld der Schulen sowie untereinander. Die zweite Phase dient dem Transfer der entwickelten Strategien und Konzepte an andere Schulen, so dass neben den 200 Schulen der ersten Phase möglichst viele weitere von der Initiative profitieren können. Dies wird ebenfalls wissenschaftlich unterstützt. Für die Initiative stellen das BMBF und die Länder zu gleichen Teilen insgesamt 125 Millionen Euro zur Verfügung.

Neben dem koordinierenden DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation gehören dem Verbund folgende weitere Einrichtungen an: Das Deutsche Jugendinstitut (DJI), die Freie Universität Berlin, das Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Eberhard Karls Universität Tübingen, das Institut für Entwicklung und Erforschung des Mathematikunterrichts (IEEM) der Technischen Universität Dortmund, das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität zu Berlin, das Interdisziplinäre Zentrum für Bildungsforschung (IZfB) der Universität Duisburg-Essen, das IPN – Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, das Deutsche Zentrum für Lehrerbildung Mathematik (DZLM), das Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache der Universität zu Köln, die Ruhr-Universität Bochum, die Universität Heidelberg, die Universität Mannheim und die Universität Potsdam. An der Arbeit des Verbunds sind weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und kooperierende Institutionen beteiligt – zum Beispiel die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS).

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung vom 27.01.2021 sowie DIPF / Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation vom 28.01.2021

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