Bildungspolitik / Jugendsozialarbeit

BAG KJS: Bildungssystem ist nicht nur ungerecht, sondern auch unzeitgemäß

Eine Schülerin sitzt im Unterricht, hört zu mit aufgestütztem Kopf und einem Stift in der Hand
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Der Nationale Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2020“ dokumentiert: Die Bildungsbeteiligung sowie die Durchlässigkeit des Bildungssystems haben sich erhöht. Dennoch gibt es hierzulande weiterhin ein Bildungsproblem. Sehenden Auges steuern wir auf weniger, statt auf mehr Bildungsgerechtigkeit zu. Die Auswirkungen der Corona-Krise verdeutlichen dies besonders. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V. vermisst den politischen Willen, sich tatsächlich dem drängenden Problem ungleicher Bildungschancen anzunehmen.

Der Anteil der Jugendlichen, die die Schule ohne mindestens einen Hauptschulabschluss verlassen, hat sich in den letzten Jahren stetig auf 6,8 Prozent (2018) erhöht. Nur 30 Prozent von ihnen gelingt der direkte Einstieg in eine duale oder vollzeitschulische Ausbildung. Jugendliche mit Migrationsgeschichte haben unabhängig ihres Schulabschlusses weiterhin grundsätzlich viel geringere Chancen auf eine vollqualifizierende Ausbildung. Es gelingt im deutschen Bildungssystem nicht, den kausalen Zusammenhang zwischen (sozialer) Herkunft und Bildungserfolg aufzulösen.

Digitale Ausstattung im Bildungswesen nicht ausreichend

Auch die digitale Ausstattung im Bildungswesen erweist sich als vollkommen unzureichend. Sowohl junge Menschen in armen Familien als auch viele Schulen selbst haben Schwierigkeiten den unvorbereiteten Umstieg auf Fernunterricht zu bewältigen. Die Kluft zwischen Schüler/-innen, die den Fernunterricht während der Pandemie meistern können und denjenigen, die weiter abgehängt werden, vergrößert sich stetig.

Ohne entsprechende Hilfe, technische Ausstattung und das Wissen, digitale Medien für das Lernen zu nutzen, droht ein großer Teil der jungen Generation endgültig abgehängt zu werden. „Dies muss mit Blick auf das nächste Schul- und Ausbildungsjahr besser laufen. Wir brauchen eine umfassende und auch digitale Förderung aller jungen Menschen – jetzt. Die nun beginnende Sommerpause ist dringend zu nutzen, damit nicht auch noch das nächste Schuljahr bzw. Ausbildungsjahr verloren geht,“ betont Lisi Maier, Vorsitzende der BAG KJS.

Junge Menschen haben ein Recht auf Bildung

Die BAG KJS fordert dieses Recht mit stabilen Förderketten und sozialpädagogischer Begleitung zu garantieren. Damit junge Menschen Beständigkeit und langfristige Begleitung erfahren können, sind flächendeckende und nachhaltig abgesicherte Angebote zu gewährleisten. „Auch eine gesetzlich verankerte Ausbildungsgarantie würde junge Menschen davor schützen Bildungsverlierer zu werden,“ so Lisi Maier. Der Bildungsbericht beschreibt es in der Theorie, die Corona-Krise bestätigt es in der Praxis: das Bildungssystem ist nicht nur ungerecht, sondern auch unzeitgemäß.

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V. vom 25.06.2020

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