Bildungspolitik / Jugendsozialarbeit

Ausbildung für alle: Sehrbrock fordert Unternehmen zum Umdenken auf

Berlin. Anlässlich des Tages der Ausbildung am 18. Mai 2011 bemängelte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock, dass sich die Hoffnung auf einen nachhaltigen Anstieg bei den Ausbildungsverträgen aufgrund der starken Wirtschaftsaufschwung seit 2010 und der heftig geführten Fachkräfte-Debatte nicht erfüllt habe.

"Im Gegenteil: Die Bilanz aus dem Krisenjahr 2009 wurde noch einmal um rund 4.000 Ausbildungsplätze unterboten. Die Wirtschaft wählt nach wie vor die besten Schulabgänger aus und schreibt den Rest als nicht ausbildungsfähig ab, ruft aber gleichzeitig nach Fachkräften aus dem Ausland und Auszubildenden aus Tschechien und Polen. Es ist an der Zeit, dass die Unternehmen umdenken", so Sehrbrock.

Glänzende Ausbildungschancen für junge Menschen seien immer noch eine Fata Morgana. "Allein im Jahr 2010 wurden ausweislich des Berufsbildungsberichts der Bundesregierung 320.000 Jugendliche in Warteschleifen und Ersatzmaßnahmen gesteckt, weil sie keinen Ausbildungsplatz bekommen haben. Glänzende Chancen sehen anders aus", sagte die Gewerkschaftsfunktionärin.

Sehrbrock erläuterte, dass nach Informationen des Bundesinstituts für Berufsbildung nur 66,3 Prozent der ausbildungsinteressierten und für ausbildungsreif befundenen Jugendlichen, die institutionell erfasst wurden, eine duale Berufsausbildung gefunden hätten. Jeder dritte dieser Jugendlichen, der 2010 an einer Ausbildung interessiert war, habe keinen Ausbildungsvertrag bekommen. Sehrbrock forderte die Unternehmen auf, sich stärker für die Ausbildung junger Menschen zu engagieren: "Nur 24 Prozent der Betriebe bilden aus. Jugendliche mit Hauptschulabschluss brauchen eine Chance."

Um von einer guten Lage auf dem Ausbildungsmarkt sprechen zu können, würden in diesem Jahr mindestens 600.000 Ausbildungsverträge benötigt. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende hält ein Plus von 40.000 Ausbildungsverträgen  aufgrund der Abschaffung von Wehr- und Zivildienst sowie doppelter Abiturjahrgänge in einigen Bundesländern für durchaus machbar.

"Die Betriebe sehen offensichtlich noch nicht die Notwendigkeit, auf die vielfältig vorhandenen Potenziale bei den unter 30-Jährigen ungelernten Arbeitskräften aktiv zuzugehen und sie für Ausbildung einzuwerben. 1,5 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren haben keinen Berufsabschluss. Das sind 17 Prozent dieser Altersgruppe. Hier liegt ein großes Reservoir für zukünftige Fachkräfte“, sagte Sehrbrock abschießend.

Quelle: Deutscher Gewerkschaftbund