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Ich lerne zu leben. Evaluation von Bildungswirkungen in der kulturellen Kinder- und Jugendarbeit in Nordrhein-Westfalen. Qualitätsanalyse im Wirksamkeitsdialog

Handlungsfeld:

  • Kinder- und Jugendarbeit

Materialienkategorie: Monographie / Buch

Medientyp: Print

Strukturebene: Nordrhein-Westfalen

Kurzbeschreibung:

Seit 1999 hat sich die LKJ NRW mit hohem Einsatz in den »Wirksamkeitsdialog« mit der Landesregierung begeben und für den Trägerbereich Kulturelle Jugendarbeit (Landesarbeitsgemeinschaften und Jugendkunstschulen) aufwändige Selbstevaluationsprozesse initiiert und organisiert. Neben das flächendeckende Berichtswesen zu Strukturen, Angeboten, Input und Output ist zunehmend die qualitative Analyse getreten. In diesem Trend von der Quantität zu Qualität, der exemplarisch interkulturelle Angebote, Geschlechterdifferenzierung und neuerdings Schulkooperationen beleuchtet hat, markiert die von Werner Lindner vorgelegte Evaluation von Bildungswirkungen methodisch wie inhaltlich einen schwer zu toppenden Höhepunkt.

 

Hieran maßgeblich beteiligt sind sicher der Zeitpunkt des Erscheinens und ein bildungspolitisches Klima, das vielerorts auf schnelle, einfache und einheitliche Lösungen dringt. Es bedarf aber schon konzeptioneller Unabhängigkeit und jugendpolitischen Rückgrats, um in so hektischer Zeit die »strukturelle Vorbildfunktion« (Wolfgang Welsch) individueller Bildungsverläufe zu entdecken und offensiv für »Jugendkulturarbeit als Elementarschule der Pluralität« zu plädieren.

 

Die Substanz für sein Plädoyer bezieht Lindner (Dezernent beim Niedersächsischen Landesjugendamt, inzwischen Professor für Jugendarbeit und Jugendkultur an der FH in Jena) aus der teilnehmenden Beobachtung spartenbezogener Bildungsprojekte der Arbeitsgemeinschaften (Theater, Zirkus, Fotografie, Tanz, Musik und Literatur) und Jugendkunstschulen (Gestaltung, Kunst und Medien) sowie insbesondere dem direkten Dialog mit den jugendlichen Projektteilnehmer/innen. Die Gesprächsprotokolle gehören zum inspirierendsten Material der schlanken, knapp 100-seitigen Qualitätsanalyse. Die genuine Leistung Lindners aber besteht darin, in der vermeintlich diffusen, zumindest extrem divergierenden Impulsvielfalt schlüssig, plausibel und operationalisierbar Indikatoren für Selbstbildungsprozesse identifiziert zu haben, deren Ausbau und methodisch gesicherte Verfolgung gerade »nach Pisa« aller Mühen wert ist.

 

Inhaltlich sind sie übrigens anschlussfähig an die Jugendkunstschul-Evaluation der LKD, in der der Bildungsforscher Johannes Weinberg der kulturellen Jugendbildung 1997 genuine Anerkennungs-, Befähigungs- und Ermutigungsfunktion im Vorfeld gesellschaftlicher Teilhabe attestiert hatte. Lindners Fazit: »Hervorzuheben ist, dass die kulturelle Kinder- und Jugendarbeit eine der wenigen gesellschaftlichen Instanzen ist, die es erlauben, die essentielle Freiheit der Bildung gegen alle Funktionalisierungen wirklich ernst zu nehmen, und deshalb für umfassende Bildungsaufgaben in besonderem Maße geeignet ist.« Wer wollte dem widersprechen?

Rezension von Peter Kamp

 

Dortmund und Unna (LKD-Verlag), 96 Seiten, 10 Euro, ISBN 3-931949-41-9

Schlagworte:
Kultur, Kulturarbeit, Wirkungsanalyse, Jugendarbeit, Jugendkulturarbeit, Qualität, Qualitätsentwicklung, Bildung, Wirkung

Herausgabedatum: 2003

Sprache: Deutsch

Autor/-in bzw. Herausgeber/-in der Materialien:
Werner Lindner, LKJ NRW e.V. (Hrsg.), Landesarbeitsgemeinschaft Kulturpädagogische Dienste/ Jugendkunstschulen NRW e.V.

Kontakt:
[email protected]

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