Kindertagesbetreuung / Inklusion

„Wir sitzen alle in einem Boot“ – Tagung zur Vielfalt in der Kindertagesbetreuung in RLP

Grundschulkinder unterschiedlicher Herkunft erforschen die Natur.
Bild: © Robert Kneschke - fotolia.com

150 Fachkräfte und Verantwortliche aus allen Ebenen der Kindertagesbetreuung haben an der Fachtagung „Wir sitzen alle in einem Boot“ – Kindertagesbetreuung: In Vielfalt stark werden“ der Hochschule Koblenz und des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums teilgenommen. Die Ergebnisse fließen in die Entwicklung des Qualitätsentwicklungsansatzes „Qualitätsentwicklung im Diskurs“ ein.

Qualitätsentwicklung anhand inklusiver Werte

An dem für eine Tagung eher ungewöhnlichen Ort, dem Schiff „Confluentia“, wurde den Teilnehmenden sehr schnell bewusst, was es bedeutet, sich auf eine Reise zu machen und in der relativen Enge eines Bootes auf schwankendem Boden zu arbeiten. Entsprechend der Einladung der Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig bot die Tagung „die große Chance, die Qualität des eigenen Umgangs mit Vielfalt und Inklusion in den Blick zu nehmen und Prozesse der Qualitätsentwicklung an inklusiven Werten auszurichten“.

Abbau vorhandener Barrieren

Privatdozentin Dr. Gabriele Haug-Schnabel, Leiterin der Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen aus Kandern, machte in ihrem Fachvortrag die Dimensionen der Vielfalt in der Kindertageseinrichtung deutlich. Immer noch sei der Blick auf das einzelne Kind gerichtet und weniger auf den Abbau von vorhandenen Barrieren. In den Kindertageseinrichtungen sei die Beobachtung längst Standard, die Konsequenzen daraus seien jedoch kaum erkennbar. Inklusion fordere ein verändertes Verständnis, Fachkräfte und andere Akteurinnen und Akteure in und um die Kitas brauchen ein Vorurteilsbewusstein und eine Selbstreflexionskompetenz. Von Kindern könne man in diesem Zusammenhang oft viel lernen: In einer Kita habe eine Erzieherin ein neues Kind vorgestellt, das nicht sprechen könne, darauf meinte ein anderes Kind: „doch es kann sehr gut sprechen, aber arabisch“.

„Menschen sind keine einfarbigen Punkte“

Vom Forschungsprojekt des IBEB, „QiD - In Vielfalt stark werden“, berichtete Dr. Andy Schieler. Das Projekt hat zum Gegenstand, die Qualität in den Kindertageseinrichtungen in Bezug auf Inklusion voranzubringen. Dazu wurden u.a. Expert(inn)en befragt und Dokumente analysiert. Schieler berichtete von einem im Projekt erarbeiteten Bild von Inklusion, das davon ausgeht, dass Menschen nicht nur anhand einer Dimension betrachtet werden: „Menschen sind keine einfarbigen Punkte“. Es gelte, Menschen in mehreren Heterogenitätsdimensionen zu sehen, nicht nur auf eine zu verkürzen. Wer sich mit Inklusion beschäftige, sei immer vor neue Herausforderungen und Fragen gestellt.

Qualitätsentwicklung im Diskurs

Der Nachmittag auf der Confluentia war in einem Work-Café einem regen Austausch über verschiedene Ebenen der Inklusion gewidmet. In wechselnden Gruppen tauschten sich Praktiker/-innen über ihre Erfahrungen und zukünftige Herausforderungen zur Vielfalt in der Kindertagesbetreuung aus. Diese hat Auswirkungen und Konsequenzen auf folgenden Ebenen: den Beziehungen, die Pädagogik, die Sozial- und Bildungspolitik, den Sozialraum, die Ressourcen und die Profession. Die Ergebnisse der Tagung auf dem Rhein fließen in die weitere Entwicklung des rheinland-pfälzischen Qualitätsentwicklungsansatzes „Qualitätsentwicklung im Diskurs“ ein, der derzeit in zehn Kindertageseinrichtungen in einer Testphase mit der Praxis vor Ort erprobt wird.

Quelle: Hochschule Koblenz - University of Applied Sciences vom 09.05.2019

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