Kindertagesbetreuung / Qualifizierung

VBE: Gute Bildung benötigt Kontinuität und stabile Rahmenbedingungen

Eine Erzieherin spielt mit drei Kindern
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Im Rahmen des Deutschen Kitaleitungskongresses wurde am 4. März 2020 die DKLK-Studie 2020 in Düsseldorf vorgestellt. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) übt Kritik an der aktuellen Kita-Politik. Insbesondere in Nordrhein-Westfalen zeige sich eine deutliche Unzufriedenheit. Die Studie wurde von Wolters Kluwer gemeinsam mit dem VBE Bundesverband sowie mehreren Landesverbänden durchgeführt.

Kita-Leitungen in Nordrhein-Westfalen sind deutlich unzufriedener mit der Kita-Politik als der Bundesdurchschnitt. 87,8  % aller Befragten stellen der Kita-Politik in NRW ein schlechtes Zeugnis aus, im Bundesdurchschnitt sind es 75 %. „Das überrascht nicht, wenn wir aus der Perspektive der Fachkräfte auf die KiBiz-Reform schauen. Die Flexibilisierung der  Öffnungszeiten könnte zwar vielen Familien helfen, aber leider wurde der Personalmangel unzureichend berücksichtigt. Schon jetzt kommt es regelmäßig zu dermaßen starker Personalunterdeckung, dass Kinder oft nur minimal betreut  werden  können. Bildung und Erziehung gibt es nur mit ausreichend Personal. Kita-Fachkräfte müssen endlich spürbar unterstützt werden“, erklärt Stefan Behlau, Landesvorsitzender des VBE NRW.

Studie zeigt Kritik der Praxis an der Kita-Politik

Sehr kritisch blicken Kita-Leitungen aus NRW auch auf das Gute-Kita-Gesetz. 75,7 % geben an, mit der geplanten Verwendung der Mittel unzufrieden zu sein, im Bundesdurchschnitt sind es 63,4 %. Weniger als ein Viertel der Leitungskräfte (22,8 %) glaubt, dass es sich spürbar positiv auf die Qualität ihrer Einrichtung auswirken wird. „Anschubfinanzierungen sind nur kurzfristige Hilfen. Gute Bildungsarbeit benötigt aber Kontinuität und die gibt es nur durch stabile Rahmenbedingungen“, erklärt Behlau.

Die  DKLK-Studie  zeigt  erneut,  dass  die  Fachkraft-Kind-Relation  unterhalb  der  wissenschaftlichen Empfehlungen liegt. „Es wird immer schwieriger, offene Stellen zu besetzen. Trotzdem wäre es ein Fehler, wenn die Landesregierung jetzt verstärkt auf den Seiteneinstieg oder auf verkürzte Ausbildungen setzt. Wir brauchen ausreichend und gut ausgebil-dete Erzieherinnen und Erzieher“, sagt der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau.

Personalmangel beieinträchtigt Bildungs-und Betreuungsqualität

Scharfe Kritik übt auch Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) anlässlich der Veröffentlichung  der DKLK-Studie 2020 am 4. März 2020 im Rahmen des Deutschen Kitaleitungskongresses in Düsseldorf. „Jede vierte Kita musste im letzten Jahr in über 40 Prozent der Zeit mit zu wenig Personal arbeiten. Darunter leidet die Bildungs- und Betreuungsqualität von Kita massiv.  Mehr  noch  setzt  die  Politik  hierdurch  sehenden  Auges  die  Sicherheit unserer Kinder aufs Spiel, wenn Aufsichtspflichten nicht mehr erfüllt werden können. Und sie missbraucht die Gesundheit der Erzieherinnen und Erzieher, die diese Missstände seit Jahren teils über ihre Belastungsgrenzen hinaus aufzufangen versuchen“, sagt Beckmann.

Die DKLK-Studie 2020 zeige, dass sich die Situation an Kitas auch im Vergleich zum vergangenen Jahr nochmals verschärft hat: 78,5 Prozent der Kita-Leitungen sagen, dass es im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr noch schwieriger geworden sei, offene Stellen zu besetzen. Die Ergebnisse der Studie belegten, dass immer noch mehr als 90 Prozent der Kitas die wissenschaftlichen Empfehlungen für die sogenannte Fachkraft-Kind-Relation verfehlen,  erläutert Beckmann. 80 Prozent der befragten Kita-Leitungen beklagten eine mangelnde Wertschätzung.

Das vollständige Statement des VBE-Bundesvorsitzenden findet sich im Pressebereich des Deutschen Kita-Leitungskongresses. Dort steht außerdem die DKLK-Studie 2020 (PDF 2,0 MB) zum Donwload zur Verfügung.

Hintergrund

Die DKLK-Studie 2020 wurde vom Informationsdienstleister Wolters Kluwer und dem VBE Bundesverband sowie den drei VBE Landesverbänden, dem Bayerischen Lehrer-und Lehrerinnenverband (BLLV), dem VBE Baden-Württemberg und dem VBE Nordrhein-Westfalen unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Dr. Ralf Haderlein durchgeführt. An der Umfrage, welche zum sechsten Mal erhoben wurde, haben 2.795 Kita-Leitungen teilgenommen.

Quelle: Verband Bildung und Erziehung Landesverband NRW vom 05.03.2020 und Verband Bildung und Erziehung Pressedienst vom 04.03.2020 

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