Kindertagesbetreuung

U3-Ausbau: Positionspapier der AGJ zur Qualität in der Kindertagesbetreuung

Drei Mädchen bilden mit ihren bunt bemalten Händen ein "Guckloch".
Bild: © Igor Yaruta - Fotolia.com

In einem Positionspapier benennt die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ wichtige Schritte auf dem Weg zu einem qualitativ hochwertigen Angebot der Kindertagesbetreuung und plädiert dafür, die notwendigen Diskussionen und Maßnahmen jetzt zu führen und zu ergreifen.

Mit der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr zum 1. August 2013 wurde ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem bedarfsgerechten Angebot der Kindertagesbetreuung erzielt. Die notwendige Schaffung von Plätzen war für die Akteure vor Ort mit erheblichen Kraftanstrengungen und einem hohen Ressourcenaufwand verbunden. Hierdurch konnte in den vergangenen Jahren beim Ausbau der Betreuungsangebote sehr viel erreicht werden. Hierfür spricht die AGJ dem Bund, den Ländern und vor allem den Kommunen, aber auch den zahlreichen Trägern und dem Fachpersonal ihre Anerkennung aus.

Qualitativ hochwertige Erziehung, Bildung und Betreuung für alle Kinder

Zugleich besteht in pädagogischen wie politischen Diskursen, in der Fachwelt wie in der Öffentlichkeit ein gemeinsames Bewusstsein darüber, dass die Qualität frühkindlicher Erziehung, Bildung und Betreuung mit ebenso hoher Intensität zu sichern und weiterzuentwickeln ist. Die notwendige Diskussion um die Kosten entbindet nicht von dem Auftrag, gleichwertige Bedingungen für das Aufwachsen von Kindern in öffentlicher Verantwortung zu schaffen und an ihren individuellen Bedarfen orientierte Rahmenbedingungen für eine gesunde Entwicklung, für Teilhabe- und Chancengerechtigkeit zu schaffen. Im Ergebnis darf der Zugang zu qualitativ hochwertiger Erziehung, Bildung und Betreuung nicht davon abhängig sein, wo ein Kind in Deutschland lebt oder in welchem familiären und sozialen Kontext es aufwächst.

Mit dem vorliegenden Positionspapier <media 13017 - external-link-new-window "Positionspapier als PDF-Datei">"Nach dem U3-Ausbau: Qualität in der Kindertagesbetreuung kann nicht warten!" (PDF-Datei)</media> benennt die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ daher wichtige Schritte auf dem Weg zur Umsetzung eines an den Bedürfnissen der Kinder ausgerichteten Angebots der Kindertagesbetreuung und plädiert dafür, die zu diesem Zweck notwendigen Diskussionen und Maßnahmen jetzt zu führen und zu ergreifen.

Aus Sicht der AGJ sind Impulse in den Dialogprozess um eine qualitative Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung zu geben, gemeinsame Ziele zu definieren und dabei für einen hohen Grad an Verbindlichkeit zwischen allen Verantwortlichen zu werben. Den im Folgenden benannten Parametern für eine qualitativ gute Kindertagesbetreuung wird dabei eine besondere Bedeutung zugemessen:

  • Kindgerechte Betreuungszeiten
  • Angemessene Fachkraft-Kind-Relation
  • Qualifizierung von Leitungspersonal
  • Unterstützung von Kindertagespflegepersonen
  • Qalifizierung von Fachpersonal
  • Qualitätsförderliche Unterstützungs- und Beratungssysteme
  • Gute Zusammenarbeit zwischen Familien und Fachkräften

Die Finanzierungsfrage überdenken

Mit dem Qualitätsdiskurs ist unmittelbar die Frage nach einer nachhaltigen und gerechten Finanzierung verbunden. Die stark voneinander abweichenden Beitragsgrößen oder die Beitragsfreiheit der Eltern spiegeln eine weitere Diskrepanz in den unterschiedlichen Lebensbedingungen von Familien in Deutschland wider. Auf die Kommunen werden indes auch in Zukunft dauerhafte finanzielle Belastungen zukommen. Ab 2016 tritt für die Länder und ab 2020 für den Bund die Schuldenbremse in Kraft. Es reicht also nicht mehr aus, nur in der Logik der bestehenden Geldflüsse mehr Geld zu postulieren.

Die AGJ plädiert daher dafür, das Finanzierungssystem der Kindertagesbetreuung grundsätzlich zu überdenken und sich neuen Vorschlägen zu öffnen. Aus ihrer Sicht muss es künftig um eine bessere Lastenverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen gehen. Ziel sind dauerhaft verbesserte finanzielle Ressourcen für Länder und Kommunen, die aber auch den nötigen Freiraum benötigen, die Mittel flexibel,
bedarfsgerecht und gezielt einzusetzen. Generell fehlen dem System der Kindertagesbetreuung, gemessen an den von der OECD formulierten Zielgrößen, jährlich etwa 13 Milliarden Euro, um so auf die empfohlenen 1% des BIP für den frühkindlichen Bereich zu kommen. Darüber hinaus werden mit dem derzeitigen Finanzierungssystem aber vor allem die Kommunen belastet, ohne dass sie in gleichem Maße von den positiven volkswirtschaftlichen Effekten einer quantitativ wie qualitativ verbesserten Betreuungssituation profitierten. Dies ließe sich beispielsweise durch eine direkte Beteiligung der kommunalen Ebene an der Einkommenssteuer verändern.

Ausblick

Für die Zukunft des Systems sind die Vernetzung und das Zusammenwirken politischer Entscheidungsträger aller Ebenen im Rahmen eines Qualitätsdialogs zentral. Mit diesem Positionspapier bringt sich die AGJ in diesen Dialog ein und wird sich auch weiterhin an einer gemeinsamen, engagierten und kreativen Lösungsfindung im Sinne aller Kinder und ihrer Familien beteiligen.

Das Positionspapier in voller Länger kann unter "Materialien" oder auf der Internetseite der AGJ heruntergeladen werden.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

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