Kindertagesbetreuung / Gesundheit

Studie: Kinder brauchen bessere Angebote für gesunde Ernährung und Bewegung

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Bewegungsmangel und Übergewicht sind die gesundheitlichen Risikofaktoren des 21. Jahrhunderts. Durch Prävention, besonders im Kindesalter, können viele Folgekrankheiten vermieden werden. Um Kindern frühzeitig den Spaß an gesundem Essen und Bewegung zu vermitteln, hat die Baden-Württemberg Stiftung 2006 das Programm „Komm mit in das gesunde Boot“ initiiert.

Bisher haben über 1.300 Kindertagesstätten und über 400 Grundschulen an dem mit 10 Mio. Euro ausgestatteten Programm teilgenommen. Im Rahmen des Programms wurde eine Studie über die Wirksamkeit dieser Maßnahmen in Kindergärten in Auftrag gegeben. Wissenschaftler des Mannheimer Instituts für Public Health (MIPH) untersuchten breitflächig die im Programm angebotenen Module „Ernährung“ und „Bewegung“. Beide Einheiten werden von speziell geschulten Fachkräften an den Einrichtungen über die Dauer von 20 Wochen durchgeführt. Die Studienergebnisse wurde am 22. September 2011 im Rahmen der Tagung „Gesunde Kinder in Baden-Württemberg“ in Stuttgart vorgestellt. Darin fordern die Experten eine stärkere Verankerung des Themas im Alltag der Kindergärten und eine bessere Einbeziehung der Eltern.

Umfeld der Kinder aktiv mit einbeziehen
Die Untersuchungen zeigen, dass sich bei Kindern, die am Programm teilgenommen haben, der Konsum von gesunden Nahrungsmitteln verbesserte und die körperliche Aktivität stieg. Um Kinder nicht nur für einen gesunden Umgang mit Ernährung und Bewegung zu sensibilisieren, sondern auch nachhaltige Verhaltensänderungen zu erreichen, muss nach Meinung der Wissenschaftler das Umfeld der Kinder stärker aktiv mit einbezogen werden. Hierbei kommt den Kindertagesstätten eine besondere Bedeutung zu, da Kinder den Großteil ihres Alltags dort verbringen. Eine nicht minder geringere Verantwortung tragen die Eltern – sie sollen die vermittelten Kompetenzen in den familiären Alltag überführen. Die Experten empfehlen auf Basis der Untersuchungen, die Angebote so zu konzipieren, dass sie ausreichend aktive Partizipationsangebote für Eltern bieten.

Cover der StudieBessere Qualifikation der Erzieherinnen
Verschiedene Programme zielen darauf ab, dem Bewegungsmangel und der ungünstigen Ernährung vieler Kinder entgegenzuwirken. Die Wissenschaftler kommen in ihrer Studie zu dem Schluss, dass solche Programme dann effektiv sein können, wenn sie langfristig angelegt sind und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Tagesstätten entsprechend qualifiziert werden. Denn im Vergleich zu den externen Fachkräften, die in den Programmen eingesetzt werden, können die Erzieherinnen ihre Rolle als Brücke zu den Familien nutzen und Eltern „mit in das gesunde Boot“ nehmen.

Vermittlung von Kompetenzen hat hohe Priorität
Nach Meinung beider Expertenteams tragen Programme wie „Komm mit in das gesunde Boot“ zu einer besseren Wahrnehmung der Gesundheitsbedürfnisse der Kinder bei. Eine nachhaltige Verhaltensänderung im Bereich der gesunden Ernährung und Bewegung könne jedoch nur durch die Verankerung im Alltag der Kindergärten und im elterlichen Umfeld erreicht werden. Abschließend wird die Empfehlung ausgesprochen, im Sinne des Bildungsplans Baden-Württemberg die Prioritäten der Ausbildung und der Curricula für die Kindertagesstätten dahingehend
zu überarbeiten, dass ein höheres Gewicht auf die Vermittlung von Kompetenzen zu Bewegung und Ernährung gelegt wird.

Christoph Dahl, der Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, kündigte an, dass die Stiftung ihre Arbeit in diesem Bereich ausbauen wird und die Empfehlungen der Wissenschaftler aufgegriffen werden. „Die Förderung von Kindern ist uns im Sinne einer nachhaltigen Zukunftssicherung ein wichtiges Anliegen. Die Baden-Württemberg Stiftung wird das Programm „Komm mit in das Gesunde Boot“ weiter entwickeln, um Kinder in ihrem Gesundheitsverhalten zu stärken“.

Katrin Altpeter, Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren in Baden-Württemberg dankte der Stiftung für ihr Engagement und betonte: „Prävention und Gesundheitsförderung ist ein gesundheitspolitischer Schwerpunkt der Landesregierung. Schon von Kinderbeinen an müssen wir die Prävention bei den Menschen im Land verankern.“ Mit der baden-württembergischen Gesundheitsstrategie sei dies bereits aufgegriffen worden. „Dabei ist es wichtig, dass wir Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung besser verzahnen und stärker auf die Zielgruppe ausrichten. Nur so kann es gelingen, die Bildungs- und Gesundheitschancen der Kinder zu erhöhen“, so Altpeter. Dann könne es auch gelingen, „das gesunde Boot mit noch mehr Kindern zu füllen.“

Quelle: Baden-Württemberg Stiftung

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