Kindertagesbetreuung

Studie des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein: Betreuungsplätze fehlen - Bedingungen landesweit sehr unterschiedlich

Wenn ab 2013 der rechtliche Anspruch von Kleinstkindern auf Tagesbetreuung in Kraft tritt, sollen Tagesmütter und -väter einen beträchtlichen Teil der pädagogischen Arbeit übernehmen.

Der PARITÄTISCHE Schleswig-Holstein hat dazu Zahlen gesammelt und stellt fest: Zwar sind auf den ersten Blick zurzeit ausreichend Betreuungsplätze vorhanden - doch die rein statistische Größe wird dem wahren Bedarf nicht gerecht. Schon heute übersteigt die Nachfrage das Angebot. Beantragt ab 2013 mehr als ein Drittel der Eltern von Unterdreijährigen einen Krippenplatz, können die Tagesmütter die Lücke nicht füllen.

„Der Mangel hängt auch mit den schlechten finanziellen Bedingungen der Betreuung zusammen“, sagt Kai Sachs, Geschäftsführer beim PARITÄTISCHEN. Seit 2009 müssen Honorare aus der Tagespflege versteuert werden - da viele Tagesmütter verheiratet und in der entsprechend schlechteren Steuerklasse sind, bleibt nach Abzug der Unkosten kaum mehr Geld übrig. Außerdem ist die Arbeitsbelastung hoch: Eine Tagesmutter oder ein Tagesvater darf neben eigenen Kindern bis zu fünf weitere Mädchen und Jungen gleichzeitig betreuen. „Wenn es sich um Kleinstkinder handelt, ist das eine schwierige und belastende Aufgabe“, so Ute von Bargen-Sauer, Kita-Referentin des PARITÄTISCHEN. Daher nehmen Tagespflegepersonen häufig ältere Kinder an: „Und damit kippt das rechnerisch gute Verhältnis von Betreuungskräften zu Kleinstkindern“, so von Bargen-Sauer. Zudem sei die Verteilung im Land sehr unterschiedlich: In Lübeck - wo die Bezahlung am höchsten ist - gibt es vergleichsweise viele Tagesmütter, in Flächenkreisen wie Dithmarschen ist ihre Zahl deutlich geringer.

Nach Zählungen des PARITÄTISCHEN, unterstützt mit Material des Statistischen Landesamtes, kommen zurzeit auf landesweit 69.461 Unterdreijährige 2047 aktive Tagespflegepersonen. Dem Gesetz nach sollen sie ab 2013 ein Drittel der Kleinstkinder betreuen - rund 23.000. Allerdings geht die heutige Prognose davon aus, dass nur ein Drittel der Kinder jedes Jahrganges Tagesbetreuung in einer Kita oder bei einer Tagespflege in Anspruch nimmt. Damit würde sich die Zahl auf rund 7.700 oder knapp vier pro Tagespflegekraft reduzieren. 

Gerade angesichts der aktuellen Warnungen der Kommunen, der Ausbau der Krippenplätze in Kitas drohe zu scheitern, sei es wichtig, dass zumindest die Tagesbetreuung gesichert sei, so Ute von Bargen-Sauer: „Doch genau das ist zurzeit nicht gegeben. Wenn sich Eltern darauf verlassen, ihre Kinder statt in eine Kita jedenfalls bei einer Tagesbetreuung unterbringen zu können, ist das leider ein Irrglaube. Wenn nicht schnell gegengesteuert wird, klafft die Lücke zwischen Betreuungspersonen und Kindern immer weiter.“ 

Quelle: PARITÄTISCHER Schleswig-Holstein 

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