Kindertagesbetreuung

Sozialminister Stefan Grüttner: „Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geht zügig voran“

Hessische Landesflagge
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Wiesbaden. Der Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geht in Hessen zügig voran. Das betonte der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner gestern im Landtag in Wiesbaden.

„Derzeit steht bereits für 29,5 Prozent der Kleinkinder in Hessen ein Betreuungsplatz zur Verfügung. Das auf dem Krippengipfel vereinbarte Ziel von durchschnittlich 35 Prozent Versorgungsgrad werden wir im August 2013 erreichen.“ Für Hessen bedeute dies, dass etwa 52.360 Plätze zur Verfügung stehen müssten und demnach noch 4.800 Plätze geschaffen werden müssen. „Alle anderen Zahlen, die in jüngster Zeit kolportiert wurden, gehen von einem höheren als dem auf dem Krippengipfel zwischen Bund, Ländern und Kommunen vereinbartem Versorgungsgrad aus. Sollte der Bedarf höher sein, so hat der Hessische Städtetag bereits in seiner Pressemitteilung vom 30. November 2011 verkündet, dass die hessischen Städte und Gemeinden dafür gut gerüstet seien“, erklärte der Sozialminister.
 
 Es bestehe allgemein Einvernehmen darüber, dass es keine Veranlassung gibt, den ab 1. August 2013 bestehenden Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren zu verschieben. „Solange sich diese Sachlage auf Bundesebene nicht ändert, besteht auch keine Notwendigkeit eines gesonderten Krippengipfels für Hessen – zumal das Land ohnehin kontinuierlich Gespräche mit allen Beteiligten führt“, sagte Grüttner. Die Ermittlung und Prognostizierung des tatsächlichen Betreuungsbedarfs vor Ort, um den Rechtsanspruch zu erfüllen, sei ureigenste Aufgabe der Kommunen, die Gesamtverantwortung obliege den örtlichen Trägern der Jugendhilfe.
 
 Zum U3-Ausbau leiste das Land einen erheblichen Beitrag. Zusätzlich zu den im Haushalt bereits veranschlagten U3-Betriebs¬kostenmitteln des Programms BAMBINI-KNIRPS und den Mitteln für den U3-Neuplatzbonus und zusätzlich zu den Investitionsmitteln des Bundes stellt Hessen 30,6 Millionen Euro zur Investitionsförde¬rung bereit. „Die Verteilung der Mittel richtet sich nach dem Ausbaubedarf der Kommunen. Die Baumaßnahmen können bereits im Jahr 2012 begonnen werden“, erklärte der Sozialminister.
 
 Um die Dynamik des U3-Ausbaus weiterhin aufrecht zu erhalten, wird zudem der U3-Neuplatzbonus auch für die Plätze in Kindertageseinrichtungen gewährt, die im Jahr 2013 neu geschaffen werden, berichtete der Minister weiter. Demnach solle jeder U3-Platz, der im Zeitraum von 1. September 2012 bis zum 31. Mai 2013 in einer Kindertageseinrichtung neu geschaffen wird, einmalig mit 800 Euro pro Platz gefördert werden.
 
 Darüber hinaus werden zusätzliche finanzielle Anreize für den weiteren Ausbau der U3-Plätze Kindertagespflege gesetzt, indem ein U3-Neuplatzbonus auch für Tagespflegeplätze gezahlt wird. Für die U3-Plätze, die im Zeitraum 1. März 2012 bis 31. August 2012 erstmals bei einer Tagespflegeperson für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren bereitgestellt werden, sollen 500 Euro pro Platz gewährt werden. Sofern diese geförderten Plätze im Zeitraum 1. September 2012 bis 31. Mai 2013 weiterhin Bestand haben, werden sie erneut mit einer Pauschale in Höhe von 800 Euro pro Platz gefördert. Einen einmaligen Bonus in Höhe von 800 Euro pro Platz erhalten Tagespflegepersonen für solche Plätze, die erstmals im Zeitraum 1. September 2012 bis 31. Mai 2013 bereitgestellt werden. Unterstützt und honoriert werden soll auch der Einsatz der örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe bei der Gewinnung, Qualifizierung und Begleitung von Tagespflegepersonen. Grüttner: „Für zusätzliche U3-Tagespflegeplätze, die zwischen Anfang März 2012 und Ende Mai 2013 bereit gestellt werden, erhalten die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe je Platz eine Pauschale von 500 Euro. Gefördert werden U3-Plätze in Tagespflege, die den U3-Platzbestand zum 31. Mai 2013 gegenüber dem Bestand am 1. März 2012 erhöht haben.“
 
 „Das Land sieht sich darüber hinaus selbstverständlich weiterhin in der Verantwortung, die Kommunen und Träger beim Betrieb aller Plätze zu unterstützen, indem es alle dann betreuten Kinder fördert – sowohl die Kinder in Kindertageseinrichtungen als auch die, die in Kindertagespflege betreut werden. Im Haushalt 2012 wurden daher die U3-Betriebs¬kostenmittel des Programms BAMBINI-KNIRPS auf 111,4 Mio. Euro erhöht“, erklärte Minister Grüttner.
 
 Auch zur Deckung des Fachkräftebedarfs in Kindertageseinrichtungen gebe es vielfältige Initiativen der Landesregierung, die teilweise bundesweiten Modellcharakter besitzen, wie die Werbe- und Imagekampagne „GROSSE Zukunft mit kleinen HELDEN – Werde Erzieherin / Erzieher!“ zur Stärkung der Anerkennung und Werbung für den Erzieherberuf oder die Öffnung der Fachschulen für Sozialpädagogik zur beruflichen Qualifizierung von als arbeitssuchend gemeldeten Personen. Grüttner: „Dass diese Initiativen erfolgreich sind, zeigt sich am gewachsenen Interesse und den Anfragen zur Erzieherausbildung wie auch an den in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegenen Ausbildungszahlen an den sozialpädagogischen Fachschulen in Hessen, von 4.084 Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2004/2005 auf über 6.100 Studierende im Schuljahr 2011/2012. Hiervon werden dem Arbeitsmarkt im Sommer 2012 ca. 1.800 und im Sommer 2013 über 2.000 Erzieherinnen und Erzieher zur Verfügung stehen. Dies sind gute Voraussetzungen, um dem Bedarf an Fachkräften gerecht zu werden.“
 
 Einen wesentlichen Beitrag zur Klärung leisteten zudem die anlässlich des Fachkraftgipfels im Oktober 2011 präsentierten regionalen Modellrechnungen zum Fachkräftebedarf, wonach ein hessenweiter Bedarf an 3.500 Vollzeitäquivalenten besteht. „Unstrittig ist, dass in bestimmten Regionen ein erheblicher Bedarf existiert – in anderen Regionen hingegen ist dies in dem Maße nicht der Fall. Der Rückschluss, dass der der Ausbau und die Besetzung bestehender Betreuungsplätze durch fehlende Fachkräfte massiv behindert wird, ist als generelle Feststellung jedoch schlichtweg falsch“, so Grüttner weiter.
 
 „Die Sicherung des Fachkräftebedarfs in Kindertageseinrichtungen in Hessen bedarf der allgemeinen Unterstützung aller Beteiligten. Über die Anstrengungen der Landesregierung hinaus gibt es hier weitere Möglichkeiten. Vor dem Hintergrund, dass 66 Prozent der aktuell 38.000 in hessischen Kindertageseinrichtungen Beschäftigten in Teilzeit arbeiten, kann man von einer ‚stillen Fachkraftreserve‘ in den Einrichtungen sprechen. Diese zu aktivieren, obliegt jedoch den Trägern. Leider ist mir bisher noch nicht bekannt geworden, dass hier ein Träger oder eine Trägergruppe eine Kampagne gestartet hätte“, erklärte Grüttner. 
 
 Quelle: Hessisches Sozialministerium