Kindertagesbetreuung / Sozialforschung

Prof. Dr. Anke König: "In der Kita darf keine Sprache ausgeblendet werden"

Mit Bezug auf das Gutachten des Aktionsrats Bildung weist Prof. Dr. Anke König darauf hin, was bei sprachlicher Bildung zu beachten ist. Für eine alltagsintegrierte sprachliche Bildung für alle Kinder ist es wichtig, dass auch andere Sprachen als Deutsch gesprochen werden dürfen.

Integration durch Bildung ist eine der wichtigsten Aufgaben für Deutschland, und Sprache ist der Schlüssel dazu – das ist der Kerngedanke des Gutachtens, das der "Aktionsrat Bildung" im Mai 2016 vorgelegt hat. Darin empfehlen 13 Bildungsforscher Maßnahmen, die bewirken sollen, dass Einwanderer bei Berufs- und Hochschulabschlüssen zur einheimischen Bevölkerung aufschließen. Um bereits vor Schulbeginn Kompetenzen zu fördern, sei es wichtig, dass Kinder mit Migrationshintergrund frühzeitig Kindertageseinrichtungen besuchen, so das Gutachten. Es zieht sogar eine "Kindergartenpflicht" in Erwägung. Den Einrichtungen empfiehlt es unter anderem eine alltagsintegrierte Förderung der deutschen Sprache.

Verschiedene Sprachen für den Spracherwerb nutzen

"Damit eine alltagsintegrierte sprachliche Bildung alle Kinder in der Kita erreicht, muss berücksichtigt werden, ob ein Kind ein- oder mehrsprachig aufwächst", sagt Professorin Dr. Anke König, Leitung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF). "Wichtig ist in dem Zusammenhang, dass auch andere Sprachen als Deutsch gesprochen werden dürfen. Ansonsten laufen wir Gefahr, Kinder, die noch nicht Deutsch sprechen, stumm zu machen und damit ihre Teilhabe zu verhindern."&nb

Publikationen und Weiterbildungen sollen Fachkräfte unterstützen

Eine Expertise, die die Chancen der Mehrsprachigkeit für den Spracherwerb in der Kita beschreibt, wird von WiFF im Herbst dieses Jahres veröffentlicht. Dr. Argyro Panagiotopoulou, Professorin an der Universität zu Köln, beschreibt darin Bedingungen mehrsprachigen Aufwachsens und stellt Studien zur sprachpädagogischen Praxis in mehrsprachigen Kitas vor. Darüber hinaus bereitet WiFF das Thema für die Weiterbildung von Kita-Fachkräften auf. Der Band "Inklusive Sprachliche Bildung" der Reihe "Wegweiser Weiterbildung" soll die Konzeption und Umsetzung entsprechender Veranstaltungen erleichtern und erscheint ebenfalls im Herbst 2016. Dass es bei Weiterbildungsangeboten diesbezüglich Nachholbedarf gibt, zeigt eine Analyse der Programmhefte von 50 Weiterbildungsanbietern im Jahr 2015 durch WiFF: Die Themen "Inklusion, Integration, Partizipation, Teilhabe" und "sprachliche Bildung, Mehrsprachigkeit" rangierten bei der Anzahl der Veranstaltungen auf den Plätzen 9 und 11.

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