Schweiz

Partizipation in Kitas ist machbar und stärkt die Kinder

Eine Gruppe Kinder sitzt auf einer Bank im Kindergarten. Alle lachen.
Bild: tolmacho – pixabay.com

Im Dezember endet die dritte Staffel eines innovativen Basler Projekts zur Kinderpartizipation in Kindertagesstätten. Es zielt auf den bewussten Einbezug von Kleinkindern in die Gestaltung des Kitaalltags und die Sensibilisierung der Betreuungspersonen für die Partizipationsthematik.

Um die Beteiligung von Kindern zu fördern entwickelte die Fachstelle Tagesbetreuung in Zusammenarbeit mit der Abteilung Jugend- und Familienförderung des Kantons Basel-Stadt im Jahr 2014 das Projekt Kindermitwirkung in Basler Kitas. Das innovative Projekt im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung ermöglicht Kleinkindern ab drei Jahren, ihre Meinung zu äußern und einen Beitrag zur sozialen Gemeinschaft zu leisten. Im Rahmen einer Projektstaffel mit je zweijähriger Laufzeit setzen sich die Mitarbeitenden von maximal sechs Kindertagesstätten unter Anleitung und Begleitung des Kinderbüros Basel vertieft mit der Thematik der Kindermitwirkung auseinander und realisieren konkrete Partizipationsvorhaben. Die dritte Staffel endet im kommenden Monat.

Ausflugsplanung und Gesprächsrunden

Eine partizipative Grundhaltung ist für Partizipationsprojekte wesentlich und beinhaltet die Bereitschaft der Betreuungspersonen, sich in einem vorab definierten Rahmen mit den Kindern auf einen ergebnisoffenen Prozess einzulassen. Die Partizipation ist als eine weitere Methode im Betreuungsalltag zu verstehen. In dem Sinne arbeiten die Betreuungspersonen mit den Kindern mehr prozess- als ergebnisorientiert.

Im Rahmen des Pilotprojekts zeigt sich bislang, dass die Beteiligung und Mitwirkung der Kinder auf unterschiedliche Art erfolgen kann, wie beispielsweise die partizipative Planung und Durchführung von vier Ganztagesausflügen in zwei altersgemischten Gruppen mit Kindern im Vor- und Kindergartenalter. Die Vorbereitung der Ausflüge erfolgte in wöchentlichen Planungstreffen während vier Wochen. Während bei den ersten drei Treffen die Ausflugsinhalte wie Zielort und Aktivitäten mit den Kindern diskutiert und letztlich durch diese entschieden wurden, befasste sich das vierte Treffen mit der Beteiligung der Kinder an den Vorbereitungsarbeiten (Einkauf von Picknick, Bustickets usw.). Auch regelmäßig stattfindende Kindersitzungen zur Bearbeitung aktueller Themen eignen sich für die Mitwirkung von Kleinkindern. Die Kindersitzungen dauern zwischen 30 und 40 Minuten und erfolgen nach klarem, immer ähnlichem Ablauf.

Vielfältige Lerneffekte

Die Reaktionen auf die Kinderbeteiligung in Angeboten der familienergänzenden Kinderbetreuung sind durchwegs positiv. Die Kinder beteiligten sich mit großem Enthusiasmus und identifizierten sich in der Folge stärker mit der Kita. In Befindlichkeitsrunden im Rahmen der Kindersitzungen übten sich die Kinder zudem darin, ihre eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Anliegen zu erkennen, auszudrücken und mitzuteilen, aber auch anderen Kindern zuzuhören und deren Bedürfnisse wahrzunehmen. Darüber hinaus wurde die Sprachentwicklung der Kinder – insbesondere bei Kindern mit wenigen Deutschkenntnissen – auf niederschwellige Weise gefördert. Das Gemeinschaftsgefühl unter den Kindern und die Gesprächskultur wurden durch die Kindermitwirkung gestärkt. Weiter zeigte sich, dass Partizipationsprozesse die Selbstwirksamkeitserfahrungen der Kinder fördern können. Dass bereits Kleinkinder in ihrem Alltag erleben und erfahren, dass ihre Meinung wichtig ist und dass sie einen Beitrag zum Ergebnis leisten können, ist enorm wertvoll und stärkt deren Selbstvertrauen.

Quelle: Netzwerk Kinderbetreuung (CH) vom 23.11.2020

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