Kindertagesbetreuung

Papilio-Symposium widmet sich der Förderung von Kindergartenkindern in sozialen Brennpunkten

Der Förderturm der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg
Bild: Anneli Starzinger   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 3.0 Der Förderturm der Zeche Zollverein in Essen-Katernberg

„Kinder in Brennpunkten: Erziehen heißt Fördern“ stand als Titel über dem Symposium, das von Papilio e.V. organisiert vom 1. bis 2. Juli in der imposanten Kulisse der Zeche Zollverein stattfand.

 

Spieler der Augsburger Puppenkiste erfreuen die Kindergartenkinder mit dem Stück "Paula und die Kistenkobolde"

© Anneli Starzinger

Der Ort war sorgsam gewählt. Schließlich gehört Katernberg zu DEN sozialen Brennpunkten in Essen, wobei der Begriff „sozialer Brennpunkt“ im Verlaufe der Tagung immer wieder kritisch hinterfragt wurde. So verwendete Prof. Dr. Herbert Scheithauer von der FU Berlin, der mit der Evaluation des Modellprojektes Papilio betraut ist,  auch lieber den Begriff „Regionen mit besonderem Erneuerungsbedarf“.

Das Modellprojekt stand auch im Mittelpunkt der Tagung. Seit 2009 wird es von dem Sozialunternehmen Papilio zusammen mit der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege NRW, gefördert von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW, in Brennpunktkindergärten im Ruhrgebiet durchgeführt. Am ersten Tag des Symposiums wurden etwa 130 pädagogische Fachkräfte zertifiziert, die innerhalb dieses Projektes eine anderthalbjährige Papilio-Fortbildung absolviert hatten. Mittlerweile wird Papilio von über 1.800 Erzieher/-innen in Nordrhein-Westfalen umgesetzt.

Das Modellprojekt sucht nach Möglichkeiten, Kinder, die in ein weniger günstiges Umfeld hineingeboren werden, bestmöglich zu fördern, um im Idealfall eine Chancengleichheit für sie zu erreichen. Papilio-Vorsitzende Heidrun Mayer erklärt: „Die entscheidenden Weichen werden im Kindergarten gestellt.“ In dieser Zeitspanne erwerben Kinder soziale und emotionale Kompetenzen, die sie vor Anfälligkeit für Sucht oder Gewalt schützen und Risikofaktoren wie Armut, mangelnde Sprachkenntnisse oder schwierige Familienkonstellationen in ihrer Auswirkung reduzieren.

Bereits in einer Langzeitstudie von 2003 bis 2005 konnte das Präventionsprogramm zeigen, dass hohe sozial-emotionale Kompetenzen gezielt gefördert werden können. Im aktuellen Modellprojekt wird das Programm nun in 22 Kindergärten in sozialen Brennpunkten in NRW umgesetzt. Dabei untersucht das Team um Prof. Dr. Herbert Scheithauer, ob die Papilio-Fortbildung an die spezifischen Bedarfe dieser Kindergärten angepasst werden muss.

Die bisher vorliegenden Ergebnisse sprechen nicht dafür. Offensichtlich ist das Papilio-Fortbildungskonzept unabhängig von Lage und Umgebung einer Kita erfolgreich einsetzbar, um Kinder in ihren sozialen und emotionalen Kompetenzen zu fördern. Dafür spricht auch eine hohe Zufriedenheit bei den fortgebildeten Erzieher/-innen.

Neben wissenschaftlichen Vorträgen zur psycho-sozialen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, zu den Folgen von Kinderarmut  und zur Sprachförderung in Kindergärten in sozialsegregierten Stadtteilen gab es einen weiteren Höhepunkt nicht nur für die Teilnehmenden des Symposiums.

Kinder aus umliegenden Kindergärten waren eingeladen, das Puppentheater „Paula und die Kistenkobolde“ anzusehen. Das Stück ist Bestandteil des Papilio-Modellprojektes in Zusammenarbeit mit der Augsburger Puppenkiste entstanden und soll Kindergartenkinder befähigen, ihre Gefühle zu differenzieren und zu ihnen zu stehen. Die kleinen und großen Gäste lauschten aufmerksam dem Geschehen auf der Bühne und sangen – soweit bekannt – die eingängigen Lieder lauthals mit.
Und noch ein Höhepunkt erwartete die Symposiumsteilnehmenden und die Veranstalter: Der NRW-Chef der Barmer GEK, Heiner Beckmann, stellte in Aussicht, dass das erfolgreiche Modellprojekt auch nach Ablauf der Modellphase weiter von der Barmer GEK gefördert werden wird. Der Papilio-Schmetterling darf also weiterfliegen.

Mehr Informationen unter: www.papilio.de

Quelle: Papilio e.V. und Anneli Starzinger

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