Kindertagesbetreuung / Inobhutnahme

Neue Ausgabe von KomDat: Aktuelle Trends in der Kinder- und Jugendhilfe

Papier mit Balkendiagramm
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Die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) legt die neue Ausgabe von KomDat Jugendhilfe vor. Das aktuelle Heft befasst sich mit der öffentlich organisierten Kindertagesbetreuung sowie den Gefährdungseinschätzungen der Jugendämter. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die seit mehreren Jahren erstmals wieder sinkende Zahl von Inobhutnahmen. Diese ist auf den Rückgang der unbegleitet einreisenden ausländischen Minderjährigen (UMA) zurückzuführen. Bei den Inobhutnahmen ohne UMA wurde der im Vorjahr erreichte Höchststand auch 2017 wieder erreicht.

Die aktuelle Ausgabe der Kommentierten Daten der Kinder- und Jugendhilfe (KomDat) befasst sich mit sehr unterschiedlichen Aufgabenbereichen der Kinder- und Jugendhilfe. Zum einen geht es um die öffentlich organisierte Kindertagesbetreuung. Zum anderen werden die Entwicklungen bei den von Jugendämtern vorgenommenen Gefährdungseinschätzungen, den sog. „§8a-Verfahren“ beleuchtet. In beiden Bereichen vermeldet die amtliche Statistik Höchststände. In einem dritten Bereich setzt sich dieser Trend nicht fort. Die Zahl der Inobhutnahmen geht zum ersten Mal seit mehreren Jahren wieder zurück. Dies sei allerdings auf den Rückgang der unbegleitet nach Deutschland einreisenden ausländischen Minderjährigen (UMA) zurückzuführen. Die Notwendigkeit, Kinder- und Jugendliche in Obhut zu nehmen, habe unabhängig von der Zahl der UMA wieder zugenommen. Dies deute darauf hin, dass der institutionelle Kinderschutz „nach wie vor eine wichtige Gestaltungsaufgabe für die kommunalen Jugendämter“ darstelle, schlussfolgern die Wissenschaftler/-innen von der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik. 

Neue Höchststände in der Kindertagesbetreuung

Mitte Oktober wurden vom Statistischen Bundesamt die aktuellenErgebnisse der jährlichen Erhebung zur Kindertagesbetreuung veröffentlicht. Im aktuellen Heft von KomDat wird vor diesem Hintergrund eine erste Analyse ausgewählter Fragestellungen vorgenommen. Diese beziehen sich auf Angebote für unter 3-Jährige in Tageseinrichtungen und Tagespflege einerseits sowie für Kinder ab 3 Jahren bis zum Schuleintritt andererseits – unter Berücksichtigung der Betreuungszeiten und der Anzahl der Fachkräfte.

Bereits die ersten Analysen der aktuellen Ergebnisse zur Kindertagesbetreuung lasse erkennen, dass die Expansion – erwartungsgemäß – weiter voranschreite. Und diese Zunahme vollziehe sich nicht nur bei den unter 3-Jährigen, sondern in größerem Maße bei den 3-Jährigen bis zum Schuleintritt. In diesem Bereich wird mit einem Zuwachs von ca. 170.00 betreuten Kindern insbesondere auf den demografisch bedingten Anstieg in dieser Altersgruppe in den Jahren 2012 bis 2018 reagiert. Auch der Personalstand erhöht sich erneut um 27.600 Personen. Das pädagogische Personal erreicht mit 627.000 Personen einen neuen Höchststand, ebenso die Anzahl der Kindertagespflegepersonen mit 44.200. 

Weniger Kindeswohlgefährdungen trotz häufiger Prüfungen 

Ebenfalls vor wenigen Wochen vermeldete das Statistische Bundesamt einen neuen Höchstand bei den von Jugendämtern durchgeführten Verfahren zur Einschätzung einer Gefährdung des Kindeswohls (§ 8a Abs. 1 SGB VIII). Die Mitarbeiter/-innen der Allgemeinen Sozialen Dienste der Jugendämter haben demnach insgesamt 143.000 Prüfverfahren nach § 8a SGB VIII durchgeführt. Das entsprach einem Anstieg von 4,6 Prozent zum Vorjahr. Trotz steigender Zahl der Verfahren wurden 2017 allerdings unter dem Strich ungefähr die gleiche Zahl von ca. 45.700 Fällen festgestellt. Die Auswertungen der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik stellen allerdings erhebliche regionale Unterschiede fest. 

Inobhutnahmen bleiben auf hohem Niveau 

Die Jugendämter haben im Jahr 2017 deutlich seltener in Obhut genommen als im Vorjahr. Dies liege insbesondere an der deutlich verringerten Zahl der unbegleitet einreisenden ausländischen Minderjährigen (UMA). Bei den Inobhutnahmen ohne UMA wurde allerdings der im Vorjahr erreichte Höchststand auch 2017 wieder erreicht. Dies wird zum Anlass genommen, diese Maßnahmen mit Hilfe von Mikrodatenanalysen genauer zu untersuchen. Damit soll auch ein Beitrag zur Diskussion über das Spannungsfeld zwischen staatlichem Schutzauftrag und erzieherischer Autonomie der Familie geleistet werden. 

Die aktuelle Ausgabe von KomDat – Kommentierte Daten der Kinder- und Jugendhilfe Heft 2/ 2018 (PDF 9,7 MB) steht auf den Seiten der Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik zum Download zur Verfügung. 

Hintergrund 

Die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) ist Teil des Forschungsverbundes Deutsches Jugendinstitut/Technische Universität Dortmund. Die Arbeitsstelle wurde im Jahr 1997 eingerichtet und wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKFFI NRW) sowie die Technische Universität Dortmund zunächst bis zum Mai 2022 gefördert.  Ziel der Arbeitsstelle ist es, die Ergebnisse der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik (KJH-Statistik) einer fachwissenschaftlichen Analyse zu unterziehen und die Nutzung der Daten in der Fachwelt zu fördern. Weitere Informationen: www.akjstat.tu-dortmund.de

Quelle: Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik 

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