Kindertagesbetreuung

Mecklenburg-Vorpommern: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bestätigt "Erziehermangel"

Eine Erzieherin beschäftigt sich mit zwei Kindern.
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Nach der Berichterstattung durch die dpa vom Wochenende, bestätigt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern (GEW MV), dass zu wenig Erzieherinnen und Erzieher im Land ausgebildet werden. Damit widerspricht die Bildungsgewerkschaft den Angaben der Landesregierung, die diesen Mangel nicht bestätigen wollte.

"Die Rechnung mag auf dem Papier aufgehen", sagt die Landesvorsitzende der GEW MV, Annett Lindner, "in der Realität stimmt das so leider nicht. Der Mangel ist da und die steigende Anzahl an Ausnahmegenehmigungen, die nun das Landesjugendamt auf den Plan rief, ist durchaus Besorgnis erregend".

Ein Grund für die mögliche Fehleinschätzung durch die Landesregierung könnte sein, dass bei der Berechnung der Ausbildungsplätze nicht berücksichtigt wird, dass die Erzieherinnen und Erzieher auch in anderen Einrichtungen und Maßnahmen, als nur den Kindertagestätten und Horten tätig sind. In der Vergangenheit wurden außerdem die Ausbildungskapazitäten an den öffentlichen Fachschulen heruntergefahren.

"Eine duale Ausbildung ist aus unserer Sicht dennoch nicht der richtige Weg", bekräftigt Annett Lindner. Da für eine solche Form der Ausbildung komplett neue Strukturen, die dem Gesetz nach bei den Kammern angesiedelt sein müssten, gebraucht würden. "Wir sprechen uns für eine Stärkung der berufsbegleitenden Ausbildung aus und wollen, dass diese auch weiterhin bei den Fachschulen angesiedelt ist. In der kommenden Legislaturperiode sollte die neue Landesregierung mit den Sozialpartnern - Arbeitgebern und Gewerkschaften - , schnellstmöglich ein tragfähige Konzept hierfür erarbeiten. Ein, der dualen Ausbildung ähnliches, vergütetes Vertragsverhältnis begrüßen wir durchaus. Das würde die Attraktivität der Ausbildung deutlich steigern."

Es müsse jedoch gewährleistet werden, dass neben der eigenen Schwerpunkteinrichtung die Ausbildung auch in allen anderen Bereichen, von der Krippe bis hin zu den Maßnahmen der Hilfen zur Erziehung, möglich ist. Eine kürzere Ausbildungsdauer ist nach den Vereinbarungen der Kultusministerkonferenz im Übrigen nicht möglich und aus Sicht der Gewerkschaft auch nicht sinnvoll.

Die Kolleginnen und Kollegen, die nun mit einer Ausnahmegenehmigung in den Kitas arbeiten, haben häufig eine richtungsentsprechende Vorbildung. "Aus unserer Sicht sollte diesen Arbeitskräften durch gezielte Weiterbildung die Möglichkeit eröffnet werden, über die Nichtschülerprüfung einen Berufsabschluss zu erreichen". Hier erwartet die Gewerkschaft auch von den freien Trägern ein starkes Engagement.

Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Mecklenburg-Vorpommern vom 30.05.2016.

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