Kindertagesbetreuung

Kitas für gelungene Kinderbeteiligung ausgezeichnet

Das Bild zeigt die Laudatoren und Preisträger bei der KitaStar-Preisverleihung
Bild: Konzept-e / Perper Laudatoren und Preisträger bei der Verleihung des KitaStar 2014

Die Auszeichnung KitaStar der element-i-Bildungsstiftung ging dieses Jahr an drei Kindertageseinrichtungen, die Kinder im Alltag vorbildlich an Entscheidungsprozessen beteiligen und dafür entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen haben.

"Meine Meinung zählt und wird gehört. So kann ich mein Umfeld mit gestalten." – Für Kinder ist es wichtig, diese Erfahrung zu machen. Sie bildet eine Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben und eine engagierte Beteiligung in einer demokratischen Gesellschaft. Doch was bedeutet die Umsetzung von Kinderbeteiligung für den Alltag in Krippen und Kindertagestätten? Welche Strukturen müssen Kitateams schaffen und welche Haltung leben, damit bereits die Jüngsten Mitbestimmung erleben können? Die element-i-Bildungsstiftung lobte den Innovationspreis für Kindertagesstätten KitaStar dieses Jahr unter dem Motto „Mitbestimmen, mitgestalten!“ aus und prämierte am 27. Oktober im Rahmen des Zukunftskongresses für Bildung und Betreuung "Invest in Future" drei Kindertagesstätten, die diese Fragen vorbildlich beantworten.

KitaStar in Gold: AWO-Kindertagesstätte "Zwergenland", Neumünster

"Dem Kitateam gelingt es, mit einer sehr guten Konzeption und einem gemeinsamen Verständnis, Kinderbeteiligung in einem besonders herausfordernden Umfeld hervorragend umzusetzen", lobt die Jury des KitaStar 2014 die AWO-Kindertagesstätte 'Zwergenland' in Neumünster, die den KitaStar in Gold erhielt. Die Kita mit Plätzen für knapp 100 Kinder zwischen null und sechs Jahren liegt in einem ausgewiesenen Gebiet "soziale Stadt", das sehr multikulturell geprägt ist. Viele Familien leben unter sozial beziehungsweise finanziell herausfordernden Bedingungen. Vor diesem Hintergrund ist dem Kitateam ein inklusiver Ansatz besonders wichtig. Bereits 2005 erarbeitete die Einrichtung als erste Kita Deutschlands eine Kita-Verfassung und schuf Entscheidungsgremien – nämlich Gruppenkonferenzen und den Hohen Rat, das Kinderparlament.

Auch die Umsetzung des Partizipationsgedankens im Kita-Alltag überzeugte die Jury: So stellten die Kinder zum Beispiel Regeln dafür auf, wer einen erwachsenenfreien Außenbereich nutzen darf. Die Jury schreibt: "Die Fachkräfte gaben einem langwierigen Aushandlungsweg mit Unterbrechungen und teilweise sehr eigenwilligen Ideen den nötigen Raum und ließen ihn die Gremien durchlaufen. Entstanden ist schließlich ein vielschichtiges und sehr durchdachtes Regelwerk." Mit ihrem partizipativen Ansatz wirke die Kita impulsgebend in den Sozialraum: "Dazu trägt vor allem die überaus engagierte Elternarbeit bei, die weit über das übliche Maß hinausgeht."

KitaStar in Silber: AWO-Kindertagesstätte "Kurt-Pohle", Husum

Das Thema Partizipation zieht sich wie ein Leitmotiv durch die AWO-Kindertagestätte Kurt-Pohle im nordfriesischen Husum, einer Einrichtung für über 100 Kinder zwischen null und sechs Jahren. Die Grundrechte der Kinder sowie Protokolle von Gruppenkonferenzen und Kita-Rats-Sitzungen hängen in den Funktionsräumen sichtbar aus. Sie sind mit Bildern versehen, damit alle sie verstehen können.

Die Jury des KitaStar 2014 war beeindruckt von der Stimmigkeit des Gesamtkonzepts, das hervorragend eingeführt ist. In der Jurybegründung heißt es: "Die Kinder kennen ihre Rechte und machen im Bedarfsfall darauf aufmerksam. Sie wissen, wie Entscheidungen zustande kommen, wie sie sich daran beteiligen und wie sie eigene Themen in den Entscheidungsprozess einbringen können. Die pädagogischen Fachkräfte haben eine partizipative Haltung verinnerlicht, die ihren Umgang mit den Jungen und Mädchen prägt."

Viele Geschichten aus dem Kita-Alltag, die das belegen, haben die Jury von der Umsetzungsqualität überzeugt. Ein Beispiel: Die Räume der Kita sollten neu gestaltet werden. Dafür fertigten die Kinder aus Kartons Modelle an, um ihre Vorschläge für die jeweilige Raumnutzung sichtbar zu machen und darüber abzustimmen. Im später entsprechend umgestalteten Essbereich lösten sich schon bald die neuen Bodenfliesen wieder vom Untergrund. Ein Reklamationsprozess mit Schreiben an das ausführende Unternehmen und Vor-Ort-Besuchen von Expertinnen und Experten startete. Die Kinder waren in alle Phasen des Prozesses intensiv einbezogen.

KitaStar in Bronze: Kindertagesstätte „Riedbrunnen", Nagold

Die Kindertagesstätte Riedbrunnen im baden-württembergischen Nagold ist eine 2013 eröffnete Ganztagskrippe für 20 Kinder zwischen einem und drei Jahren. "Unter Dreijährige an Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligen, geht das?" – Die Kindertagesstätte "Riedbrunnen" in Nagold, die den KitaStar 2014 in Bronze erhielt, zeigt, dass Partizipation auch in reinen Krippen überzeugend gelebt werden kann. "In dem einen Jahr des Kita-Bestehens ist es Leiterin Birgit Gesk zusammen mit Corinna Miodek gelungen, das Thema hervorragend einzuführen und so zu entwickeln, dass das Team zu einer bespielhaften Partizipationspraxis gefunden hat", schreibt die Jury in ihrer Begründung für die Preisvergabe.

Weiter heißt es: "Das Kitateam hat Räumlichkeiten und den Tagesablauf so gestaltet, dass auch sehr junge Kinder entscheiden können, was sie trinken und essen oder wann sie schlafen wollen. Eine durchdachte Einrichtung macht es den Mädchen und Jungen möglich, vieles alleine zu tun: auf den Wickeltisch und wieder herunter klettern, sich an ihren Essplatz setzen, ihre Jacke vom Haken nehmen oder Anziehsachen zum Wechseln holen. Ein 'Parkplatz' für Trinkflaschen jeweils mit Foto des Kindes und Bild der zugehörigen Flasche, war ein Detail, dass der Jury besonders gefiel." Auch die intensive sprachliche Begleitung im Kita-Alltag und der partizipative Kommunikationsstil der Erzieherinnen überzeugten.

Weitere Informationen zum „KitaStar“ gibt es im Internet unter: www.element-i-bildungsstiftung.de

Quelle: eoscript Public Relations vom 27. Oktober 2014

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