Kindertagesbetreuung / Kinderrechte

Kita-Trägernetzwerk Konzept-e: Qualität in Kitas – Jetzt erst recht

Ein Kleinkind mit einem Tshirt auf dem ein Panda abgebildet ist hält lachend einen roten Luftballon in der Hand
Bild: Alyssa Stevenson - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Kindertagesstätten sind für Kinder wichtige Begegnungsorte und idealerweise Institutionen der Bildung, der Erziehung, des Schutzes und der Chancengerechtigkeit. Diese wichtigen Aufgaben erfüllen sie jedoch nur, wenn die Qualität stimmt. Die Lobby, die sich in der Corona-Krise für Kinder eingesetzt hat, sollte sich nun auch für eine systematische und ausreichend finanzierte Qualitätsentwicklung in allen deutschen Kitas stark machen, fordert das Kita-Trägernetzwerk Konzept-e.

Kinder haben eigene Rechte, die in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben sind: zum Beispiel das Recht auf Bildung, auf Spiel und Erholung, auf Mitbestimmung, auf Geborgenheit und gesunde Lebensverhältnisse. „Wir als Gesellschaft sind dafür verantwortlich, das zu gewährleisten“, betont Waltraud Weegmann, Geschäftsführerin des Kita-Trägernetzwerks Konzept-e mit Sitz in Stuttgart. Das System der Kindertagesbetreuung, in das zu Recht jährlich über 50 Milliarden fließen, sei maßgeblicher Baustein für die Verwirklichung dieser Kinderrechte. Nur Kindertagesstätten könne es zum Beispiel gelingen, mehr Chancengerechtigkeit für Kinder aus schwierigen und weniger bildungsaffinen Familien herzustellen. Die Kitas würden dieser Aufgabe jedoch nur gerecht, wenn ihre Qualität hoch sei. Studien belegen, dass dies längst nicht immer gewährleistet ist.

Corona-Krise zeigt: Eine finanzkräftige Lobby für Kinder fehlt

„Um eine hohe Kita-Qualität in der Praxis flächendeckend durchzusetzen, fehlt es den Kindern an einer finanzkräftigen Lobby“, sagt Weegmann. Das habe die Corona-Krise einmal mehr deutlich gezeigt. Zu Beginn des Shutdowns standen Interessenvertreterinnen und -vertreter vieler Branchen sofort bei den politisch Verantwortlichen Schlange, um sich für den Ausgleich von finanziellen Verlusten und einer möglichst schnellen Wiedereröffnung ihrer Betriebe einzusetzen. Es vergingen jedoch Wochen, bevor Stimmen laut wurden, die sich für das Recht der Kinder auf Kinder und auf Zugang zu ihren Kitas stark machten. Der Grund für den Spätstart: Eine Interessengruppe musste sich erst formieren. Nach und nach fanden sich Eltern und Verbände zusammen.

Allianz muss weiter für Kinderrechte kämpfen

Waltraud Weegmann ruft dazu auf, diese Allianz jetzt weiter zu verstärken und als Lobby am Ball zu bleiben. Denn es sei allerhöchste Zeit, das Recht aller in Deutschland lebenden Kinder auf eine qualitativ hochwertige frühkindliche Bildung und Erziehung festzuschreiben. Um die nötige Qualität tatsächlich gewährleisten zu können, gelte es, messbare Kriterien festzulegen und diese zu überprüfen.

Qualität braucht Finanzierung

„Die Steuerung der Kitas und der dortigen Prozessqualität ist die Aufgabe der Träger“, stellt Weegmann klar. „Um diese Qualität zu unterstützen, zu steuern, zu prüfen und zu sichern, sind Träger bislang jedoch nicht ausrechend ausgestattet. Es fehlt zum einen daran, dass dies als die selbstverständlich Aufgabe für Träger gesehen, und zum anderen entsprechend finanziert wird. Das muss sich ändern.“

Kita-Qualität selbstbewusst managen

„Als Kita-Träger wissen wir, was Qualitätsentwicklung in der Kita bedeutet“, betont Weegmann. „Unsere Haltung dabei: Es geht nicht darum, Verfehlungen aufzuzeigen und die Kita-Leitungen und -Teams anschließend mit diesen Ergebnissen alleine zu lassen. Es geht vielmehr darum, Verbesserungsprozesse anzustoßen und zu begleiten. Dazu gehört es, sowohl Defizite bewusst zu machen und auszugleichen als auch Stärken zu erkennen und auszubauen. In diesem Sinne sollten wir auf landes- und bundespolitischer Ebene ein Verständnis für die Verantwortung für Qualität und deren Überprüfung etablieren.“ Dabei muss es für Träger die wichtigste Aufgabe werden, die Qualität in den von ihnen verantworteten Kitas zu entwickeln und zu sichern.

Praxiserprobtes Instrumentarium zur Erhöhung der Kita-Qualität

Das Konzept-e Netzwerk möchte darüber hinaus Möglichkeiten für die Qualitätsentwicklung in Kitas aufzeigen. „Basierend auf den Erfahrungen mit Qualitätsentwicklungsprozessen in eigenen Einrichtungen sowie überzeugt von der Notwendigkeit, möglichst bundesweit einheitliche Standards und Verfahren zu schaffen, haben wir bereits 2018 das TopKita Institut ins Leben gerufen“, berichtet Weegmann. Die Sparda Stiftung für Bildung und Soziales sowie die element-i Bildungsstiftung glauben an das Projekt und unterstützen finanziell. Wissenschaftlich begleitet wird es von Professorin Irene Dittrich von der Fachhochschule Potsdam.

TopKita hat es sich zum Ziel gesetzt, pädagogisches Handeln anhand definierter Standards mess- und steuerbar zu machen. Dafür entwickelten die Fachleute ein inzwischen praxiserprobtes und einfach zu nutzendes Instrumentarium aus Selbstevaluation, Elternbefragungen und externen Überprüfungen. Die Vielfalt der Blickwinkel erhöht die Objektivität der Ergebnisse. Kita-Teams erhalten dadurch die Chance, die Weiterentwicklung der Qualität in ihrer Kita systematisch voranzutreiben. Träger können anhand des entstandenen Qualitätsmonitors auf einen Blick Entwicklungspotentiale erkennen und Unterstützungs- sowie Verbesserungsmaßnahmen anstoßen.

„Die bundesweit verbindliche Nutzung eines solchen Instrumentariums und eine Zertifizierungspflicht in allen Bundesländern würden die Kita-Qualität flächendeckend erhöhen. Sie würden uns regelmäßig zeigen, was wir besser machen können“, sagt Weegmann. Und es gäbe weitere positive Effekte: „Wir erhielten Daten, auf die eine Kinder-Lobby für ihre Argumentation und die Politik bei der Steuerung des Systems zurückgreifen könnten. Außerdem ließe sich dadurch endlich eine solide, faktenbasierte Antwort auf die Frage geben, ob unsere in frühkindliche Bildung und Betreuung investierten Milliarden gut angelegt sind.“

Quelle: Konzept-e für Bildung und Betreuung gGmbH vom 23.07.2020

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