Kindertagesbetreuung / Politik

Kita-Pädagog/-innen fordern Wertschätzung: Arbeitsbedingungen im Hamburger Kita-Gutschein-System brauchen Veränderung

zwei Mikrofone stehen auf einem Tisch
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Pägagog/-innen und Fachberater/-innen haben ein Recht auf Wertschätzung ihrer verantwortungsbewussten Arbeit. Auf dem ersten SOAL Krippenfachtag tauschten sich rund 90 Pädagog/-innen über ihre Situation in den Krippeneinrichtungen aus und formulierten im Abschlussplenum ihre Forderungen an die Politik.

Am ersten SOAL Krippenfachtag, der am 15. und 16. November vom Alternativen Wohlfahrtsverband Sozial & Alternativ SOAL in Hamburg ausgerichtet wurde, nahmen 90 PädagogInnen und FachberaterInnen aus Hamburg und dem gesamten Bundesgebiet teil. In verschiedenen Workshops haben die Pädagog/-innen sich über die Situation in den Krippeneinrichtungen ausgetauscht.

Das alles überragende Thema war der Wunsch nach gesellschaftlicher Anerkennung ihrer Arbeit. Viele Pädagog/-innen stellten fest, dass sie ihre Arbeit sowohl seitens der Politik als auch seitens der Eltern nicht wertgeschätzt fühlen - trotz der immensen Bedeutung und Verantwortung ihres Arbeitsfeldes.

Deutlich wurde die Irritation der PädagogInnen darüber, dass über die verschiedenen Bildungsempfehlungen der Bundesländer und die Erwartungshaltung der Eltern eine hohe Verantwortung auf sie abgewälzt wird. Die mangelnde Anerkennung ihrer Tätigkeit und die Rahmenbedingungen, unter denen sie ihre Arbeit ausüben, stehen in krassem Widerspruch dazu. Wie sollen Erzieherinnen diesen Erwartungen entsprechen, wenn sie unter Bedingungen arbeiten, die krank machen? Wie können Kinder wertschätzend betreut werden, wenn dies nicht in einer Willkommensgesellschaft stattfindet?

Deutlich wurde auch die Diskrepanz zwischen Praxis und Ausbildung. Hier fanden die Pädagog/-innen eine stärkere Einbeziehung ihrer Erfahrungen in die Gestaltung der Ausbildungspläne notwendig.

Die Pädagog/-innen haben folgende Forderungen formuliert:

Krippen-Pädagog/-innen haben: 

  • ein Recht auf Wertschätzung ihrer verantwortungsvollen Arbeit

  • ein Recht darauf, dass diese professionelle Arbeit gleichwertig entlohnt wird wie die der KollegInnen im Primarbereich
  • ein Recht auf einen zeitlichen Rahmen, der beziehungsvolle Arbeit mit den Kindern, Eltern, Vor- und Nachbereitung möglich macht
  • Recht auf eine Gruppengröße von höchstens drei Kindern pro Erzieherin im Krippenbereich
  • Recht auf eine Finanzierung, die eine umfassende Fort- und Weiterbildung sowie eine intensive Unterstützung durch Fachberatung und Supervision ermöglicht

  • Ein Recht auf Arbeitsbedingungen, die die Gesundheit der Erzieher/-innen unterstützen und es älteren Krippenerzieher/-innen ermöglichen, in Rente zu gehen, bevor sie 67 sind.

Die anwesenden Pädagog/-innen haben festgestellt, dass die Bildungsempfehlungen der Bundesländer nicht aus der Sicht des Kindes formuliert sind und sie selbst nicht an deren Erarbeitung beteiligt waren. Sie erwarten eine andere Diskussionskultur in Hamburg, in der sie wertschätzend in die Weiterentwicklung der Hamburger Bildungsempfehlungen einbezogen werden und ernst genommen werden.

Inklusive Pädagogik brauche eine andere Struktur: Die Pädagog/-innen fordern eine Revision des Kita-Gutschein-Systems im Sinne einer Willkommensgesellschaft. Alle Kinder sollen nach ihren Bedarfen und gleichberechtigt beteiligt werden. Sie sind der Meinung, dass Kinder ein Recht auf ein Betreuungssystem haben, das Ausdruck dieser Willkommensgesellschaft ist. In der Konsequenz bedeutet das ein System, das einen kostenfreien, ganztätigen Zugang für ALLE Kinder bereitstellt.

SOAL, 16. November 2013

Anmerkung: Diese Forderungen wurden am 16. November 2013 im Abschlussplenum des SOAL-Krippenfachtages von den teilnehmenden Pädagog/-innen verabschiedet. Zuvor hatten sie in „Open Space“-Arbeitsgruppen selbstbestimmt Themen eingebracht, sie diskutiert und im Laufe des Fachtages vertieft.

Rückfragen bitte an Claus Reichelt, Tel.: (040)

43 25 84 -10 oder an Sabine Kümmerle, Tel.: (040) 43 25 84 -14.

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