Kindertagesbetreuung / Qualifizierung

Kindheitspädagoginnen im Kita-Team: Chance für Weiterentwicklung

Erzieherin mit Kindern
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Fachkräfte mit Studienabschluss bieten eine große Chance für die pädagogische Arbeit und die organisatorische Abläufe in Kindertageseinrichtungen. Sie bereichern die Teams u. a. durch ein ausgeprägtes Reflexionsvermögen und ein vertieftes (anderes) Fachwissen.

Die Erwartung an Kindheitspädagoginnen und -pädagogen ist groß: Sie sollen neue Impulse für die Weiterentwicklung der Kita zum Bildungsort setzen. Die meisten Beschäftigten sind aber nach wie vor an Fachschulen ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher. Derzeit hat nur 1% der pädagogischen Fachkräfte einen Hochschulabschluss in Kindheitspädagogik. Erst seit 2007 gibt es Absolventinnen und Absolventen dieses Fachs, aber ihre Zahl steigt. Dies wirft die Frage auf, wie Kindheitspädagoginnen und -pädagogen in der Praxis eingesetzt und wie sie in Kita-Teams integriert werden. Eine Befragung unter Trägern, Leitungen, Erzieherinnen und Erziehern sowie Kindheitspädagoginnen und -pädagogen in 16 Kindertageseinrichtungen gibt Aufschluss darüber. Die Studie wurde von der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) veröffentlicht. 

Gleiche Tätigkeiten, kaum Entwicklungsmöglichkeiten

Die Ergebnisse der Befragung deuten darauf hin, dass Träger derzeit nicht gezielt akademisch qualifiziertes Personal einstellen. Bei Leitungspositionen scheint dies anders zu sein, zumal für diese in manchen Bundesländern ein Studienabschluss vorausgesetzt wird. Unter den Kindheitspädagoginnen und -pädagogen haben einige vor dem Studium eine Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher abgeschlossen und in der Kita gearbeitet, andere haben diese Erfahrung nicht. Letzt genannte werden in der Regel im Gruppendienst eingesetzt und bezahlt wie an Fachschulen ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher. Diejenigen, die zuvor eine Ausbildung abgeschlossen haben, studieren größtenteils berufsbegleitend und üben entweder bereits eine Leitungstätigkeit aus oder streben eine solche an. Andere berufliche Entwicklungsperspektiven sehen die Kindheitspädagoginnen und -pädagogen in einer Mischung aus Gruppendienst und Leitung bzw. Beratungs- oder Lehrtätigkeit sowie außerhalb der Kita, wie z. B. in der Fort- und Weiterbildung oder beim Jugendamt. "Um diese Berufsgruppe langfristig in den Einrichtungen zu halten, müssen Träger gezielt Stellen schaffen", fordern die Autorinnen und Autoren der Studie André Altermann, Marie Holmgaard, Elke Katharina Klaudy und Sybille Stöbe-Blossey.

Unterschiede im beruflichen Handeln – Potenzial für Veränderungen

Trotz gleicher Funktionen und Bezahlung von Erzieherinnen und Erziehern einerseits und Kindheitspädagoginnen und -pädagogen andererseits werden Unterschiede beim beruflichen Handeln wahrgenommen: Alle Befragten schreiben den Kindheitspädagoginnen und -pädagogen vertieftes Fachwissen, ein ausgeprägtes Reflexionsvermögen, eine große Bereitschaft, Abläufe kritisch zu hinterfragen sowie einen anderen Sprachstil und eine stärker wissensbasierte Begründung des eigenen Handelns zu. Dieser andere Habitus birgt Potenzial für innerorganisatorische Veränderungsprozesse. Den Befragungsergebnissen nach scheinen sich aber gerade die Kindheitspädagoginnen und -pädagogen, die neu im Beruf sind, oft an vorhandene Strukturen anzupassen. Voraussetzung für Veränderung sei aber, dass vorgefundene pädagogische Praktiken und organisatorische Abläufe kritisch hinterfragt werden. Gleichzeitig müsse die Organisation dies zulassen und Anregungen aufgreifen. "Die Chancen der Akademisierung können nur genutzt werden, wenn Kita-Träger sich mit den neuen Qualifikationsprofilen auseinandersetzen und Kindheitspädagoginnen und -pädagogen in eine Strategie der Personal- und Teamentwicklung einbinden", so die Autorinnen und Autoren. 

Die WiFF-Studie Band 25 „Kindheitspädagoginnen und -pädagogen im Kita-Team“ von André Altermann, Marie Holmgaard, Elke Katharina Klaudy und Sybille Stöbe-Blossey kann kostenlos auf www.weiterbildungsinitiative.de bestellt oder als PDF heruntergeladen werden. Sie beinhaltet Teilergebnisse aus dem Projekt "Akademisierung frühpädagogischer Fachkräfte – Zwischen Arbeitsplatznähe und Professionalisierung". Dieses wurde vom Institut für soziale Arbeit e. V. (ISA) und dem Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen durchgeführt und im Rahmen der Förderlinie "Ausweitung der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte" (AWiFF) von 2011 bis 2014 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert.

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