Kindertagesbetreuung / Sozialforschung

Kinderbetreuung: Betriebe machen Hausaufgaben der Politik

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Auch ein Jahr nach Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz für Unter-Dreijährige in Deutschland besteht weiterhin Handlungsbedarf. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor.

Das vom DIHK vorgelegte IHK-Unternehmensbarometer "Am Ball bleiben – Kinderbetreuung flexibilisieren und ausbauen" beruht auf den Antworten von 1.625 Betrieben.

Die Erhebung zeige, dass die die Anstrengungen der Politik zu einer leichten Entspannung beigetragen hätten, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben dem "Handelsblatt". Bis zu einem bedarfsgerechten Betreuungsangebot sei es jedoch noch "ein gutes Stück Weg".

Fast sechs von zehn Unternehmen hätten in der Umfrage berichtet, dass ihre Beschäftigten und damit ihre betrieblichen Abläufe durch ein unzureichendes Betreuungsangebot eingeschränkt würden.

"Das größte Problem sind die Betreuungszeiten", betonte Wansleben. "Sie sind nach wie vor zu unflexibel und berücksichtigen zu wenig die Bedürfnisse berufstätiger Eltern." Außerdem gebe es immer noch nicht genug Ganztagesangebote. In mehr als zwei Dritteln der befragten Betriebe müssten Mitarbeiter wegen fehlender Nachmittagsbetreuung ihre Arbeitszeiten reduzieren.

Weil für Eltern und Unternehmen eine gewisse Flexibilität unverzichtbar sei, setzten die Unternehmen zunehmend auf Selbsthilfe, so der DIHK-Hauptgeschäftsführer: "Inzwischen bieten fast 90 Prozent der Betriebe flexible und familienfreundliche Arbeitszeiten an." In vielen Unternehmen könnten die Mitarbeiter bei Bedarf auch mal von zu Hause aus arbeiten oder die Kinder mit an den Arbeitsplatz bringen.

Die Betriebe organisierten Notfallbetreuung, richteten Eltern-Kind-Büros ein oder sorgten für ein Betreuungsangebot in den Ferien, berichtete Wansleben. So unterstützen zwei von drei Unternehmen ihre Beschäftigten bei der Kinderbetreuung, das seien doppelt so viele wie vor zwei Jahren.

"Die Betriebe machen hier die Hausaufgaben der Politik", kritisierte Martin Wansleben. "Für ein passendes Betreuungsangebot zu sorgen, ist nicht die Aufgabe der Unternehmen. Hier ist eindeutig die Politik gefragt. Die gemeinsamen Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen dürfen jetzt nicht nachlassen."

Das IHK-Unternehmensbarometer zur Kinderbetreuung 2014

Quelle: Deutscher Industrie- und Handelskammertag vom 30.07.2014