Kindertagesbetreuung / Bildungsforschung

Inklusion in der frühen Kindheit: Niedersachsen fördert Forschungsverbund an der Universität Hildesheim

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Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bauen die Grundlagenforschung zur frühkindlichen Bildung aus. Sie dokumentieren in empirischen Studien das Geschehen in Kitas und den Übergang in die Grundschule. Erkenntnisse sollen schnell in die Praxis gelangen.

Bereits 2009 hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet und sich damit verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem umzusetzen. Seitdem verändert sich das gesamte Bildungssystem und die Kinder- und Jugendhilfe, einschließlich der Kindertagesstätten. Pädagoginnen und Pädagogen lernen, konstruktiv mit den unterschiedlichen sozialen, sozio-kulturellen, körperlichen und biografischen Voraussetzungen von Kindern und Jugendlichen umzugehen und die Teilhabechancen für alle zu verbessern. Wie das aber im Alltag passiert, etwa in Kindertagesstätten, wird bisher kaum untersucht. Hier setzt der Hildesheimer Forschungsverbund an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tauchen ein in den Alltag und dokumentieren in empirischen Studien das Geschehen in Kitas und den Übergang in die Grundschule.

Bildungs- und Teilhabeforschung in der frühen Kindheit

"Wir vertiefen die Bildungs- und Teilhabeforschung in der frühen Kindheit“, sagt Peter Cloos, Professor für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Hildesheim und Sprecher des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen. Gerade im Bereich der Bildung und der sozialen Teilhabe der bis sechsjährigen Kinder gibt es noch erhebliche Forschungslücken in Bezug auf die Inklusion. "Im gesamten Bildungssystem und in der Kinder- und Jugendhilfe geschehen aktuell große Umwälzungen. Inklusion ist eine breit diskutierte Herausforderung. Wir wollen dazu beitragen, das noch geringe empirische Wissen auszubauen und die unterschiedlichen Forschungstraditionen zu verbinden", so Cloos.

Das Land Niedersachsen fördert am Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen der Universität Hildesheim den Forschungsverbund "Inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit als multidisziplinäre Herausforderung" bis 2020 mit insgesamt 1,3 Millionen Euro. Neben Hildesheim werden Verbundprojekte in Göttingen und Hannover aus dem "Niedersächsischen Vorab" gefördert.

Der Hildesheimer Forschungsverbund bearbeitet sechs Forschungsprojekte. Beteiligt sind insgesamt acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Erziehungswissenschaft, Entwicklungspsychologie, dem Fremdsprachenerwerb und der Mathematikdidaktik, der Neurodidaktik sowie Sozial- und Organisationspädagogik. "Ich freue mich auf die weitere Vertiefung unserer Zusammenarbeit im Kompetenzzentrum, wir wollen gemeinsam neue Perspektiven für eine inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit entwickeln", sagt Professor Cloos.

Konzepte für den Praxistransfer

Neue Erkenntnisse sollen schnell in die Praxis gelangen – in die Wissenschaft, die Politik, die Kinder- und Jugendhilfe und in die Bildungseinrichtungen. Der Forschungsverbund arbeitet eng mit Partnern aus der Praxis zusammen und entwickelt gemeinsam mit den Praxispartnern Konzepte für den Transfer, unter anderem mit Kindertagesstätten und Grundschulen, der Landesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen Niedersachsen/Bremen e.V. (lagE), dem Kinder- und Jugendbereich der Diakonie Himmelsthür, dem Verein für Frühe Mehrsprachigkeit an Kitas und Schulen (FMKS). Geplant sind ebenso Kooperationen mit Jugendämtern, Fachschulen und Einrichtungen der Fort- und Weiterbildung. In allen Forschungsprojekten werden konkrete Transfermaßnahmen für die pädagogische Praxis entwickelt und umgesetzt. Die Forschungsprojekte laufen bis 2020. Ergebnisse werden auf Tagungen vorgestellt.

Im Forschungsverbund unterstützt die Universität Hildesheim zehn Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in der Phase während und nach der Promotion. Sie promovieren in den Projekten, werden vom Uni-Methodenbüro in der Wahl der Forschungsmethoden unterstützt und können sich mit laufenden Vorhaben aus den Graduiertenkollegs „Multiprofessionalität in der Bildungsinfrastruktur und in Sozialen Diensten“, „Gender und Bildung“ und den Promotionskollegs „Bildungsintegration“ und „Unterrichtsforschung" vernetzen. Die im Verbund beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können auch im Promotionsstudiengang Sozial- und Organisationspädagogik, dem bundesweit ersten akkreditierten Studiengang dieser Art, promovieren.

Weitere Informationen auch zu den einzelnen Forschungsprojekten stehen auf der Webseite der Universität Hildesheim zur Verfügung. 

Quelle: Universität Hildesheim vom 23.02.2017

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