Kindertagesbetreuung / Familienpolitik

Gute Kitas im Saarland sollen Bildungsgerechtigkeit ermöglichen und Eltern unterstützen

Zwei Kinder sitzen am Tisch und spielen
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Im Saarland wird 2019 und 2020 so viel Geld für Frühkindliche Bildung zur Verfügung gestellt, wie nie zuvor. Der Bund beteiligt sich mit dem Gute-Kita-Gesetz finanziell am quantitativen Ausbau sowie an Qualitätsverbesserungen in Kitas. Was dies konkret für junge Familien und Kitas im Saarland bedeutet, stellte Saarlands Bildungsminister Commerçon bei der Landespressekonferenz am 12. Februar vor.

Noch nie hat das Saarland mehr Geld für die Frühkindliche Bildung bereitgestellt: Im saarländischen Landeshaushalt sind insgesamt 120 Mio. Euro für das Jahr 2019 und 142 Mio. Euro für das Jahr 2020 für die Frühkindliche Bildung eingestellt. Erstmalig beteiligt sich der Bund nicht nur am quantitativen Ausbau, sondern mit dem Gute-KiTa-Gesetz auch an Qualitätsverbesserungen in KiTas. Bis 2022 fließen rund 65 Mio. Euro aus dem Gute-KiTa-Gesetz ins Saarland.

„Mit diesen Landes - und Bundesmitteln treiben wir den Ausbau von Betreuungsplätzen weiter voran, investieren noch mehr in die Qualität unserer KiTas und entlasten junge Familien deutlicher, effektiver und schneller bei den KiTa-Beiträgen“, so Saarlands Bildungsminister Ulrich Commerçon.

Anstieg der Inanspruchnahme von Krippen und Kindergärten

Der Ausbau der Kapazitäten in den Krippen und KiGas war eine der Hauptanstrengungen der letzten Jahre: Besonders durch höhere Inanspruchnahme und gestiegene Geburtenzahlen sowie auch durch Zuwanderung besuchen heute fast 4.000 Kinder mehr als 2012 eine saarländische Kindertageseinrichtung. Insgesamt 7.111 geförderte Krippenplätze stehen mittlerweile saarlandweit zur Verfügung, das entspricht einer Versorgungsquote von 33,35 Prozent (2012 waren es noch lediglich 4.062/Versorgungsquote von 19,8 Prozent).

Neugestaltung der Förderrichtlinien für einen unbürokratischeren Ausbau

„Die Kommunen und Träger haben in den vergangenen Jahren beim Ausbau der Betreuungsplätze enorme Kraftanstrengungen vollbracht. Wir haben zusammen seit 2012 rund 80 Prozent mehr Krippenplätze geschaffen. Trotzdem stellen wir immer wieder fest, dass gerade in Ballungsgebieten Betreuungsplätze rar sind, weil Träger sich trotz Förderung hohen Hürden bei der Finanzierung oder Baurealisierung gegenüber sehen. Damit Mittel aber schneller, unbürokratischer und effektiver in den Ausbau fließen können, werden wir die Förderrichtlinien für KiTa-Baumaßnahmen neu gestalten und beispielsweise die Fördersätze für Krippen und KiGas angleichen und erstmals die Förderung von Mietkosten, Sanierungen und Umbauten ermöglichen“, sagt Minister Commerçon.

Qualitätsausbau: mehr Plätze – mehr Fachkräfte

Der Ausbau der Kapazitäten ging mit einem gesteigerten Fachkräftebedarf einher. Um den Bedarf an künftigen Fachkräften zu decken, wurden zudem auch die Ausbildungskapazitäten der Schulen erhöht: Seit 2013 werden in St. Wendel zusätzlich Erzieher/-innen ausgebildet. Derzeit gibt es Planungen, einen weiteren Standort zu realisieren.

„Neben all den Anstrengungen der vergangenen Jahre werden wir nun ein Viertel der Bundesmittel aus dem Gute-KiTa-Gesetz, also rund 17 Mio. Euro, zusätzlich investieren, um qualitätsverbessernde Maßnahmen in unseren Einrichtungen umzusetzen. So werden wir beispielsweise für stärker belastete KiTas den Fachkraft-Kind-Schlüssel so modifizieren, dass diese zusätzlich eine Viertelstelle zur Verfügung gestellt bekommen. Doch der Personalschlüssel ist nicht das einzige Merkmal für die Strukturqualität einer Einrichtung. Aspekte wie Leitungsfreistellungen und überwiegend vollzeitbeschäftige Fachkräfte haben einen nachhaltigen Einfluss auf die pädagogische Qualität – und in beiden Bereichen ist das Saarland bundesweit weit vorne mit dabei“, so Minister Commerçon.

Qualitätsverbessernde Maßnahmen und sprachliche Bildung

Derzeit werden weitere qualitätsverbessernde Maßnahmen mit dem Bund verhandelt. So soll die Erzieher(innen)ausbildung attraktiver gestaltet, der Zugang zu berufsbegleitender Ausbildung verbessert und zu bezahlter Ausbildung ermöglicht werden. Dafür sollen Mittel in Höhe von 2,7 Mio. Euro aus dem Bundesprogramm „Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) genutzt werden. Das BMFSFJ unterstützt Länder und Träger dabei, Modelle einer vergüteten, praxisintegrierten Ausbildung zu erproben. Dabei gewährt der Bund modellhaft (für zwei Ausbildungsjahrgänge von jeweils dreijähriger Dauer) Trägern einen Zuschuss für die Schaffung zusätzlicher vergüteter Ausbildungsplätze. Für das Saarland sind 52 Ausbildungsplätze pro Ausbildungsjahrgang vorgesehen, darüber hinaus wird derzeit geprüft, ob weitere 41 Ausbildungsplätze über Mittel aus dem Gute-KiTa-Gesetz gefördert werden können.

Ein weiterer Fokus liegt zudem in der sprachlichen Bildung in den KiTas. So sollen saarländische Fachkräfte durch den Zertifikatsstudiengang „Sprache und interkulturelle Bildung“ zukünftig weiter qualifiziert werden. Hier kooperiert das Ministerium für Bildung und Kultur mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw Saar).

Beitragsreduzierung garantiert Teilhabe

Investitionen in Personal und Infrastruktur allein garantieren nicht, dass jedes Kind die Möglichkeit erhält, eine KiTa zu besuchen. Denn gerade im Saarland sind junge Familien von den hohen KiTa-Beiträgen besonders belastet, da die Einkommen hier relativ gering, die Elternbeiträge für KiTas aber im Bundesvergleich relativ hoch sind.

Ulrich Commerçon betont: „Deswegen kann der saarländische Weg also nur so aussehen, dass wir zunächst wegen der hohen Belastung der Familien mit Nachdruck in die KiTa-Gebührensenkung einsteigen. Durch die Einigung der Regierungskoalition beim Saarlandpakt haben wir auf dem Weg zur kompletten Beitragsfreiheit bei Kita-Elternbeiträgen als Zwischenziel bereits eine deutliche Reduzierung für Familien erreicht. Das ist ein toller Erfolg und nur so können wir Bildungsgerechtigkeit und echte Teilhabe für jedes Kind garantieren. Gute KiTas ermöglichen die besten Startchancen ins Leben und unterstützen Eltern bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Unterstützt mit den Mitteln aus dem Gute-KiTa-Gesetz wird mit der Reduzierung der Elternbeiträge (derzeit maximal 25 Prozent der Personalkosten) schrittweise ab dem 1. August 2019 begonnen: Bis 2022 wird der Elternanteil um die Hälfte reduziert. Dafür werden insgesamt 93 Mio. Euro (45,5 Mio. Euro Land plus 47,5 Mio. Euro Bund) zur Verfügung gestellt.

Quelle: Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes vom 12.02.2019

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