ElternZOOM der Bertelsmann Stiftung

Mehrheit der Familien ist aus finanziellen Gründen auf Kita-Platz angewiesen

Zwei Kinder schauen aus dem Fenster einen verschneiten Baum an
Bild: Kelly Sikkema - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die Einrichtungen sind für Familien unverzichtbar als Bildungs- und Betreuungsort. Eltern wollen und müssen ihre Kinder in die Kita geben. Doch dem Frühkindlichen Bildungssystem mangelt es an Plätzen, Fachkräften und einer kindgerechten Qualität. Die Coronapandemie stellt diese Probleme ins Scheinwerferlicht. Der aktuelle ElternZOOM der Bertelsmann Stiftung hat hierzu die repräsentative Umfrage unter Eltern von Kita-Kindern veröffentlicht.

Der Kita-Besuch ist gut für die Entwicklung des eigenen Kindes. Davon sind fast alle Eltern (94 Prozent) überzeugt. Sie gehen davon aus, dass ihr Kind in der Kita Neues entdecken (92 Prozent) und soziale Kontakte zu anderen Kindern knüpfen kann (94 Prozent). Zudem sind Eltern aus finanziellen Gründen auf die Kita angewiesen. Sie geben an, dass sie Betreuung brauchen, weil sie Geld verdienen müssen (70 Prozent) oder Angst um den eigenen Arbeitsplatz haben (22 Prozent), wenn sie keine Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder haben. Diese Sorgen sind in Ostdeutschland und unter Alleinerziehenden besonders verbreitet. Das zeigt der aktuelle ElternZOOM der Bertelsmann Stiftung – eine bundesweit repräsentative Umfrage unter Eltern von Kita-Kindern, die in Zusammenarbeit mit infratest dimap entstanden ist.

Kitas dürfen keine „Black Box“ sein

Für ein gutes Zusammenspiel zwischen Kita und Eltern müssen Fachkräfte auch genügend Zeit für die Eltern haben. Das verdeutlicht die ebenfalls neue bundesweite, qualitative Befragung von Müttern und Vätern, die den aktuellen ElternZOOM ergänzt. Die Studie „KiTa-Qualität aus der Perspektive der Eltern“ beleuchtet, was für eine gute Kita aus elterlicher Sicht entscheidend ist. Eltern wollen informiert werden über die pädagogische Arbeit. Kitas sollen für sie keine „Black Box“ sein. Einblicke in den Kita-Alltag sowie in die Aktivitäten ihres Kindes fördern das Vertrauen gegenüber den Fachkräften, dass ihre Kinder gut betreut und gefördert werden.

Es fehlt an Kita-Plätzen, Fachkräften und kindgerechter Qualität

Damit Kitas gute Bildungs- und Betreuungsangebote leisten können, braucht es genügend Plätze sowie ausreichend und gut qualifiziertes Personal. Bundesweit klafft jedoch eine Lücke zwischen dem Bedarf der Eltern und der tatsächlichen Betreuungsquote. Der Bildungsauftrag kann von den Kitas mangels Personal häufig nicht ausreichend erfüllt werden.
 
Das Ländermonitoring, in dem die Stiftung jährlich die Entwicklung des frühkindlichen Bildungssystems bilanziert, legt offen: Ein Drittel der Kinder in Deutschland unter drei Jahren (34,3 Prozent) sind in Kindertagesbetreuung; für die Hälfte (49,4 Prozent) aber benötigen die Eltern eigentlich einen Platz. Ähnliches zeigt sich bei der Anzahl der Fachkräfte: Statt der von der Bertelsmann Stiftung empfohlenen drei Kinder betreut im Westen eine Fachkraft durchschnittlich 3,6 Kinder unter drei Jahren, im Osten 5,7. Zudem geben die Fachkräfte selbst an, dass sie allzu oft den Bildungsanspruch zugunsten der reinen Aufsichtspflicht hintenanstellen müssen. Unter der unzureichenden Personalausstattung leidet demnach auch die Qualität in den Kitas. Das zeigte bereits 2020 eine von der Stiftung veröffentlichte bundesweite Fachkräftebefragung.

„Die Kita gilt längst als eine Bildungseinrichtung, in die Eltern ihre Kinder gerne geben wollen und nicht nur zur Betreuung geben müssen. Doch es fehlt an Plätzen, Fachkräften und kindgerechter Qualität“, so Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Mehr Krippenplätze sowie genügend und qualifiziertes Personal

Damit alle Eltern unabhängig von ihrem Wohnort eine kindgerechte und verlässliche Kita-Betreuung nutzen können, müssen insbesondere die Krippenplätze weiter bedarfsgerecht ausgebaut werden. Es braucht bundeseinheitliche Standards für kindgerechte Personalschlüssel, damit jedes Kind gute Kita-Qualität erfahren kann. Die Attraktivität des Erzieher/-innen-Berufs muss deutlich gesteigert werden, damit der Personalbedarf gedeckt werden kann. Und: Das neue „Gute-Kita-Gesetz“ sollte nicht auslaufen, sondern ab 2023 verstetigt werden. Die Kitas brauchen eine langfristige und verlässliche Finanzierungsbeteiligung des Bundes.

„Die Corona-Pandemie zeigt, wie zentral Kitas für Kinder und ihre Eltern, aber auch für unsere Volkswirtschaft sind. Kitas brauchen mehr Personal und eine verlässliche Finanzierung, um professionell arbeiten zu können“, sagt Jörg Dräger.

Weiterführende Informationen

  • Die Bertelsmann Stiftung hat 2019 zum dritten Mal eine bundesweite Befragung unter Kita-Eltern in Auftrag gegeben – den sogenannten ElternZOOM. In Kooperation mit infratest dimap wurden insgesamt 8.847 Eltern zu den Themen Teilhabe, Informationsbedürfnis und Beteiligung der Eltern an und in der Kita befragt.
  • Ergänzt wird diese Studie durch die bundesweite qualitative Studie „KiTa-Qualität aus der Perspektive von Eltern“, die von Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann und Dr. Adeline Hurmaci durchgeführt wurde. In zwölf Gruppendiskussionen erläuterten 71 Mütter und Väter zum Thema „KiTa-Qualität aus der Perspektive von Eltern“ die für sie relevanten Aspekte.
  •  Das aktuelle Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme 2020 zeigt, wie viele Kinder in Deutschland in wie vielen Kitas betreut werden, und gibt eine Übersicht zur Entwickllung der Anzahl von Fachkräfte in den letzten Jahren.
  • Durch die Fachkräfte-Studie "HiSKiTa" (Professionelles Handeln im System. Perspektiven pädagogischer Akteur(inn)en auf die Personalsituation in Kindertageseinrichtungen) wird die Perspektive von pädagogischem KiTa-Personal auf die aktuelle Personalsituation in deutschen KiTas transparent gemacht. In der bundesweiten qualitativen Studie wurden 128 KiTa-Leitungen, (angehende) pädagogische Fachkräfte und Fachberatungen u.a. dazu befragtwie sich das professionelle Handeln angesichts der aktuellen Personalsituation verändert und welche Auswirkungen und Konsequenzen sich aufgrund der aktuellen Personalsituation für die Fachkräfte und die betreuten Kinder ergeben.

Quelle: Bertelsmann Stiftung vom 08.02.2021

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