Kindertagesbetreuung

Der Waldkindergarten

"...und was macht sie den halben Tag im Wald?" Diese und auch andere Fragen beantworten wir Ihnen hier...

 



Kinder im Wald, Quelle: sxc/coloniera2
Copyright: sxc/Hector Landaeta

 

 

Wie der Name bereits verrät, liegt der wesentliche Unterschied der Waldkindergärten gegenüber normalen Kindergärten darin, dass sich die Kinder überwiegend in der Natur aufhalten. Die Kinder werden bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit im Freien betreut. Nur bei besonders schlechtem Wetter bieten Zelte, Bauwagen oder Hütten Unterschlupf zum Geschichten Erzählen, Malen, Basteln und Frühstücken. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Kinder vorwiegend mit den Dingen spielen, die sie im Wald oder auf dem Feld vorfinden: Es gibt kein vorgefertigtes Spielzeug! Einzig die Gegebenheiten der Natur sollen die Phantasie und Kreativität der Kinder zum Spielen und Entdecken anregen und so auch die Abenteuerlust befriedigen. Dabei nehmen Kinder unterschiedlicher Entwicklungsstufen uneingeschränkt eigene Betätigungsfelder wahr, wobei Sie in ihrem Tun durch nichts und niemand behindert oder zurückgedrängt werden. Der tägliche Aufenthalt im Freien hat neben den bereits genannten Dingen noch einen weiteren, positiven Effekt: Er fördert nachweisbar die Gesundheit und Abwehrkräfte.
 
Aus den natürlichen Lernsituationen im Wald ergeben sich auch einige Herausforderungen, beispielsweise die Förderung der Grob- und Feinmotorik durch natürliche, differenzierte, lustvolle Bewegungsanlässe und -möglichkeiten. Den Kindern wird in einem Lebensraum, der nicht reizüberflutet ist, die Gelegenheit gegeben, ihre inneren Kräfte besser wahrzunehmen, zu erproben oder die Grenzen ihrer eigenen Körperlichkeit zu erfahren. Sie erleben Stille und sollen für das gesprochene Wort sensibilisiert werden. Gelernt werden soll dabei ganzheitlich, das heißt mit allen Sinnen, mit dem Körper und alle Ebenen der Wahrnehmung ansprechend. Dabei führt das unmittelbare Wahrnehmen mit allen Sinnen im besten Fall zur notwendigen Differenzierung des Wahrnehmungsvermögens und zu Konzentrationsfähigkeit.

Mit dem Wald als Spiel- und Aufenthaltsort werden auch Lernziele verknüpft: Das Erleben der Pflanzen und Tiere in ihren ursprünglichen Lebensräumen und der jahreszeitlichen Rhythmen und Naturerscheinungen, die Sensibilisierung für ökologische Zusammenhänge und Vernetzungen sowie die Wertschätzung der Lebensgemeinschaft Wald und des Lebens sind Lern- und Erfahrungsziele der Waldkindergärten.

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung

 

Maedchen beim Spielen, Quelle: sxc/ArminH
Copyright: sxc/Armin Hanisch

 

Weil die Kinder in aller Regel draußen sind, ist ihre Kleidung ein wichtiger Ausrüstungsbestandteil. Bei Kälte sind mehrere Kleiderschichten, Ersatzhandschuhe und -strümpfe notwendig. Bei Schmuddelwetter sind Gummistiefel, Matschhose und Regenhut angesagt. Als Schutz vor Zecken und Mücken sind auch im Sommer langärmlige Oberteile und Hosen gefragt, festes Schuhwerk und eine Kopfbedeckung ebenso. Neben der wetterfesten Kleidung trägt jedes Kind seinen Rucksack, in dem sich Trinkbecher, Brotzeit, Regenjacke, Ersatzhandschuhe und Sitzunterlage befinden und der noch viel Platz für Fundstücke bietet.

Trägerschaft der Waldkindergärten

Neben dem Aufenthaltsort "Wald" und den Tagesabläufen wird ein weiterer Unterschied zum Regelangebot in der Trägerschaft des Waldkindergartens deutlich: Die Gründung eines Waldkindergartens beruht in Deutschland auf dem Engagement von Eltern und Erziehe(rinne)n und erfolgt häufig nicht reibungslos. So wird der Waldkindergarten manchmal nicht als Bereicherung und Ergänzung des gemeindlichen oder städtischen Angebots betrachtet, sondern als deren Konkurrenz. Manchmal liegen daher die Elternbeiträge aufgrund niedriger oder gar fehlender Zuschüsse sogar etwas über denen eines regulären Kindergartens oder Spielgruppenangebots.
Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass im Waldkindergarten, auch gerade wegen solcher Probleme, das Engagement von Seiten der Kindergartenleitung, der Erzieher/-innen und der Eltern in aller Regel überdurchschnittlich ist. So werden beispielsweise anfallende handwerkliche Arbeiten an den Bauwagen und deren Reinigung, die Organisation von Feiern und Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit, die ehrenamtliche Arbeit im Waldkindergarten-Verein und ein Teil der Kinderbetreuung von den Eltern übernommen. Dadurch entstehen ein besonders guter Informationsaustausch und eine enge Bindung aller Beteiligten - also auch der Kinder.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Trotz der im Vergleich mit anderen alternativen Kindergartenkonzepten recht großen Zahl an Waldkindergärten in Deutschland, gibt es nur relativ wenige wissenschaftliche Untersuchungen des Modells. Häufig wird auf den Homepages der Waldkindergärten auf eine schwedische Studie Bezug genommen, die einen Waldkindergarten mit einem "normalen" schwedischen Kindergarten vergleicht (Grahn, Mårtensson, Lindblad, Nilsson & Ekman, 1997). Die Wissenschaftler haben dazu ein Jahr lang Gruppen begleitet. Ihnen zufolge sind die Waldkinder deutlich gesünder, haben eine bessere Motorik und Konzentration und sind fantasiereicher als die Kinder im normalen Kindergarten.

Quelle: www.kindergartenpaedagogik.de

SaM

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