Kindertagesbetreuung

Caritas kritisiert Pläne der CDU Baden-Württemberg für beitragsfreies drittes Kindergartenjahr

Die Caritas der Diözese Rottenburg-Stuttgart spricht sich gegen ein kostenfreies, verpflichtendes Kindergartenjahr für Kinder ab fünf Jahren aus, wie es die CDU Baden-Württemberg in ihrem Wahlprogramm für die Landtagswahl festschreibt. „Bereits das erste Kindergartenjahr muss beitragsfrei sein", erklärt Johannes Böcker, Caritasdirektor der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

„So können Kinder bereits ab drei Jahren ihre sprachlichen Fähigkeiten gezielt erweitern und in ihrer gesamten Entwicklung vorwärts kommen." Gerade für benachteiligte Kinder und für Kinder mit Migrationshintergrund würden so die Weichen für einen späteren schulischen Erfolg gestellt. Eine Förderung der Kinder ab fünf Jahren hält Böcker für verspätet.

Laut Statistischem Landesamt besuchten 2009 knapp 92 Prozent der Dreijährigen eine Kindertageseinrichtung in Baden-Württemberg. Laut Böcker müsse das Ziel sein, die restlichen acht Prozent so früh wie möglich in den Kindergarten zu holen. „Wir müssen vor allem ausländischen Familien Mut machen, ihre Kinder außerhalb der Familie betreuen zu lassen. Gerade sie profitieren vom frühen Kindergartenbesuch, da der Erwerb der deutschen Sprache beizeiten in Gang kommt."

Das beitragsfreie Kindergartenjahr unter dem Gesichtspunkt einzuführen, den Übergang in die Grundschule möglichst gut vorzubereiten, halten die Caritas der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der von ihr spitzenverbandlich vertretene Landesverband katholischer Kindertagesstätten (LV Kita) für zu kurz gedacht. Beide Verbände lehnen es strikt ab, das letzte Kindergartenjahr als eine Vorstufe auf dem Weg in die Grundschule zu betrachten. „Damit der Übergang in die Schule gelingt, sprechen wir uns klar für ein ganzheitliches Lernen aus, wie es auch im Orientierungsplan festgeschrieben ist", erklärt Dr. Ursula Wollasch, Vorstand des LV Kita. Laut Wollasch belege die positive Erfahrung mit der ganzheitlichen frühkindlichen Bildung, dass sich dieser Ansatz sehr gut für die Vorbereitung der Kinder auf die Schule eigne.

Neben dem verpflichtenden dritten Kindergartenjahr und dem Orientierungsplan will die Landesregierung mit ihrem Projekt „Das schulreife Kind" Kinder für den Schulunterricht vorbereiten. Die Caritas und der LV Kita kritisieren das damit verbundene Lernen in Modulen, das den Kindergarten verfremde und den Tagesablauf der Kinder in diverse Lernbereiche stundenplanmäßig zergliedere. „Ein solches Lernen eignet sich für Erwachsene, nicht aber für Kinder zwischen drei und sechs Jahren", so Wollasch.

Die Caritas der Diözese Rottenburg-Stuttgart setzt sich dafür ein, dass alle Kinder von Anfang an und unabhängig von ihrer Herkunft die Chance erhalten, sich zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu entwickeln. Damit wäre ein wichtiger Schritt für eine inklusive Bildung in Baden-Württemberg gemacht. Dies ist der Kernpunkt des Positionspapiers, mit dem sich der Caritasverband Rottenburg-Stuttgart zur Landtagswahl in Baden-Württemberg am 27. März 2011 zu Wort meldet. Mehr zum Positionspapier unter www.caritas-waehlt.de.

Quelle: Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e. V.

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