Kindertagesbetreuung / Familienpolitik

Brandenburgs KITA-Personalschlüssel sind schlechter als gesetzliche Vorgaben

Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege fordert dringend die ausreichende Finanzierung zur Sicherstellung des gesetzlichen Personalschlüssels.

Die Wohlfahrtsverbände im Land Brandenburg sehen sich durch die heute veröffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung mit ihren Forderungen nach verbesserten Rahmenbedingungen in den Kindertagesstätten und mit der Kita-Kampagne „Gemeinsam für: Gute Bildung. Von Anfang an!“ auf alarmierende Art bestätigt.

„Mit der Untersuchung im Rahmen des Projektes KitaZoom, welches die LIGA der freien Wohlfahrtspflege nach Brandenburg geholt hat, wurde nicht nur aufgezeigt, dass Brandenburg zu den Schlusslichtern bei der Personalressourcenausstattung in den Kitas in bundesweiten Vergleichen gehört. Vielmehr wurde eine in den Kitas gefühlte Wahrnehmung wissenschaftlich bestätigt: Die bestehenden öffentlichen Finanzierungsbedingungen versetzen die Krippen und Kindergärten des Landes noch nicht einmal in die Lage, den gesetzlichen Personalschlüssel umzusetzen, da die hohen zeitlichen Betreuungsbedarfe des Großteils der Kinder keine Berücksichtigung finden,“ erklärt Anne Böttcher, Vorsitzende der LIGA und Geschäftsführerin des AWO Landesverbandes.

Zieht man dann noch Zeiten für die notwendige Vor- und Nachbereitung, Entwicklungsdokumentation der Kinder,Elterngespräche und Fehlzeiten wegen Fortbildung, Urlaub oder Krankheit ab, so führt dies zwangsläufig dazu, dass in der Praxis eine pädagogische Fachkraft nicht nur 6 unter 3-Jährige, sondern 9 oder mehr Kinder gleichzeitig betreuen und bilden muss. Bei den Kindergartenkindern sind dann in der Realität statt 12 Kinder nicht selten 20 Kinder zwischen 3 und 6 Jahren in der Obhut von einer Fachkraft. Damit ist die rechnerische Fachkraft-Kind-Relation noch schlechter als durch bisherige Berechnungen angenommen.

„Es braucht daher dringend neben einer Verbesserung des gesetzlichen Personalschlüssels und Regelungen zur Leitungsfreistellung auch einer bedarfsgerechten, auskömmlichen Finanzierung entsprechend der zeitlichen Betreuungsbedarfe der Kinder. Sonst bleibt auch jegliche Verbesserung von gesetzlichen Mindestanforderungen in der Praxis eine Mogelpackung“, so Böttcher weiter.

Nach Ansicht der Wohlfahrtsverbände zeigt KitaZoom am Beispiel von Potsdam die klaren Verantwortungen sowohl auf Seiten des Landes als auch auf kommunaler Seite auf. Denn gute Bildung setzt auch die (Weiter-)Bildung der Bildungsbegleiter voraus.Dies braucht nicht nur Zeit für Anleitung und Qualitätsentwicklung, sondern auch die notwendige finanzielle Untersetzung für Fort- und Weiterbildung.„Und“, so Andreas Kaczynski vom Paritätischen Wohlfahrtsverband „es braucht dringend intensive und qualifizierte Dialoge zwischen allen in der Verantwortung Stehenden, um die bisherige Verantwortungszuweisung und Blockadehaltung aufzubrechen. Wir sehen in dem Projekt KitaZoom  eine große Chance, um Themen der Kita-Finanzierung gemeinsam zu befördern und können nur dazu aufrufen, dass sowohl Vertreter der Landesebene als auch der kommunalen Spitzenverbände so früh als möglich in den Dialog treten, um gemeinsam sachgerechte Lösungen für gute Bildung der Jüngsten in ganz Brandenburg einzurichten. Die Wohlfahrtsverbände stehen für diese Dialoge bereit.“

Über die Ergebnisse von KitaZoom können Sie sich auf dem Bildungstag der Kita Kampagne am 12. März 2014 an der Fachhochschule Potsdam ebenfalls umfangreich informieren.

Weitere Informationen auf der Kampagnen-Homepage www.kita-ist-bildung.de.

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