Kindertagesbetreuung

Bilingual-integrative Förderung: Bildungsforscher der Uni Erfurt kooperieren mit Kita in Jena

Eine thüringenweit bislang einmalige Zusammenarbeit im Bereich der Frühpädagogik haben jetzt die Universität Erfurt und die bilinguale integrative Kindertagesstätte BILLY des Vereins „Quer-Wege“ e.V. in Jena miteinander vereinbart. Bei einem Pressetermin haben Vertreter beider Einrichtungen heute den Kooperationsvertrag und die geplanten Aktivitäten vorgestellt.

Zweisprachigkeit ist auch in Kindergärten nicht mehr neu, aber integrativ und zweisprachig, das ist dann doch etwas Besonderes. Und so haben Wissenschaftler des Schwerpunkts Bildung der Universität Erfurt zu Beginn des Jahres erstmals die bilinguale integrative Kindertagesstätte des Vereins „Quer-Wege“ Jena - kurz BILLY - besucht, um sich über deren Arbeit zu informieren. Schnell war klar, dass eine Kooperation der Einrichtungen für beide ganz neue Chancen bietet - eine in dieser Art landesweit einmalige Zusammenarbeit war beschlossen.

In der Kindertagesstätte BILLY ist das Anders-Sein normal - egal ob in Bezug auf Alter, Sprache, Entwicklungsbeeinträchtigungen, das soziale oder kulturelle Umfeld. Es ist Alltag, gehört dazu und ist aufregend. Und es betrifft nicht nur die Kinder, sondern auch die Pädagogen. Drei Muttersprachler sprechen ausschließlich englisch mit den Kindern -Verständigungsprobleme Fehlanzeige. Solveig Chilla, Juniorprofessorin für Pädagogik bei Störungen in Sprache und Kommunikation und Erwerb von Sprachkompetenz an der Universität Erfurt, war schon bei ihrem ersten Besuch in Jena beeindruckt: „Das Konzept der Kita BILLY zielt auf die Integration aller Kinder. Darüber hinaus wird Englisch als zweite Sprache von Anfang an spielerisch in den Alltag integriert. Das Besondere an BILLY ist, dass auch Kinder mit geistigen Beeinträchtigungen von diesem bilingualen Sprachenangebot profitieren“. „Wir haben beobachtet, dass unser BILLY-Konzept den Kindern offensichtlich gut tut“, sagt Anke Mamat, die Leiterin der Kindertagesstätte. „Aber wir haben eigentlich keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, warum das so ist. Deshalb sind wir sehr froh, dass wir mit der Universität Erfurt einen so kompetenten Partner gewinnen konnten, um genau diese Fragen beantworten zu können.“ Ziel ist es dabei, die wissenschaftlich-theoretischen Kenntnisse der Forscher mit den praktischen Erkenntnissen der pädagogischen Arbeit in der Kindertagesstätte zu verbinden und gewinnbringend aufzubereiten. So sollen beispielsweise im Rahmen von BA- bzw. MA-Arbeiten (z.B. Einzelfallstudien), Forschungsthemen bearbeitet, wissenschaftlich reflektiert, präsentiert und mit Bedingungen in der Praxis verbunden werden. Darüber hinaus soll es Vorträge bzw. Workshops für das BILLY-Team in den Bereichen Sprachentwicklung, Mehrsprachigkeit und geistige Beeinträchtigung, aber auch im Zusammenhang mit sprachlichen Störungen geben. Gleichzeitig könnten die Sprachstände bei den Kindern wissenschaftlich erfasst werden. „Vorschulpädagogen lernen während ihrer Ausbildung zu wenig über Sprache und Kommunikation“, begründet Anke Mamat das Vorhaben. „Dabei ist die ganzheitliche Sprachförderung eine Voraussetzung für inklusive Pädagogik, bei der wir auf die Bedürfnisse jedes Kindes eingehen und es individuell fördern.“ Studierenden der Universität Erfurt wiederum bieten die Kooperation und die Arbeit vor Ort einen wunderbaren Einblick in die Praxis des Konzepts der „Inklusion“ - durch wissenschaftlich begleitete Hospitationen, Praktika und den Kontakt mit Kollegen aus der Praxis. Prof. Dr. Bettina Rockenbach, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Erfurt und Mitglied der Leitungsgruppe des universitären Schwerpunkts Bildung: „Wir haben an der Universität Erfurt hohe Kompetenz in der Bildungsforschung, vor allem im frühkindlichen Bereich, versammelt. Das ist eine einmalige Chance, die wir nutzen und vor allem ausbauen werden“.

Quelle: Universität Erfurt

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