Kindertagesbetreuung

Berlin: Senator Zöllner stellt Vorschläge zur Sprachförderung vor

Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner, Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung stellte heute (19.11.2010) erste Vorschläge für das Qualitätspaket mit Schwerpunkt Sprachförderung in Kindertagesstätten und Schulen vor. Ziel ist es, nach der Neuausrichtung der Berliner Bildungslandschaft durch die Schulstrukturreform, die Wirksamkeit und Qualität der beiden Bildungseinrichtungen Kita und Schulen zu verbessern.

,Früher fördern' lautet die Kernaussage der Vorschläge, mit denen Senator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner die eingeleiteten Qualitätsmaßnahmen im Kitabereich inhaltlich ergänzt, um Sprachkompetenz zu stärken und damit Bildungschancen zu verbessern. Jedes Kind soll zwei Sprachtests vor Schuleintritt durchlaufen: den ersten - wie bisher - im Alter von vier Jahren, um Art und Umfang des Förderbedarfs festzustellen; den zweiten kurz vor Schulbeginn im Rahmen der Einschulungsuntersuchung. Hierfür muss der Sprachteil der Einschulungsuntersuchung weiter entwickelt werden, um aussagekräftigere Daten über die Sprachkompetenz der Kinder zu erhalten, die dann sowohl an die Kindertagesstätten rückgemeldet als auch an die Schulen vermittelt werden sollen.

 

Ist bei einem Kind Sprachförderbedarf festgestellt worden, soll zukünftig die dreistündige Förderung am Tag auf fünf Stunden im Rahmen eines verpflichtenden Kitabesuchs ausgedehnt werden. "Alle Kinder sollen diese Fördermöglichkeit erhalten", betonte Senator Zöllner. "Gerade auch die Kinder, die bislang nicht die Kita besuchten, müssen zur Teilnahme am Sprachtest aufgefordert werden, um sie bei Bedarf entsprechend fördern zu können." Als problematisch stellte sich in den vergangenen Jahren heraus, dass nicht alle Eltern der Einladung der Schulämter folgten. "Wir wollen und müssen jedoch alle Kinder erreichen, um unserem Bildungsauftrag gerecht zu werden. Daher ist es legitim, analog zur Schulpflicht über Sanktionsmaßnahmen bei nicht erfolgter Teilnahme an der Sprachprüfung nachzudenken", so Senator Zöllner.

 

Die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung prüft diesbezüglich auch, ob fundierte Sprachtestverfahren für Dreijährige zur Verfügung stehen. "Es ist anzustreben, die bisherige einjährige Förderzeit auszuweiten", so Senator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner. Eine frühere Überprüfung hätte zur Folge, dass bei festgestelltem Sprachförderbedarf der Kitabesuch eineinhalb bis zwei Jahre vor Schulbeginn verbindlich angeordnet werden könnte.

In den Berliner Kindertageseinrichtungen lassen die Erzieherinnen und Erzieher auf der Grundlage des Berliner Bildungsprogramms die Kinder ihre Umgebung erkunden und erforschen, Erfahrungen und Sinneseindrücke verarbeiten. Hierfür schafft die Kita Sprachanlässe in Spiel- und Alltagssituationen. Das ist für alle Kinder gleichermaßen wichtig - für deutsche Kinder und Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Dementsprechend positiv sind die Ergebnisse der Sprachstandsfeststellung bei Kindern, die bereits ab ihrem dritten Lebensjahr eine Kindertagesstätte besucht haben. Von Kindern, die zwei bis drei Jahre die Kita besuchten, hatten nur 6 % Sprachförderbedarf; von den Kindern, die länger als drei Jahre in der Kita waren, verringerte sich der Sprachförderbedarf auf 2,4 %. Bei den Kindern, die bislang keine Kita besuchten, lag der Förderbedarf hingegen bei 45 %. (Sprachstandsfeststellung 2010)

 

Sprachförderung setzt sich in der Grundschule fort. Das Land Berlin stellt insgesamt für die Sprachförderung in der Schule jährlich über 60 Mio. Euro zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund beabsichtigt die Senatsbildungsverwaltung in Absprache mit den Berliner Universitäten eine wissenschaftliche Expertise in Auftrag zu geben, die Auskunft über notwendige Eckpunkte einer erfolgversprechenden Sprachförderung in Kita und Schulen geben soll.

 

"Viele Schulen haben bereits Sprachförderkonzepte, die sehr unterschiedlich in ihren Inhalten, ihrer Ausgestaltung und Praxisanwendung sind. Ziel ist, dass alle Schulen mit 40 % oder mehr an lernmittelbefreiten oder nichtdeutschen Schülerinnen und Schülern ein Sprachförderkonzept erarbeiten und sicherstellen, dass Sprachfördermittel nicht an anderer Stelle eingesetzt werden", so Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner.

Die meisten Grundschulen haben sich erfolgreich auf den Weg gemacht, dass jahrgangsübergreifende Lernen (JüL) in der Schulanfangsphase einzuführen. Die Schulinspektionsberichte bestätigen, dass vielfach die Qualität im Unterrichtshandeln der Lehrkräfte durch JüL gestiegen ist, weil auf die individuellen Lernbedürfnisse der Kinder besser eingegangen wurde.

Wenn eine Grundschule die Schulanfangsphase nicht in der Regelform JüL mit seiner Zusatzausstattung umsetzen will, muss sie ein methodisch-didaktisches Konzept vorlegen, das neben einem Sprachförderkonzept deutlich macht, wie die Ziele des unterschiedlichen schnellen Durchlaufens und der Förderung von heterogenen Gruppen erreicht werden sollen.

Grundlage für die Vorschläge des Senators sind die Empfehlungen einer Expertenkommission aus internen und externen Fachkräften. Der Expertenbericht ist ab heute als pdf-Dokument auf der Homepage der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung unter unten angegebenem Hyperlink abrufbar.

An folgende E-Mailadresse können Vorschläge und Kommentare zu den Vorschlägen des Qualitätspakets gesendet werden: qualitaetspaket@DontReadMesenbwf.berlin.de

Quelle: Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin, Pressemitteilung vom 19.11.2010

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