Jugendsozialarbeit / Sozialforschung

Welches Image haben duale Ausbildungsberufe in Deutschland?

Eine junge Frau misst mit einer Schieblehre die Größe von einem Bolzen.
Bild: © Joe L - fotolia.com

Das gesellschaftliche Ansehen der 25 am stärksten besetzten dualen Ausbildungsberufe in Deutschland unterscheidet sich zum Teil deutlich. Einige Ausbildungsberufe werden beispielsweise ähnlich hoch angesehen wie Berufe, für die ein Hochschulstudium erforderlich ist. Dies zeigen erste Ergebnisse einer laufenden Studie zum Image von Berufen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) Braunschweig.

Nach der Studie werden einige duale Ausbildungsberufe im Ansehen ähnlich hoch eingeschätzt wie Berufe, für die in der Regel ein Hochschulstudium erforderlich ist. Ein geringes Ansehen zeigt sich dabei eher in Ausbildungsberufen, die auch hohe Anteile von unbesetzten Ausbildungsstellen aufweisen.

Hoch angesehen sind Fachinformatiker/-innrn und Mechatroniker/-innen

Besonders hoch angesehen sind den Ergebnissen zufolge die Ausbildungsberufe Fachinformatiker/-in und Mechatroniker/-in, gefolgt von Industriekaufleuten, Kfz-Mechatroniker/-innen, Elektroniker/-innen, Maler/-innen und Lackierer/-innen sowie Kaufleuten im Groß- und Außenhandel. Vergleichsweise weniger hoch angesehen sind Ausbildungsberufe wie Fachkraft für Lagerlogistik, Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk oder Koch/Köchin.

Image bedeutend für die Berufsorientierung und Berufswahl

Für BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser kommt dem Ansehen von Berufen in der Gesellschaft in mehrfacher Hinsicht eine hohe Relevanz zu. "Das Image von Berufen spielt eine entscheidende Rolle bei der Berufsorientierung und Berufswahl, und es beeinflusst Stellenbesetzungsprozesse am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, da Auszubildende und Erwerbstätige aufgrund ihres Berufes eine mehr oder weniger hohe soziale Anerkennung in der Gesellschaft erfahren. Wenn wir in Zukunft mehr Jugendliche vor allem für Berufe mit Besetzungsproblemen gewinnen wollen, müssen wir die Rahmenbedingungen dieser Berufe verbessern. Hierzu gehören neben guten Übernahmemöglichkeiten nach der Ausbildung in erster Linie sichere Beschäftigungsaussichten, gute Karriereperspektiven und ein angemessenes Einkommen."

Über die Studie

Der Studie liegt eine Befragung von rund 9.000 in Deutschland lebenden Personen ab 15 Jahre zugrunde, die im Zeitraum zwischen Oktober 2017 und Mai 2018 durchgeführt wurde. Darin wurden die Befragten gebeten, für eine Zufallsauswahl unter 402 Berufen auf einer Skala von 0 (sehr gering) bis 10 (sehr hoch) anzugeben, welches Ansehen diese Berufe ihrer Meinung nach in Deutschland haben. Die Studie ist Teil des noch laufenden BIBB-Forschungsprojekts "Berufe in Deutschland: Gesellschaftliche Wahrnehmung und Persönlichkeitseigenschaften".

Das BIBB wird in seinen weiteren Forschungsarbeiten innerhalb des noch laufenden Projekts untersuchen, welche Faktoren überhaupt dazu führen, dass Berufe von der Bevölkerung höher oder weniger hoch angesehen werden. Von Interesse wird es dabei sein, welche Rolle das Alter, das Geschlecht oder der Bildungsabschluss der Befragten bei der Beurteilung des Ansehens von Berufen spielen. Aber auch Attraktivitäts- beziehungsweise Statusdimensionen von Berufen, wie zum Beispiel die Höhe des Einkommens, die Arbeitsplatzbelastungen und die Arbeitsplatzsicherheit sowie die Vereinbarkeit des Berufs mit Familie und Privatleben, werden Berücksichtigung finden.

Weiterführende Informationen

Erste Projektergebnisse sind veröffentlicht in der neuen Ausgabe der BIBB-Fachzeitschrift "Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis - BWP", Heft 4/2019, die Anfang August erscheinen wird. Der Beitrag "Deutliche Unterschiede im Ansehen dualer Ausbildungsberufe in Deutschland" steht als Vorabveröffentlichung online zum Download zur Verfügung.

Die methodische Vorgehensweise, die deskriptiven Ergebnisse sowie die Güte der Messung sind beschrieben in einem BIBB-Preprint mit dem Titel "Berufliches Ansehen in Deutschland für die Klassifikation der Berufe 2010".

Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) vom 29.07.2019

Info-Pool