Jugendsozialarbeit / Sozialpolitik

Niemand soll verloren gehen – Sechs Jahre Jugendberufsagentur in Hamburg

Bauklötze bilden eine Brücke
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Schule vorbei – und wie geht es weiter? An diesem Übergang entscheidet sich für viele junge Menschen ihr weiterer Weg in Ausbildung und Beschäftigung. Zuständig für Beratung und Förderung sind verschiedene Akteure. Seit 2012 bündelt daher die Jugendberufsagentur Hamburg alle öffentlichen Anstrengungen. Eine Evaluation bestätigt die Erfolge und gibt Hinweise für Weiterentwicklungen.

Die Jugendberufsagentur Hamburg berät und unterstützt junge Menschen bis 25 in allen sieben Bezirken dabei, den passenden Beruf oder das geeignete Studium zu finden. Das Ziel ist klar: „Niemand soll verloren gehen – denn jede/r wird gebraucht“. Unter einem Dach stimmen die Agentur für Arbeit Hamburg, Jobcenter team.arbeit.hamburg, das Hamburger Institut für Berufliche Bildung als Landesbetrieb der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) und die Bezirksämter zusammen mit der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) die Gesamtheit ihrer unterschiedlichen Beratungs- und Förderleistungen und ihr Vorgehen miteinander ab. Durch diese Kooperation konnte sichergestellt werden, dass alle Jugendlichen in Hamburg ein Angebot und eine Chance auf berufliche Ausbildung und Beschäftigung erhalten. Hamburg ist damit bundesweit Vorreiter der Jugendberufsagenturen.

Evaluation der Jugendberufsagentur

Die zusammengeschlossenen Akteure hatten eine Evaluation der Jugendberufsagentur beauftragt. Dabei stand die Frage der rechtskreisübergreifenden Zusammenarbeit im Mittelpunkt. Inzwischen liegt der Bericht vor.

Die Erfolge der JBA sind klar erkennbar:

  • Es ist gelungen, die Transparenz über den Verbleib der Jugendlichen nach Verlassen der allgemeinbildenden Schulen wesentlich zu erhöhen. Vor Einrichtung der JBA war von einem erheblichen Teil der Abschlussjahrgänge der Verbleib unklar (1.185 Jugendliche in 2011). Seit mehreren Jahren sind durchschnittlich weniger als 20 Jugendlichen mit ungeklärtem Verbleib.
  • Der direkte Übergang von der Schule in Ausbildung hat sich von 25,2 Prozent im Jahr 2012 auf 39,4 Prozent in 2017 verbessert.
  • Lücken in der Angebotsstruktur wurden geschlossen und Doppelungen in den Förderungen durch verschiedene Partner beendet, um die Jugendlichen effektiv und effizient zu fördern.

Der Bericht gibt aber auch Empfehlungen, deren Umsetzungsmöglichkeiten von den Partnern geprüft werden:

  • Die Ressourcen zur schulischen Berufsorientierung sollen stärker gebündelt und zukünftig an einer zentralen Stelle zusammengeführt werden.
  • Die Ansprache junger Menschen mit komplexen Problemlagen soll rechtskreisübergreifend abgestimmt und die bezirkliche Jugendhilfe stärker einbezogen werden.
  • Die Beratungsfachkräfte vor Ort sollen stärker in die Maßnahmenplanung einbezogen werden.
  • Ein empfohlener rechtskreisübergreifender Datenaustausch scheitert momentan noch an den datenschutzrechtlichen Bestimmungen.

Die Partner haben bereits damit begonnen, das bisherige Controlling zu einem umfassenden, gemeinsamen Ansatz weiterzuentwickeln.

Niemand soll verloren gehen

„Niemand soll verloren gehen, und alle werden gebraucht! – Diese zur Gründung der JBA formulierte Ziele verfolgen wir weiter!“, sind sich Arbeitssenatorin Dr. Melanie Leonhard, Ties Rabe, Senator für Schule und Berufsbildung, Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamburg, Dirk Heyden, Geschäftsführer des Hamburger Jobcenters und Yvonne Nische, kommissarische Leiterin des Bezirksamtes Hamburg-Nord, einig.

Ties Rabe, Senator für Schule und Berufsbildung erklärte: „Die Evaluation unserer Arbeit zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg. Immer mehr Jugendlichen gelingt der direkte Übergang von der Schule in den Beruf. Dennoch wollen wir unsere Maßnahmen stetig weiterentwickeln: Junge Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen sollen noch besser erreicht werden. Die Teams der Berufs- und Studienorientierung müssen sich noch stärker miteinander vernetzen. So wird die Arbeit der Jugendberufsagentur erfolgreich bleiben.“

40% schaffen einen direkten Übergang in die Ausbildung

Katja Karger, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Hamburg lobt die bisherige aktive Einbindung in die Vorhaben der JBA von Anfang an: „Die Jugendberufsagentur leistet ohne Frage eine erfolgreiche Arbeit. Es ist absolut positiv, wenn innerhalb von sechs Jahren die Zahl der Jugendlichen, die den direkten Übergang von Schule in Ausbildung schaffen, auf vierzig Prozent gesteigert werden konnte. Das ist auch ein Resultat aus der aufsuchenden Begleitung bei der Berufswahl, die ausgebaut werden sollte. Dafür muss mehr Personal eingestellt werden. Trotz der guten Ergebnisse der JBA stagniert allerdings die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge – und dies bei einer steigenden Zahl unbesetzter Plätze. Dafür müssen die Gründe gesucht werden und kritisch hinterfragt werden, welchen Beitrag die Wirtschaftsseite leisten müsste.“

Junge Menschen haben Wahlfreiheit

Dr. Heike Maschke, Stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer betont die Notwendigkeit der weiteren Verbesserung einer gelungenen Berufsorientierung: „Über alles betrachtet sehen wir eine starke Erhöhung des Anteils zukünftiger Studierender im Verhältnis zum Anteil von Auszubildenden. Allerdings liegt die endgültige Abbruchquote von Hochschülerinnen und Hochschülern deutlich über der Abbruchquote in der dualen Ausbildung. Natürlich haben die jungen Menschen Wahlfreiheit. Doch es ist auch eine Aufgabe der JBA, auf dieses Verhältnis hinzuweisen.“

Unterstützungssystem für Ausbildungsbetriebe

Christi Degen, Hauptgeschäftsführerin der Handelskammer sagte: „Es ist richtig, für eine Weiterentwicklung einer hohen, über alle allgemeinbildenden Schulen einheitliche Qualität der Berufsorientierung Sorge zu tragen. Darüber hinaus erkennen wir die Förderung der Inklusion in der dualen Berufsausbildung als weiter zu bearbeitendes Anliegen. Es ist zwingend notwendig, ein engmaschiges und unbürokratisches Unterstützungssystem auch für Ausbildungsbetriebe vorzusehen. Vor allem kleine und mittlere Betriebe benötigen verlässliche Unterstützung und Ansprechpartner bei der Ausbildung von inklusiven Jugendlichen.“

Aufsuchende Beratung fortsetzen

UVNord-Hauptgeschäftsführer Michael Thomas Fröhlich ergänzte: „Auch in Zukunft gilt: Niemand darf verloren gehen! Die letzten 6 Jahre JBA waren erfolgreich und bilden heute bundesweit anerkannt ein erfolgreiches System zur Aufnahme von Ausbildung und Arbeit. Die JBA muss auch künftig konsequent fortgesetzt werden. Und wenn sie weiterhin ernstgenommen werden will, muss auch die aufsuchende Beratung fortgesetzt werden. Unsere Betriebe haben die Werkstore auch für Schwächere und Geringqualifizierte geöffnet.“

Hintergrund zur Evaluation

Die Evaluatoren beobachteten im Rahmen einer Prozessanalyse in den Jahren 2017 und 2018 gemeinschaftliche Prozesse der Partner, die man als Kernfunktionen der JBA bezeichnen kann. Sie befragten – online und persönlich – insgesamt 868 Personen, sowohl Kundinnen und Kunden der JBA als auch die Beratungskräfte von Jobcenter, Agentur und der Jugendhilfe an den Standorten, schließlich die Beratungskräfte des HIBB und Berufsorientierung vermittelnde Lehrkräfte der Stadtteilschulen. Fallstudien sowie das Votum der betreuten Ausbildungsbetriebe rundeten das Bild ab.

Geplante Weiterentwicklungen

Die JBA wird sich den selbst gesetzten Zielen zur Weiterentwicklung in 2019 und 2020 annehmen, u.a.

  • der weitere Ausbau der Berufsorientierung und der aufsuchenden Beratung,
  • gut ausgestattete Eingangszonen in den sieben bezirklichen Standorten,
  • die Weiterentwicklung eines Controllings, das Aufschluss über die Ergebnisse der JBA ermöglicht,
  • die Weiterentwicklung des Selbstverständnisses der Gremien der JBA auf allen Ebenen und das stärkere Aufgreifen der Erkenntnisse der operativen Ebene und
  • die fortgesetzte Stärkung des JBA-team-spirit als einer Einheit aller fünf Partner.

Quelle: Hamburger Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration vom 16.01.2019

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