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Jugendsozialarbeit

Katholische Jugendsozialarbeit NRW stößt jugendpolitische Debatte an

Die Landesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit Nordrhein-Westfalen (LAG KJS NRW) hat erstmalig ein innovatives Konzept zur Förderung junger Menschen vorgestellt, bei dem von den spezifischen Lebenslagen wie etwa Bildung, Arbeit, Einkommen, Wohnen und gesellschaftliche Teilhabe ausgegangen wird.

Die Publikation „Auf dem Weg zum Jugendintegrationskonzept“, die u.a. die aktuelle Diskussion um Hartz IV zu versachlichen sucht, enthält konkrete Vorschläge für die Politik und die Träger der Jugendsozialarbeit.

Staatssekretärin Dr. Marion Gierden-Jülich vom zuständigen Jugendministerium begrüßte, dass die LAG KJS NRW mit ihrem Konzept eine kritische und umfassende Darstellung und Bewertung des bestehenden Sozialsystems geleistet und sich in die Diskussion um die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung kompetent eingebracht habe. Sie unterstützte die Forderung, dass die Integration eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei. Die Politik in NRW trage bereits mit einer Vielzahl von Maßnahmen Sorge, dass benachteiligte junge Menschen Unterstützung im Übergang in Ausbildung und Beruf erhielten. 

Prälat Dr. Karl-Heinz Vogt vom Katholischen Büro NW bekräftigte das Engagement der katholischen Kirche in Nordrhein-Westfalen, sich weiterhin anwaltschaftlich für die Belange benachteiligter junger Menschen einzusetzen. In diesem Zusammenhang unterstütze sie auch die Gesamtidee der vorgestellten Publikation und deren Forderungen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu bündeln, Schnittstellen klar zu definieren und Kooperation verbindlicher zu gestalten.

Dr. Ulrich Thien, Vorstand der LAG KJS NRW, knüpfte bei der Vorstellung der Publikation an die aktuelle Diskussion im Zuge des Bundesverfassungsgerichtsurteils zu den ALG II-Regelsätzen an und kritisierte scharf den Trend einiger Politiker, soziale Probleme zu individualisieren und Betroffene zu diffamieren. Es gehe vielmehr darum, gemeinsam die Rahmenbedingungen zu verändern. Thien bemängelt, dass bestehende Programme und Angebote immer nur ausgewählte Probleme und Zielgruppen in den Blick nehmen und dadurch eine ganzheitliche Betrachtung der Lebenslagen benachteiligter junger Menschen verhindert werde.

Christine Müller, Referentin der LAG KJS NRW, verwies auf die unterschiedliche Definitionen von "Jugend" bspw. in der Jugendhilfe und Arbeitsmarktpolitik und forderte eine realitätsnahe Ausrichtung der Angebote für Jugendliche und junge Menschen.

Oliver Vogt, Vorstandsvorsitzender der LAG KJS NRW, erinnerte an die gesellschaftliche Verantwortung von Kirche für die Unterstützung benachteiligter junger Menschen. Er forderte darüber hinaus, einen öffentlichen Diskurs über die Lebenslagen junger Menschen als einen eigenständigen, kohärenten und ressortübergreifenden Ansatz von Jugendpolitik zu führen.

In der Podiumsdiskussion plädierten Verbandsexperten und Jugendpolitiker der im Landtag von NRW vertretenen Parteien für eine verstärkte Kooperation der Jugendsozialarbeit mit Schule, ARGEn, Jugendhilfe und weiteren Angeboten der sozialen Arbeit.

Die Vertreterinnen von CDU, SPD und Grünen im NRW betonten, sie stünden auf der Seite der Benachteiligten, und bedauerten, dass das Thema Kooperation, das seit Jahren diskutiert werde, immer noch nicht gelöst sei. Andrea Asch von Bündnis 90/Grüne wies darauf hin, dass in der Landespolitik in den letzten Jahren die jugendpolitische Debatte von der schulpolitischen abgelöst worden sei. Die jugendpolitische Sprecherin der CDU, Marie-Theres Kastner, erläuterte die Bedeutung der frühen Förderung von Kindern. Gerade im Bereich der benachteiligten Jugendlichen spiele Bildung die zentrale Rolle. Daher sei es wichtig, Eltern in ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag zu stärken und möglichst früh mit Hilfen anzusetzen. Britta Altenkamp von der SPD-Landtagsfraktion betonte, die Hilfen müssten sich stärker an den Lebenslagen der Jugendlichen orientieren. Sibylle Klings von der Katholischen Mädchen- und Frauensoziarbeit Köln kritisierte, dass die Jugendsozialarbeit in der Vergangenheit Verantwortlichkeiten etwa an die Schulen oder die Argen abgetreten habe und teilweise nur noch als Anbieter von Einzelmodulen bspw. in der Berufsorientierung an Schulen fungierte. Hier habe die Jugendsozialarbeit nicht die Möglichkeiten, ihrem Selbstverständnis entsprechend junge Menschen mit einem ganzheitlichen Ansatz zu fördern. Stefan Ewers von der LAG KJS NRW wies darauf hin, dass Politik oft nur die selbst geförderten Programme im Blick habe und viele andere Angebote, die über andere Kostenträger gefördert werden, übersehe. Im Blick auf den 9. Kinder- und Jugendbericht des Landes NRW verweise er hier bspw. auf die wichtige Arbeit der Jugendmigrationsdienste oder das Jugendwohnen.

Der Integrationsbeauftragte NRW, Thomas Kufen, lud die Jugendsozialarbeit ein, gemeinsam mit weiteren Akteuren der Integrationsarbeit, die Angebote für junge Menschen mit Migrationshintergrund weiterzuentwickeln und sich für deren gleichberechtigte Teilhabe einzusetzen.

Dieter Göbel vom Landschaftsverband Rheinland begrüßte, dass mit der Publikation eine neue jugendpolitische Debatte angestoßen und ein wichtiger Beitrag zur Theorie der Sozialen Arbeit geleistet werde. Allerdings sehe er angesichts der schwierigen Haushaltssituationen der Kommunen Schwierigkeiten bei einer Umsetzung des Konzepts. 

Quelle: Katholische Jugendsozialarbeit Nordrhein-Westfalen (LAG KJS NRW) 

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