Jugendsozialarbeit / Flucht und Migration

Junge Menschen angemessen fördern heißt Vielfalt wertschätzen

Unterstützung und Anerkennung junger Menschen mit Migrationshintergrund müssen verbessert werden

Berlin, 17. Dezember 2010. Integration verläuft insgesamt zwar besser als ihr Ruf - sie erfordert jedoch ein dauerhaftes Engagement seitens der Politik und aller gesellschaftlichen Akteure. Anlässlich des „Internationalen Tages der Migrant/innen“ am 18. Dezember zieht der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit eine gemischte Bilanz: „Wir wollen angesichts der kontroversen, teilweise diskriminierenden öffentlichen Debatten auf eine der Kernfragen hinweisen, die die jungen Menschen wie auch die Fachkräfte in unseren Einrichtungen beschäftigt“, so Walter Würfel, Sprecher des Kooperationsverbundes Jugendsozialarbeit. „Wie kann Integration tatsächlich gelingen und welche Rückschlüsse muss die Integrationspolitik daraus ziehen? Aus unserer Sicht sind ein erfolgreicher Schulabschluss und eine Ausbildung die entscheidenden Faktoren für umfassende Teilhabe - hier sind Jugendliche mit Migrationshintergrund weiterhin klar im Nachteil.“ 

Einerseits bestätigen aktuelle Forschungen, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund ihre Leistungen in der Schule seit Jahrzehnten verbessern und im Bereich der Bildungsabschlüsse aufholen. Dennoch sind Unterschiede erkennbar, die sich über die Jahre verfestigt haben: Ihr Anteil in den Hauptschulen ist gleich bleibend höher als der von Jugendlichen ohne Migrationshintergrund, während sie an den Gymnasien weiterhin unterrepräsentiert sind. Die Ausbildungsquote von ausländischen Jugendlichen ist in den letzten zehn Jahren sogar weiter gefallen. Kinder mit Migrationshintergrund leben häufiger in prekären sozialen Lagen. Wie stark die soziale Herkunft die Bildungswege junger Menschen beeinflusst, bestätigt auch die neueste PISA-Studie. „Diese Unterschiede dürfen nicht wegdiskutiert werden“, fordert Walter Würfel. „Wir sprechen uns für eine individuelle Förderung aller Kinder und Jugendlichen im Bildungs- und Ausbildungssystem aus, die Vielfalt verstärkt statt verhindert.“ Der Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit begrüßt daher die aktuelle Initiative für einen Nationalen Aktionsplan Integration (NAPI) und wird sich wieder aktiv für Lösungen stark machen, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund und ihren Familien langfristig Teilhabe- und Mitbestimmungschancen eröffnen.

Mit den Integrationskursen für Jugendliche und Erwachsene sowie den Jugendmigrationsdiensten (JMD) gehören die Organisationen der Jugendsozialarbeit bereits jetzt zu den wichtigsten Anbietern von bundesgeförderten Integrationsangeboten für junge Menschen: Jedes Jahr begleiten die JMD an über 400 Standorten bundesweit rund 60.000 Jugendliche mit Migrationshintergrund in Fragen der sprachlichen, schulischen, beruflichen und gesellschaftlichen Integration. Auch in anderen Angeboten der Jugendsozialarbeit, in Zusammenarbeit mit Schulsozialarbeiter/innen und in Maßnahmen und Projekten der Jugendberufshilfe werden diese Jugendlichen an den Bildungsübergängen erreicht und unterstützt. So haben unter den Jugendlichen, die eine Kompetenzagentur oder eine Koordinierungsstelle für Schulverweigerung aufsuchen, über 40% einen Migrationshintergrund. Diese Angebote leisten einen notwendigen Beitrag, um die weiterhin hohe Abhängigkeit des Schul- und Ausbildungserfolges von der sozialen und ethnischen Herkunft aufzubrechen. Im Bereich der sprachlichen Integration fordern die Träger seit Jahren die konsequente Förderung von Mehrsprachigkeit in Schule und Ausbildung sowie den Ausbau und die Optimierung der Jugendintegrationskurse gemäß Zuwanderungsgesetz. Doch auch im vergangenen Jahr machten die Jugendintegrationskurse nur 1,1% aller Integrationskurse aus, denn die Förderbedingungen und die Ausstattung der Kurse machen es den Trägern fast unmöglich, altersgerechte Kurse anzubieten.  

„Unsere Erfahrungen zeigen, dass Jugendsozialarbeit wirkt, wenn individuellen Förderbedarfen in Sprache, Schule und Ausbildung zeitnah, unbürokratisch und zugewandt begegnet wird“, erläutert Walter Würfel. „Eine gesicherte materielle Ausstattung und längeres gemeinsames Lernen betrachten wir als Grundvoraussetzung. Jugendliche müssen in ihrer Vielfalt an Meinungen, Weltanschauungen, Sprachen und Begabungen anerkannt und gefördert werden. Wir brauchen eine Politik und ein Klima der Anerkennung, damit sich junge Menschen, die in Deutschland zu Hause sind, auch so fühlen.“

Mehr Infos unter: http://www.jugendsozialarbeit.de/presse

Herausgeber: Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit

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