Jugendsozialarbeit / Jugendforschung

Hessen: Weniger Verurteilungen, weniger Jugendkriminalität in 2012

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Ein erfreulicher Trend setze sich fort, eröffnete der Hessische Minister der Justiz, für Integration und Europa und stellvertretende Ministerpräsident, Jörg-Uwe Hahn, die Pressekonferenz zur Vorstellung der Strafverfolgungsstatistik 2012.

Der Minister stellte am Dienstag, 11. Juni 2013, in Wiesbaden die Strafverfolgungsstatistik 2012 vor. „Aus der Strafverfolgungsstatistik lassen sich die Entscheidungen der Strafgerichte ablesen, also ob und wegen welcher Delikte verurteilt wurde, ob ein Freispruch erfolgte oder ob das Verfahren eingestellt wurde“, so Hahn. „Die Strafverfolgungsstatistik ist von der polizeilichen Kriminalstatistik zu unterscheiden. Letztere enthält vorläufige Bewertungen möglicherweise verwirklichter Straftatbestände. Dagegen dokumentiert die Strafverfolgungsstatistik die rechtskräftigen Feststellungen der Gerichte. Sie allein entscheiden, ob ein Handeln strafbar war oder nicht. Innerhalb der Gewaltenteilung des Rechtsstaates gibt diese Statistik die Entscheidungen der unabhängigen dritten Gewalt wieder.“

Verurteilungen jugendlicher Täter

„Vor allem im Bereich der Verurteilungen jugendlicher und heranwachsender Täter gibt es Positives zu berichten: Während sich bei dieser Gruppe die Zahl der nach allgemeinem Strafrecht Verurteilten geringfügig um 0,5 Prozent erhöht hat, ist die Zahl der nach Jugendstrafrecht verurteilten Täter deutlich gesunken, und zwar um beträchtliche 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit hat sich die schon im Vorjahr erkennbare Entwicklung weiter fortgesetzt – bereits im Jahr 2011 war die Zahl der nach Jugendstrafrecht Verurteilten um 7,5 Prozent gesunken“, erläuterte Justizminister Jörg-Uwe Hahn.

Dabei ist die Zahl der nach Jugendstrafrecht verurteilten Heranwachsenden (zwischen 18 und 21 Jahren) im Vergleich zum Vorjahr beträchtlich von 3.634 auf 3.402 und damit um 6,4 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig sank die Anzahl der jugendlichen Verurteilten (zwischen 14 und 18 Jahren) aber noch stärker, nämlich von 3.420 auf 3.116 und damit um 8,9 Prozent  im Vergleich zum Vorjahr. „Gerade innerhalb der jüngsten Gruppe der strafmündigen Täter mussten also wesentlich weniger Verurteilungen als im Vorjahr ausgesprochen werden“, so Justizminister Jörg-Uwe Hahn.

Er zeigte sich angesichts dieser Zahlen überzeugt, dass Hessen bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität auf einem guten Weg sei. „Die Bekämpfung der Jugendkriminalität durch eine schnelle und konsequente Strafverfolgung bleibt für mich daher weiterhin ein wichtiges Anliegen. Den jungen Tätern muss zeitnah klar gemacht werden, was erlaubt und nicht erlaubt, oder was gut und böse ist. Dabei hat sich etwa das Konzept des ‚Haus des Jugendrechts‘ hervorragend bewährt. Hier arbeiten erfolgreich Polizei, Staatsanwaltschaft und (städtische) Jugendsozialarbeit unter einem Dach. Deshalb ist neben den Häusern des Jugendrechts in Frankfurt-Höchst und in Wiesbaden ein drittes Haus des Jugendrechts für den Frankfurter Norden in Planung.“

Rückgang in einzelnen Deliktsgruppen

Betrachtet man die Verurteilungen nach Jugendstrafrecht in Bezug auf einzelne Deliktsgruppen, wird auch dabei der signifikante Rückgang der Verurteiltenzahlen bei Jugendlichen und Heranwachsenden deutlich. Straftaten im Straßenverkehr gingen um 13,5 Prozent von 929 auf 804 Verurteilungen zurück. Statt 1.915 Verurteilungen wegen Diebstahl und Unterschlagung gab es nur noch 1.749 (- 8,7 Prozent). Bei den Betrugs- und sonstigen Vermögens-, Eigentums- sowie Urkundendelikten wurden 1.018 statt 1.141 registriert (- 10,8 Prozent). Die Zahl der Verurteilungen wegen Straftaten gegen die Person ist um deutliche 5,9 Prozent rückläufig (1.739 statt 1.849 im Jahr 2011). Verurteilungen wegen Raub und Erpressung gab es hingegen in 465 Fällen (425 Fälle 2011). Sexualstraftaten wurden 57 Mal (2011: 65 Mal) nach Jugendstrafrecht verurteilt.

Hintergrundinformation

Die Zahlen der Strafverfolgungsstatistik 2012 für Hessen werden in einem Bericht des Hessischen Statistischen Landesamts mit dem Titel „Rechtskräftig abgeurteilte und verurteilte Personen in Hessen 2012“ veröffentlicht. Dieser Bericht wird auch im Internet unter http://www.statistik-hessen.de/Publikationen, dort in der Rubrik „Fachstatistische Veröffentlichungen“ unter „Rechtspflege“ zur Verfügung gestellt werden.

Quelle: Hessisches Ministerium der Justiz, für Integration und Europa vom 11.06.2013

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