Jugendsozialarbeit

Hauptschule abschaffen? - Eine sinnvolle Antwort auf die Anforderungen an das deutsche Bildungssystem?

Nach Bekanntgabe der Ergebnisse aus der neusten PISA-Studie sind Deutschlands Bildungspolitikerinnen und -politiker erleichtert. Denn die Ergebnisse sind nicht so verheerend wie in den vergangenen Tests.

Die aktuelle Studie bescheinigt den deutschen Schülerinnen und Schülern eine verbesserte Lesekompetenz sowie eine allgemein positive Entwicklung. Allerdings, und das ist der Haken an der Sache, liegt Deutschland im internationalen Vergleich auch jetzt noch sehr weit hinter der Spitze und ist nur Durchschnitt. Zudem verlassen auch heute noch zu viele Schüler die Schule, ohne wirklich lesen und rechnen zu können. Und Deutschland ist nach wie vor Spitzenreiter, wenn es um die soziale Auslese geht. In keinem anderen Land hat die soziale Herkunft einen so großen Einfluss auf den Schulerfolg.

Die BAG EJSA nimmt die Veröffentlichung der neusten Pisa-Ergebnisse zum Anlass, das Augenmerk auf die Hauptschule und deren allmählich voranschreitenden Auflösungsprozess zu richten. Denn die Hauptschule als ein Teil des dreigliedrigen Schulsystems in Deutschland befindet sich nicht erst seit PISA in der Kritik. Seit Jahren liegt die Zahl der Schüler und Schülerinnen, die die Hauptschule ohne Abschluss verlassen, in allen Bundesländern zwischen 7% und 9%. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sind dort überproportional häufig anzutreffen.

Der scheinbar folgerichtige und nahe liegende Reflex lautet: Abschaffung der Hauptschule!

Mit der Abschaffung der Hauptschule verschwinden jedoch nicht die Hauptschüler und Hauptschülerinnen. Auch bleibt der Hauptschulabschluss in einer anderen Schulform für diese Schüler und Schülerinnen trotzdem die Regel. Eine Neuprofilierung und Steigerung der Attraktivität der Hauptschule oder eine inhaltliche Gesamtreform des Schulwesens, die sich ganz von überkommenen Bildungswegen und ihren Begrifflichkeiten löst, sind ebenfalls denkbare Antworten.

Die BAG EJSA hat eine Einschätzung zum Entwicklungsbedarf der Schulen formuliert und stellt diese nun in der Positionierung „Die Hauptschule verschwindet - Die Hauptschüler und Hauptschülerinnen bleiben“ vor. Sie wendet sich damit an die Fachöffentlichkeit und die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in der Bildungspolitik und will darauf aufmerksam machen, dass für diese jungen Menschen ein sinnvoller Ort des Lernens im Bildungssystem geschaffen werden muss.

Das Positionspapier kann auf der Homepage der BAG EJSA unter http://www.bagejsa.de/handlungsfelder/jugendsozialarbeit-und-schule/aktuelle-infos/ abgerufen werden.

Herausgeber: Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V.

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