Jugendsozialarbeit / Digitalisierung und Medien

Hass abbauen: Primus-Preis für Thüringer Online-Training

Junger Mensch mit Köpfhörern schaut auf Laptop-Bildschirm auf dem das Wort Internet steht
Bild: rawpixel.com

Im Mai 2018 zeichnet die Stiftung Bildung und Gesellschaft das Modellprojekt OHA des Jenaer Jugendhilfevereins Drudel 11 aus. Die Ziel ist, dass insbesondere rechtsextreme junge Menschen sich per E-Learning mit ihrer eigenen Gewaltbereitschaft auseinandersetzen.

Wenn es immer wieder heißt, Jugendliche hätten sich im Internet radikalisiert – dann müsste man digitale Medien doch genauso nutzen können, um Hass und Gewalt abzubauen? Das ist die Idee hinter dem interaktiven Kurs OHA Online Hass Abbauen, der sich zurzeit in der Entwicklungsphase befindet.

Virtuelles Training zum Abbau von Hass und Gewalt

Das Training soll zunächst einmal in der Justiz eingesetzt werden, erklärt Sebastian Jende, Vorstandsvorsitzender von Drudel 11 e.V. Es soll im Thüringer Jugendarrest und Strafvollzug sowie in der Bewährungs- oder Jugendgerichtshilfe getestet und dann eingeführt werden. In einem zweiten Schritt soll es dann im Internet allgemein verfügbar sein. Der von der Stiftung Bildung und Gesellschaft mit 1.000 Euro dotierte Primus-Preis würdigt den innovativen Ansatz, der die schwierige Zielgruppe radikalisierter Straftäter dazu befähigen soll, ihre Aggressivität zu hinterfragen.

Die Teilnehmer des Trainings spielen am Schirm typische Situationen durch, um dahinter zu steigen, wie sich zum Beispiel ein Streit hochschaukelt. Für viele unserer Übungen produzieren wir eigene Medieninhalte, zum Beispiel Videosequenzen oder Audiobeiträge, berichtet OHA-Projektleiter Daniel Speer. Wer Handlungsmuster und Gruppendynamik versteht, hat schon einmal die Voraussetzung, die Spirale aus Hass und Gewalt zu durchbrechen. Das Programm führt auch vor Augen, welche womöglich bleibenden Schäden Verletzungen haben, die man anderen zufügt.

Es hat sich herausgestellt, dass Teilnehmer im Jugendarrest mitunter über digitale Medien leichter zu erreichen sind als etwa über Gruppenarbeit. Die Jugendlichen durchlaufen den Kurs zunächst eigenständig, sollen aber auf einer Online-Plattform vom Projektteam pädagogisch begleitet werden. Die vom Bundesfamilienministerium und vom Thüringer Bildungsministerium geförderte Modellphase läuft noch bis Ende 2019.

Gegen Hass und Gewalt mit Mitteln des E-Learnings anzugehen, ist ein spannender pädagogischer Ansatz, meint Birgit Ossenkopf, stellvertretende Geschäftsführerin der Stiftung Bildung und Gesellschaft. Virtuelle Lernumgebungen können nicht nur bei der Vermittlung von Lehrstoff nützlich sein, sondern auch Änderungen im sozialen Verhalten bewirken.

Weitere Informationen sind auf dem Blog zum Projekt Online Hass Abbauen zu finden.

Über den Primus-Preis

Der Primus-Preis wird jeden Monat an ein kleines, vorbildhaftes Projekt vergeben. Die Stiftung Bildung und Gesellschaft will damit Initiativen fördern, die ein konkretes Problem in der Kita oder in der Schule vor Ort aufgreifen und lösen wollen. Wichtig ist, dass die Projekte auf alle Regionen übertragbar sind und nicht parallel agieren, sondern an das staatliche Bildungssystem andocken. Lokale Akteure – wie Arbeitsagenturen oder Schulämter, aber auch Unternehmen sowie kulturelle Einrichtungen – sollten einbezogen sein. Zusätzlich schreibt die Stiftung Bildung und Gesellschaft den Sonder-Primus Digital aus, um zivilgesellschaftliche Initiativen zu würdigen, die Kinder und Jugendliche auf das Leben in einer digitalen Welt vorbereiten. Aus allen von Januar bis Dezember ausgezeichneten Projekten wird der Primus des Jahres gewählt und mit 5.000 Euro Preisgeld prämiert.

Quelle: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V. vom 15.05.2018

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