Jugendsozialarbeit

GEW: Start des neuen Schuljahres in Thüringen mit zu wenig Neueinstellungen und ohne Ausbau der Schulsozialarbeit

Mit dem Schuljahr 2012/13 begann am 3. September 2012 für rund 16.700 Mädchen und Jungen ein neuer Lebensabschnitt. Aber auch rund 400 Lehramtsanwärter/innen starteten in die zweite Phase ihrer Ausbildung.

Die GEW Thüringen wünscht ihnen und selbstverständlich auch den Lehrerinnen und Lehrern, den Erzieherinnen und Erziehern und den sonderpädagogischen Fachkräften einen guten Start in einen spannenden und erfolgreichen Schulalltag.     
    
„Wir begrüßen die Neueinstellung von 350 Pädagoginnen und Pädagogen im Thüringer Schuldienst. Gleichwohl ist dies nur ein Tropfen auf heißem Stein“, meint Torsten Wolf, Vorsitzender der Thüringer Bildungsgewerkschaft GEW. „Der Altersdurchschnitt von über 50 Jahren wird durch die nun realisierten Neueinstellungen nicht wesentlich beeinflusst. Nur eine langfristige Personalentwicklung, welche die Probleme an den Schulen und nicht die des Finanzministers in den Mittelpunkt stellt, wird die personelle Situation an den Schulen dauerhaft verbessern.“

Minister Matschie erklärt, dass mit 350 Neueinstellungen erstmals mehr Stellen besetzt werden als durch die 320 frei werdende Stellen durch Ruhestand entstehen. Nach Angaben der Thüringer Schulstatistik waren im letzten Schuljahr 19.951 Lehrer/innen beschäftigt, im kommenden Schuljahr werden es nur noch rund 18.470 Lehrer/innen sein. „Ganz offensichtlich ist dies ein Personalabbau zu Lasten der Kolleginnen und Kollegen und vor allem zu Lasten der Kinder und Jugendlichen in den Schulen“, kritisiert Wolf. „Wir sehen uns in unserer Analyse bestätigt, dass Thüringen nicht jede altersbedingt frei werdende Stelle besetzt.“

Nach eigenen Berechnungen hat die GEW Thüringen für das Schuljahr 2012/13 einen Ersatzbedarf von 521 Stellen ermittelt. Zuzüglich einer Vertretungsreserve für krankheitsbedingte Ausfälle und einer personellen Untersetzung der Inklusionsanforderung liegt der errechnete Einstellungsbedarf bei 921 VZB. „In den kommenden Jahren müssen wir die Altersabgänge in den Schulen meistern. Da zählt schon jetzt jede neu geschaffene Stelle“, so Wolf.

Beispiel Brandenburg

Insbesondere die Umsetzung der individuellen Förderung und des Gemeinsamen Unterrichts benötigt dringend eine angemessene personelle Ausstattung. „Thüringen sollte sich ein Beispiel an Brandenburg nehmen“, fordert Torsten Wolf die Landesregierung auf. „Dort werden 100 Stellen zusätzlich für das Pilotprojekt ‚Inklusive Grundschule’ geschaffen. Eine Personalreserve, die auch Thüringen für die Herausforderungen inklusiver Schulbildung benötigt.“

Die GEW Thüringen ist derzeit mit vielen Junglehrer/innen im Gespräch, die händeringend um eine Einstellungsmöglichkeit in den Thüringer Schuldienst kämpfen. Wir werden diese junge Kolleginnen und Kollegen nicht im Regen stehen lassen und mit ihnen zusammen um einen Einstellungskorridor kämpfen, der ihnen eine Perspektive in Thüringen bietet. „Thüringen braucht dich gilt auch und insbesondere an den Thüringer Schulen“ so Wolf.

Keine weiteren Schulsozialarbeiter/-innen

Der Thüringer Landesregierung ist es nicht gelungen, sich bis zum Beginn des neuen Schuljahres auf die Einstellung von weiteren Schulsozialarbeiter/innen zu verständigen. „Die Blockade des Thüringer Finanzministers ist unverständlich und mit Blick auf die bisherige personelle Ausstattung katastrophal“, kritisiert Wolf. „Schülerinnen und Schüler brauchen vielfältige Formen der Begleitung im Schulalltag. Schulsozialarbeit kann vor allem soziale und emotionale Störungen bearbeiten helfen und so die Kinder aktiv bei den Lernprozessen unterstützen und die Lehrerinnen und Lehrer entlasten.“

In ihrer Onlinebefragung zu den Arbeitsbedingungen und zur Personalsituation an Thüringer Schulen hat die GEW Thüringen teils besorgniserregende Ergebnisse erhalten. Vor allem die Zufriedenheit mit der sozialen und personellen Ausstattung ist in den Kollegien besonders schlecht. 

Quelle: GEW Thüringen vom 31.08.2012

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