Jugendsozialarbeit / Flucht und Migration

Deutsche JMD-Delegation erkundet Migrationsarbeit in Kasachstan

Vom 23. bis 28. Mai reiste eine Delegation, bestehend aus sechs Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von Jugendmigrationsdiensten aus ganz Deutschland, nach Astana, um sich mit Politikern, Migrationsbeauftragten und Mitgliedern von Jugendorganisationen auszutauschen.

 

Berliner BärIch hab noch einen Bär in Astana: Die „Buddy Bears“ sind bis Ende Juli vor dem Bajterek zu bewundern.

 

125 Berliner Bären stehen vor dem Wahrzeichen Kasachstans, dem Bajterek in der Hauptstadt Astana. Die „Buddy Bears“, eine Wanderausstellung, die schon in Berlin, Istanbul, Tokio, Sydney, Kairo und Buenos Aires zu sehen war, werben friedlich und bunt für die Verständigung zwischen den Völkern. Für den deutschen Astana-Besucher ist die Bären-Ausstellung ein Stückchen Heimat in der zentralasiatischen Boomstadt Astana. Abseits der Bären, die sie sich wunderbar in das moderne Stadtbild fügen, sind sich die beiden Länder allerdings noch etwas fremd. Doch das wird sich jetzt ändern.

Einen wichtigen Schritt zur Annäherung machte Ende Mai die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e. V. (BAG EJSA).  „Dieser Besuch war nur ein erster Schritt von vielen,“ erläuterte Delegationsleiter Jürgen Hermann von der BAG EJSA.

Wie 2009 vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der Bundesrepublik Deutschland und dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Republik Kasachstan protokollarisch vereinbart, soll im Bereich Jugendpolitik enger zusammen gearbeitet werden. Neben der Fachkräftebegegnung wird noch in diesem Jahr ein Austausch zwischen deutschen und kasachstanischen Jugendlichen initiiert.

Jugendliche bei Gruppenaktivität Fremdes wagen: Übungen zum Teambuilding wurde in Kasachstan begeistert aufgenommen.

Was beide Länder in Sachen Jugendmigrationsarbeit, Jugendförderung und Migrationspolitik voneinander lernen können, wurde in den fünf Tagen in Astana intensiv und an höchster Stelle diskutiert.

Der Generalsekretär sowie Mitglieder des Vorstandes von Zhas Otan, dem Jugendflügel der Regierungspartei, standen ebenso Rede und Antwort, wie Mitarbeiter des Bildungsministeriums und der stellvertretende Vorsitzende der Versammlung der Völker Kasachstans. Neben Gesprächen am Runden Tisch stand konkret der Austausch von Methoden im Vordergrund. Bei Übungen zum Teambuilding verdeutlichten die deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie die erlebnispädagogische Praxis in der Jugendsozialarbeit aussehen kann.

Ein wichtiger Programmpunkt war der gemeinsame Besuch eines Integrationszentrums für Oralmanen im 200 Kilometer entfernten Karaganda. Die Oralmanen, wie die kasachischen Rückkehrer heißen, kommen aus den angrenzenden Staaten in ihre alte Heimat zurück. „Vergleichen lässt sich ihre Situation mit der Lage der Aussiedler“, fiel Swetlana Belsch (Jugendmigrationsdienst Lahr) auf. Sie wurde selbst in Kasachstan geboren und fühlte sich an das Übergangswohnheim ihrer Anfangszeit in Deutschland erinnert.  

Die deutsche Delegation trifft auf Kollegen im Integrationszentrum für Oralmanen in Karaganda.

Brücken zu bauen und Vergleiche zu ziehen, gelang den deutschen Teilnehmern nicht nur im Übergangswohnheim. Alexander Böhler, der Leiter des Jugendmigrationsdienstes Montabaur, vermittelte rege auf Kasachisch und Russisch zwischen den Gruppen und warb für eine Verständigung der beiden Kulturen. „Wer sich austauschen möchte, sollte zunächst versuchen, das andere Land zu verstehen und kennen zu lernen.“ Dies bedeutet in Kasachstan vor allem, sich mit seinen Gastgebern an einen Tisch zu setzen und eine beeindruckende Gastfreundschaft zu erfahren. Nationalgerichte und Tischbräuche wurden nicht nur ausführlich zelebriert, sondern auch immer mit der Geschichte von Kasachstan verbunden.

Natürlich ist Kasachstan zu groß und zu komplex, um in nur einer Woche einen erschöpfenden Eindruck von Politik, Land und Leuten sowie von Migrations- und Jugendsozialarbeit zu bekommen. Der Grundstein für einen fruchtbaren Austausch aber ist gelegt. Und eines ist sicher: solche intensiven Begegnungen können für Deutschland und Kasachstan nur ein Gewinn sein.
Vom Bajterek aus sieht man eine hochmoderne Stadt, eine endlose Steppe bis zum Horizont und, direkt zu Füßen des Wahrzeichens, 125 Berliner Bären. Auch das hat die deutsche Delegation in einer Woche Kasachstan erfahren: Astana und Berlin können manchmal sehr nah beieinander liegen. 
 
Quelle: BAG Ev. Jugendsozialarbeit

ik

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