Fachzeitschrift

Corona trifft Mädchenarbeit

Vier junge Mädchen unterschiedlicher Herkunft stehen in einem Garten und stecken lächelnd die Fäuste zusammen.
Bild: © Mat Hayward - fotolia.com

Unter dem Titel „Corona!“ ist die neue Ausgabe der Fachzeitschrift „Betrifft Mädchen“ erschienen. Enthalten sind Stellungnahmen sowie Einblicke in die Mädchenarbeit unter Corona-Bedingungen. Außerdem kommen Mädchen und junge Frauen selbst zu Wort.

Die Corona Pandemie betrifft weltweit alle Gesellschaften, aber nicht alle und alles in gleicher Weise, wie es in der Stellungnahme von adis e.V. in der neuen Ausgabe der Betrifft Mädchen formuliert wird. Verletzlichkeiten von Menschen werden deutlich, Ungleichheitsstrukturen im Kontext Migration, Flucht und Armut, schlechte und gute Bedingungen für soziales, (wahl)familiäres, öffentliches Zusammenleben, für das Arbeiten in Krankenhäusern, in der Pflege, in der Schule und in der Jugendhilfe und Jugendarbeit.

Was Mädchen zu sagen haben

Wie Mädchen und Mädchenarbeit konkret von der Pandemie betroffen sind, das steht im Mittelpunkt dieses Heftes. Hierzu wurden in einem offenen Call Berichte, Erfahrungen und Stellungnahmen aus der Mädchenarbeitslandschaft erbeten. Das traf auf große Resonanz, sodass die Redaktion 19 Interessenbekundungen innerhalb kurzer Zeit bekam. Sie charakterisieren die Vielstimmigkeit dieses Heftes: Unter anderem sprechen die Mädchen und Fachkräfte aus der Praxis der Mädchenarbeit selbst über ihre Erfahrungen und Strategien im Umgang mit der Pandemie. Sie zeigen das Bemühen, das Beste aus der Situation zu machen, berichten dabei von vielen kreativen Ideen und Maßnahmen für eine Mädchenarbeit auf Distanz.

Mädchenarbeit und Corona

Gemeinsam ist allen Beiträgen, dass Beziehungsarbeit das „Herz“ der Pädagogik darstellt, so dass die Einschränkungen und auch Unmöglichkeit, direkter Begegnungen in geschützten Räumen überbrückt werden müssen. Hier werden in erster Linie soziale Medien, Internet, aber auch Spaziergänge genannt. Offene Angebote und Meldepflicht widersprechen sich, da nur diejenigen Mädchen und lsbtiq+ Jugendliche sie besuchen dürfen, die sich eintragen können. Behinderte Mädchen und geflüchtete Mädchen und junge Frauen werden z.T. gar nicht mehr erreicht.

Ambivalent ist dabei zudem die öffentliche Darstellung des Verhältnisses von Schule zu Familie und umgekehrt. Schule werde plötzlich zum positiven Gegengewicht zur Familie idealisiert, die Familie aber als Ort der Bedrohung für Mädchen eher stigmatisiert und nicht selten migrantisch markiert. Dabei gerät aus dem Blick, dass Schule auch einen Ort institutioneller Diskriminierung für Mädchen und lsbtiq+ Jugendliche darstellt und Familien hier vielfach kompensieren. Gleichzeit gilt auch: wenn Schule als soziale Instanz, die Mädchen (und Familien) entlastend wegfällt, fehlen außerfamiliäre Vertrauenspersonen sowohl für Mädchen (für die Familie kein sicherer Ort ist) als auch für die Mädchenarbeit. Hier gilt es, differenziert zu berichten. Die Beiträge tun das, indem in diesem Sinne unterschiedliche Phänomene beschrieben werden.

Mit Beiträgen von:

Delal Atmaca, Alexandra Vogel (DaMigra e.V.), Adrijane Mehmetaj-Bassfeld (agisra e.V.), Team adis e.V., Lydia Boadu, Anna Mühlen, Mona Plate, Katharina Vorberg, Geraldine Wronski, Claudia Wallner, Carina Degen, Claudia Seipelt-Holtmann, Sandra Spormann, Marlen Berg, Franziska Reifenstein, Antje Maier, Cleo Maier, Ganimet Karapinar, Lina Matzoll, Melanie Plößer im Interview mit Annika Schürmann, Sarah Navarro im Interview mit Ines Nadrowski und Lara Remky, Dora Kirchner, Nicole Lindenthal, Anna Gräser, Lisa Heizmann, Leonie Schütt, Felicitas Schnitzspahn, Hanna Küsgen, Mirjam Müllen, Madeline Doneit, Mirijam Beck, Melina Hennicke, Laura Reidenbach, Mukrima Hasso, Renate Sticke

Quelle: Landesarbeitsgemeinschaft Mädchen*arbeit in NRW

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