Jugendsozialarbeit / Sozialpolitik

Berufsbildungsbericht 2016: Über 500.000 Azubis begannen Ausbildung

Mann arbeitet am Schreinertisch
Bild: © jörn buchheim- Fotolia.com

Im vergangenen Jahr haben rund 522.000 junge Menschen eine Ausbildung begonnen, so viele wie seit 1995 nicht mehr. Auch das Verhältnis der angeboten Stellen zur Nachfrage hat sich verbessert. Die Zahl der Jugendlichen im Übergangsbereich geht im Langzeitvergleich deutlich zurück.

Die Bilanz für das Ausbildungsjahr 2015 sieht insgesamt positiv aus: Ausbildungssuchende hatten mehr Angebote als im letzten Jahr. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist gegenüber dem Vorjahr zwar leicht gesunken. Aber der Rückgang der betrieblichen Verträge in den letzten Jahren konnte gestoppt werden.

Verhältnis von Angebot und Nachfrage weiter verbessert

Die wichtigsten Daten des Berufsbildungsberichts, den das Kabinett am vergangenen Mittwoch (27.04.2016) beschlossen hat, im Überblick:

  • 2015 wurden – wie 2014 - rund 522.100 neue Ausbildungsverträge geschlossen. Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsverträge ist dabei leicht gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozent auf 503.200 gestiegen.
  • Auf 563.000 angebotene Ausbildungsstellen kamen 2015 knapp 543.000 Bewerberinnen und Bewerber. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat sich weiter verbessert. Vor allem das Handwerk bot mehr Ausbildungsstellen an.
  • 20.700 Bewerber und Bewerberinnen blieben unversorgt - etwas weniger als 2014.
  • Die Zahl der jungen Menschen im Übergangsbereich ist zwischen 2005 und 2014 deutlich gesunken. 2015 waren knapp 271.000 Jugendliche im Übergangsbereich, um vor allem Schulabschlüsse nachzuholen. Da hierzu auch Flüchtlinge zählen, waren es 7,2 Prozent mehr als 2014.

Azubis wollen nicht weit von zu Hause weg

Allerdings konnten Betriebe rund 41.000 gemeldete Ausbildungsstellen nicht besetzen – das ist neuer Höchststand seit 1996. Zum einen streben mehr junge Menschen ein Studium an. Zwar nimmt von den Studienberechtigten etwa ein Viertel eine duale Berufsausbildung auf (Stand 2014). Sie konzentrieren sich jedoch auf wenige Berufe und verschärfen dort die Konkurrenz.

Zum anderen haben es Firmen immer schwerer, passende Bewerber zu finden. Viele Ausbildungssuchende scheuen sich davor, eine Stelle weiter weg von zu Hause zu suchen.

Kleine Ausbildungsbetriebe ziehen sich aus der Ausbildung zurück: 2014 bildete nur noch etwa jeder fünfte Betrieb aus, 2009 war es noch fast jeder vierte. Auch Startups bilden noch zu wenig aus.

Ausbildung an Digitalisierung der Wirtschaft anpassen

Die Digitalisierung stellt neue Anforderungen an das Qualifikationsprofil. Die Auszubildenden müssen lernen mit 3-D-Druckern, Drohnen oder Assistenzrobotern zu arbeiten. Die Ausbildungsordnungen für die rund 340 dualen Berufe werden deshalb fortlaufend um digitale Ausbildungsinhalte ergänzt.

Das Bundesbildungsministerium hat Ende 2015 ein Sonderprogramm gestartet, um überbetriebliche Bildungsstätten für die digitale Ausbildung auszustatten. In den Überbetrieblichen Bildungsstätten werden Ausbildungsinhalte vermittelt, die kleine und mittlere Unternehmen nicht anbieten können.

Nach dem Berufsbildungsgesetz hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Entwicklungen in der beruflichen Bildung ständig zu beobachten und darüber bis zum 1. April jeden Jahres den Berufsbildungsbericht vorzulegen. Der Bericht wird nach dem Kabinettsbeschluss Bundestag und Bundesrat zugeleitet.

Einstieg ins Berufsausbildung schmackhaft machen

Die Probleme sind erkannt. Um die berufliche Ausbildung zu stärken, haben Bundesregierung, Wirtschaft, Gewerkschaften und Länder die "Allianz für Aus- und Weiterbildung" beschlossen. Mit verschiedenen Programmen soll jungen Menschen der Einstieg in die Berufsausbildung schmackhaft gemacht werden. Der Bund hat das neue Instrument der "Assistierten Ausbildung" eingeführt. 2015 konnten damit bereits knapp 5.000 junge Menschen gefördert werden.

Jobstarter verhilft kleinen Unternehmen zu Azubis

Kammern, Arbeitsagenturen und Wirtschaft wollen deshalb überregional stärker zusammenarbeiten und angebotene Ausbildungsplätze und Bewerber zusammenbringen. Sie wollen Anreize setzen, damit Ausbildungsinteressierte mobiler werden. Kleine Betriebe können sich über das Programm "Jobstarter Plus" Beratung und Hilfe bei der Ausbildung holen. Bei den Kammern gibt es Matching-Partner, die bei der Bewerbersuche helfen. Der Bund stellt zudem mehr Geld für überbetriebliche Ausbildungsstätten bereit.

Knapp 271.000 Jugendliche begannen Maßnahmen im so genannten Übergangsbereich, um vor allem Schulabschlüsse nachzuholen. Die meisten von ihnen haben einen Hauptschulabschluss oder keinen Schulabschluss. Zu den Jugendlichen im Übergangsbereich zählen auch rund 18.000 junge Flüchtlinge. Knapp 5.000 leistungsschwächere junge Menschen haben 2015 erstmals eine Assistierte Ausbildung begonnen. Das Instrument wurde im Mai 2015 gesetzlich eingeführt.

Ausbildungsprogramme für Flüchtlinge geöffnet

Die Integration einer großen Zahl von Geflüchteten in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt steht bevor. Die Nachfrage nach Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und Berufsausbildung seitens der Flüchtlinge wird absehbar wachsen.

Deshalb hat die Bundesregierung für sie bestehende Programme geöffnet - zum Beispiel die "Bildungsketten- bis zum Ausbildungsabschluss". Sprachförderung sowie Assistierte Ausbildung und ausbildungsbegleitende Hilfen sind für Geduldete seit 2016 möglich. Sie müssen sich seit 15 Monaten in Deutschland aufhalten. Die KAUSA-Servicestellen werden verdoppelt und an 28 Orten Migranten und Flüchtlinge beraten.

Geduldete dürfen eine Ausbildung aufnehmen. Junge Asylbewerber (bis 21 Jahre) können befristet geduldet werden, wenn sie eine Ausbildung beginnen oder fortsetzen wollen.

Bundesregierung, Bundesagentur für Arbeit und der Zentralverband des Deutschen Handwerks haben im Februar die Qualifizierungsinitiative "Wege in Ausbildung für Flüchtlinge" gestartet.

Quelle: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung vom 27.04.2016

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