Jugendsozialarbeit / Sozialpolitik

Ausbildungsgarantie für alle jungen Menschen – GEW und EJSA fordern mehr Qualität in der dualen und vollzeitschulischen Ausbildung

Eine junge Frau steht lächelnd in einer Holzwerkstatt und hält ein tablet in der Hand.
Bild: © seventyfour - fotolia.com

Für mehr Qualität in der Ausbildung machen sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA) mit Blick auf die am 6. März veröffentliche „Integrierte Ausbildungsberichterstattung“ des Statistischen Bundesamtes stark. Die Arbeitgeber sind gefordert, klare Beschäftigungs- und Aufstiegsperspektiven für beruflich Qualifizierte zu bieten und die berufliche Ausbildung attraktiver zu gestalten.

„Die Zahl der Anfänger in der Berufsausbildung ist mit 730.000 gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Im bislang wenig beachteten Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen haben allein 186.000 junge Menschen eine vollzeitschulische Ausbildung aufgenommen. Das bedeutet einen Anstieg von gut 30 Prozent gegenüber 2005. Deshalb müssen diese nicht dualen Berufe dringend aufgewertet werden“, sagte Ansgar Klinger, für Berufliche Bildung und Weiterbildung verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, am 6. März 2020 in Frankfurt a.M.

Bildungsgewerkschaft und Evangelische Jugendsozialarbeit für die Stärkung der Beruflichen Bildung

Die Zahl der Anfänger in dualen Berufen sei hingegen mit gut 492.000 leicht gesunken. Klinger betonte, dass die Abbrecherquote in der Ausbildung bei mehr als 25 Prozent liege, in einigen Berufen sogar bei über 50 Prozent. „Das sind Fehlentwicklungen, die ein genaues Überprüfen der Ausbildungsqualität erfordern. Diese Zahlen müssen Konsequenzen haben, wenn man die berufliche Bildung stärken will“, unterstrich der GEW-Berufsbildungsexperte.

Beschäftigungs- und Aufstiegsperspektiven für beruflich Qualifizierte bieten

Die Zahl der Studienanfänger sei mit knapp 512.000 gegenüber dem Vorjahr geringfügig gesunken. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Sektor am stärksten gewachsen sei: seit 2005 um knapp 40 Prozent. „Das ist kein Beleg dafür, dass berufliche Abschlüsse entwertet werden“, sagte der Gewerkschafter. Diese Entwicklung sei mit dem individuellen Wunsch der Lernenden nach gesellschaftlichem Aufstieg zu erklären. Hier seien vor allem die Arbeitgeber gefordert, klare Beschäftigungs- und Aufstiegsperspektiven für beruflich Qualifizierte zu bieten und die berufliche Ausbildung attraktiver zu gestalten.

Verlässliche Unterstützung im Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf gefordert

„In der Debatte um die Zukunft der Ausbildung dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, dass mehr als 2,1 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss haben - Tendenz weiterhin steigend. Das ist ein Skandal ersten Ranges. Für mehr Qualität in der Ausbildung machen sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA) mit Blick auf die am 6. März veröffentliche „Integrierte Ausbildungsberichterstattung“ des Statistischen Bundesamtes stark.“, betonte die Vorstandsvorsitzende der BAG EJSA, Christiane Giersen. Nachdem die Zahl der jungen Menschen im sogenannten „Übergangsbereich“ bis 2013 auf gut 250.000 gesunken sei, liege sie nach einem Anstieg auf knapp 274.000 im Vorjahr weiterhin noch bei gut 255.000.

Junge Menschen mit besonderem Förderbedarf brauchen passgenaue und verlässliche Unterstützung in der zentralen biografischen Phase des Übergangs von der Schule in Ausbildung und Beruf. Dazu müssen Förderinstrumente wie die Assistierte Ausbildung qualitativ gut gestaltet werden“, betonte Giersen.

Qualifizierung geflüchteter Jugendlicher: berufsbildende Schulen unterstützen

Auch die Ausbildungsquote junger Geflüchteter müsse nach ersten Erfolgen weiter verbessert werden. Bei der Bildung und Qualifizierung geflüchteter Jugendlicher und junger Erwachsener sollten nicht nur die Betriebe, sondern auch die berufsbildenden Schulen besser unterstützt werden, so die Bildungsgewerkschaft und die Evangelische Jugendsozialarbeit. Ferner sei das Deutschsprachförderkonzept des Bundes dringend nachzubessern.

Hintergrundinformation

Die „Integrierte Ausbildungsberichterstattung“ informiert für die Bundes- und die Länderebene über die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger in den „Sektoren“ der Berufsausbildung, im sogenannten Übergangsbereich sowie über den Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung und das Studium. Nach vorläufigen Ergebnissen der integrierten Ausbildungsberichterstattung hat das Statistische Bundesamt (Destatis) am 6. März 2020 mitteilt, dass die Anfängerzahl im Übergangsbereich um 3,3 % gegenüber 2018 abnahm.

Quelle: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA) vom 06.03.2020