Jugendsozialarbeit / Sozialpolitik

Ausbildungsbilanz 2019: Katholische Verbände fordern Recht auf Bildung und Ausbau von Förderangeboten

Eine junge Frau arbeit in der Tischlerwerkstatt an einem Werkstück.
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Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt bleibt kompliziert und angespannt. Trotz Fachkräftemangel gingen im vergangenen Jahr mehr als 70.000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz aus. Die Zahl der jungen Männer und Frauen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss steigt und liegt bei 14 Prozent des jeweiligen Jahrgangs. Deshalb fordern Caritas und BAG Katholische Jugendsozialarbeit ein Recht aus Bildung, Ausbildung und Teilhabe und einen stärkeren Einbezug der Jugendsozialarbeit als Teil der Jugendhilfe mit einer entsprechenden Förderung.

Die am 30. Oktober 2019 veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zum Ausbildungsmarkt sind aus Sicht von Deutschem Caritasverband (DCV) und Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) bedrückend: Trotz des großen Fachkräftemangels gingen rund 73.700 Jugendliche bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz leer aus. Gleichzeitig blieben 53.137 Ausbildungsstellen unbesetzt. Die Probleme des Ausbildungssystems sind offensichtlich, aber die Verantwortlichen in Wirtschaft, Schule und Politik gehen ob des mangelhaften Matchings zur Tagesordnung über. „Viel zu viele Jugendliche verpassen so den Start in ein gutes Erwerbsleben“, kritisieren die beiden katholischen Wohlfahrtsorganisationen in einer gemeinsamen Erklärung.

Um gesellschaftliche Teilhabe und eine Ausbildung für alle jungen Menschen zu ermöglichen, setzt sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) für eine Ausbildungsgarantie ein, die jungen Menschen eine angemessene Förderung auf dem Weg von der Schule in den Beruf sichert. Obwohl viele Betriebe Auszubildende suchen, begannen 270.000 junge Menschen eine Maßnahme im Übergangsystem statt einer Ausbildung. Besonders besorgniserregend ist, dass die Zahl der jungen Männer und Frauen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss gestiegen ist und nun bei 14 Prozent des jeweiligen Jahrgangs liegt.

Jugendsozialarbeit stärker einbeziehen und fördern

„Die Angebote, die jungen Menschen den Weg in die Ausbildung ebnen, müssen sich an ihren Bedarfen orientieren – und nicht umgekehrt. Um Ausbildung allen jungen Menschen zu ermöglichen, machen wir uns stark für flexible Modelle der Teilzeitausbildung und eine verlässliche Assistierte Ausbildung. In der Jugendsozialarbeit setzen unsere Träger und Einrichtungen diese bereits vielerorts erfolgreich mit um“, erklärt Eva Maria Welskop-Deffaa, Vorstand Sozial- und Fachpolitik des Deutschen Caritasverbandes. „Gerade in der digitalen Netzwerkgesellschaft sind das Recht auf Bildung und die Chance zu lebenslangem Lernen Grundlagen fairer Teilhabe.“ Die vage formulierten Ziele der „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ von Ende August dieses Jahres (jugendhilfeportal.de berichtete) reichen nach Ansicht von DCV und BAG KJS nicht aus. Zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen, die oftmals auch einen Zugang zu einer Ausbildung erschweren, müsse die Jugendsozialarbeit als Teil der Jugendhilfe stärker einbezogen und gefördert werden.

Mit Schulsozialarbeit, Übergangsbegleitung, Beratung und Angeboten der Jugendberufshilfe und dem Jugendwohnen für Auszubildende leistet Jugendsozialarbeit bereits jetzt einen großen Beitrag. Allerdings sei die Jugendsozialarbeit in vielen Kommunen unterfinanziert. Diese Leistungen müssen künftig so ausgebaut werden, dass sie verlässlich für alle jungen Menschen mit Unterstützungsbedarf zur Verfügung stehen. Hier sehen die Verbände großen Nachholbedarf.

Jungen Menschen eine Ausbildung ermöglichen

„Von einem chancengerechten Ausbildungsmarkt, der allen benachteiligten und beeinträchtigten Jugendlichen eine qualifizierte Ausbildung ermöglicht, ist Deutschland noch immer weit entfernt. Wir brauchen ein Recht auf Bildung, Ausbildung und Teilhabe. Die Zeit für eine echte Ausbildungsgarantie ist reif. Sie muss aber mehr sein als eine vage erklärte Absicht, wie sie die Allianz für Aus- und Weiterbildung kürzlich formuliert hat. Stattdessen muss jungen Menschen bei Bedarf auch ein konkreter Ausbildungsplatz zur Verfügung gestellt werden. Hier sehen wir die Wirtschaft, aber auch den Staat in der Pflicht. Gute Beispiele etwa in Hamburg oder in unserem Nachbarland Österreich zeigen, dass das funktionieren kann“, unterstreicht Lisi Maier, Vorsitzende der BAG KJS.

Die Zukunft junger Menschen, die schlechtere Startchancen haben und in prekären Lebenslagen sind, dürfe nicht zusätzlich durch eine Gesetzeslage gefährdet werden, deren Fehlanreize in der Praxis längst überdeutlich seien: Beide Verbände fordern seit Jahren die Sondersanktionen für junge Menschen im Sozialgesetzbuch II abzuschaffen. Statt positiver Arbeitsmotivation bei den jungen Menschen führen die scharfen Sanktionsregeln mit tiefen Einschnitten in das Existenzminimum dazu, dass sich tausende Jugendliche vom Hilfesystem abkoppeln, Anspruch auf Unterstützung verlieren und von Wohnungslosigkeit bedroht sind.

Das gemeinsame Positionspapier zur Ausbildungsbilanz 2019 steht bei der Cartitas zur Verfügung. Dort findet sich auch die Caritas Studie Bildungschancen: www.caritas.de/bildungschancen

Die BAG Katholische Jugendsozialarbeit veröffentlicht zudem dem Monitor Jugendarmut. Hierzu finden sich zusammenfassende Informationen auch auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe.

Quelle: Deutscher Caritasverband e.V. und Bundesarbeitsgemeinsaft Katholische Jugendsozialarbeit vom 30.10.2019

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