Jugendsozialarbeit / Jugendforschung

Armut in Deutschland: Jugendliche sind besonders betroffen

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA) legt ein Forderungspapier gegen Jugendarmut vor

Junger Mann am Wasser
Bild: eurodesk Deutschland

"Jugendarmut ist kein privates Defizit oder persönliches Verschulden. Sie entsteht nicht von selbst, sondern ist das Produkt komplexer sozialer, politischer und ökonomischer Prozesse unserer Gesellschaft."

 

„Armut als Realität im Leben von Jugendlichen wird in Deutschland kaum wahrgenommen“, sagt Gretel Wildt (Vorstand BAG EJSA) am Rande der Mitgliederversammlung der BAG EJSA in Dresden. „Die Öffentlichkeit realisiert nur selten, dass der prozentuale Anteil der von Armut Betroffenen im Jugendalter besonders hoch ist und dass es für Jugendliche besonders schwer ist, aus Armut wieder herauszukommen.“ 


Die BAG EJSA hatte sich im Jahr 2010 intensiv mit dem Thema Jugendarmut“ befasst, Zahlen und aktuelle Forschungsergebnisse dazu zusammengetragen, und sich in die sozialpolitische Debatte eingemischt. „Wird Jugendarmut wahrgenommen, so geschieht dies oft unter besonderen Bewertungen“, so Gretel Wildt. „Sie wird mit Begriffen wie selbst verschuldet und damit durch den Willen des Einzelnen veränderbar beschrieben. Oder sie wird als vorübergehend und damit durch den Faktor Zeit überwindbar dargestellt.“

Dieser Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, stellt die BAG EJSA ihre fachliche Einschätzung gegenüber: Jugendarmut ist kein privates Defizit oder persönliches Verschulden. Sie entsteht nicht von selbst, sondern ist das Produkt komplexer sozialer, politischer und ökonomischer Prozesse unserer Gesellschaft. Sie ist kein vorübergehendes Phänomen, das sich ohne entsprechende Weichenstellung nach einer bestimmten Zeit auflöst. Die Lage verbessert sich auch nicht mit zunehmendem Alter der Betroffenen. Jugendarmut ist nicht nur ein Mangel an finanziellen Ressourcen. Sie ist mehrdimensional und führt zu vielfacher Diskriminierung. Armut im Jugendalter bedeutet eine Beeinträchtigung der Bildungs- und Entwicklungschancen - mit negativen Folgen für die einzelne Person aber auch die Gesellschaft insgesamt. Die Gefahr ist groß, dass nicht beachtete Jugendarmut mit allen negativen Folgen für die Gesellschaft und den Einzelnen an die nächste Generation vererbt wird.

In ihrem Forderungspapier „JugendARMUT? NEIN Danke! Evangelische Jugendsozialarbeit gegen soziale Ausgrenzung“ stellt die BAG EJSA die Bedürfnisse von jungen Menschen dar und fordert, dass ein effizientes System von Leistungen bereitgestellt wird, das Armut und Armutsrisiken für Mädchen und Jungen, junge Frauen und junge Männer in prekären Lebenslagen minimiert. „Ein zentraler Baustein ist dabei die durch Ganzheitlichkeit im Hilfeansatz gekennzeichnete Jugendsozialarbeit“, so Gretel Wildt. Diese gehe deutlich über eine reine berufliche Qualifizierung hinaus und zeichne sich durch Niederschwelligkeit des Zugangs, durch Ressourcenaktivierung und das Ermöglichen von Erfolgserlebnissen aus.

Als Evangelischer Fachverband für Jugendsozialarbeit versteht sich die BAG EJSA als Lobby für junge Menschen, die benachteiligt oder von Benachteiligung bedroht sind. In der Gewissheit der Gottesebenbildlichkeit aller Menschen steht sie für die Achtung der Würde jedes Einzelnen/jeder Einzelnen ein und für das Recht auf ein Leben ohne Armut.

Das Forderungspapier der BAG EJSA finden Sie unter http://www.bagejsa.de/fileadmin/user_upload/dokumente/pdf/BAGEJSA_Forderungspapier_Jugendarmut_2010.pdf oder im Themenheft „JugendARMUT? NEIN Danke! Evangelische Jugendsozialarbeit gegen soziale Ausgrenzung“.

Quelle: BAG EJSA

ch