Jugendsozialarbeit / Sozialpolitik

Armut hat ein junges Gesicht – BAG KJS zum 5. Armuts- und Reichtumsbericht

Junge im Kleid
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Anlässlich des vorgelegten Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung positioniert sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V. und fordert eine Chancengerechtigkeit für alle jungen Menschen jetzt umzusetzen.

Der 5. Armuts- und Reichtumsbericht belegt erneut Handlungsbedarf, denn Deutschland bleibt ein in vieler Hinsicht gespaltenes Land. Einkommen und Vermögen sind in Deutschland ungleich verteilt. Die Armutsquote verharrt auf hohem Niveau. Manche Personengruppen sind besonders häufig von Armut und Ausgrenzung bedroht. Dazu zählen insbesondere Kinder und Jugendliche. Die Fakten dazu stellt die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V. bereits seit 2010 in ihrem ‚Monitor Jugendarmut in Deutschland‘ fest.

Der ‚Monitor Jugendarmut’ erscheint alle 2 Jahre. Im Jahr 2014 waren 5 Prozent der deutschen Bevölkerung von erheblicher materieller Not betroffen. 3,7 Millionen unter 18-Jährige haben schlechte Startchancen; Armut und Arbeitslosigkeit sind die Hauptprobleme.

Soziale und emotionale Armutsverhältnisse verfestigen sich

Über 1,5 Millionen 18- bis 25-Jährige sind von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen oder bedroht. Jeder fünfte junge Mensch wächst in Armut auf und hat mit den Folgen zu kämpfen. Jugendarmut betrifft in Deutschland vor allem junge Menschen ohne oder mit niedrigem allgemeinen Schulabschluss und ohne Berufsausbildung. Durch die Chancenungerechtigkeit in Schule und Ausbildung verfestigen sich finanzielle, soziale und emotionale Armutsverhältnisse. Die betroffenen Jugendlichen werden damit von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen. Bildung und Ausbildung sind in Deutschland zu stark von der sozialen Herkunft abhängig. Um die Vererbung von Armut zu durchbrechen, brauchen wir ein gesetzlich verankertes Recht auf Ausbildung. Die besonders harten Sanktionen gegenüber jungen Menschen im Hartz IV-Bezug sind menschenunwürdig, verfassungsrechtlich bedenklich; und daher abzuschaffen.

Der 5. Armuts- und Reichtumsbericht bestärkt den BAG KJS in der Forderung, die bildungsabhängige Vererbung von Armut endlich zu überwinden. Der Bildungserfolg
bzw. Bildungsmisserfolg hängt weiterhin maßgeblich vom Elternhaus ab. 43,8 Prozent der Hauptschulabsolventinnen und -absolventen haben Eltern, deren höchster Schulabschluss ebenfalls ein Hauptschulabschluss ist. Bildungschancen werden durch die frühe Weichenstellungen im Schulsystem beeinflusst. Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass Kinder aus sogenannten bildungsfernen Haushalten bei der Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schulen durch die Lehrerinnen und Lehrer evident benachteiligt werden.

Zum vollständigen Positionspapier der BAG KJS (PDF, 1,7 MB)

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V. vom 12.04.2017

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